Tech & Trends Nvidia Aktie bald bei 515 Dollar: Dieses Kursziel sprengt jede Größenordnung

Nvidia Aktie bald bei 515 Dollar: Dieses Kursziel sprengt jede Größenordnung

Nvidia hebt die Wachstumsprognose auf 70 Prozent an, ein Analyst ruft 515 Dollar aus. Der Kurs reagiert trotzdem mit einem Rücksetzer auf rund 210 Dollar.

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Ein Unternehmen hebt seine eigene Wachstumsprognose von 45 auf 70 Prozent an und die Aktie fällt trotzdem. Genau das ist Nvidia in den vergangenen Tagen passiert.

Die Diskrepanz zwischen operativer Stärke und Kursreaktion ist der eigentliche Stoff, an dem sich Anleger derzeit die Zähne ausbeißen.

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache als der Chart

Nvidia meldete im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz von 96,2 Mrd. Dollar, ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie Wallstreet Online berichtet. Der Konsens lag bei nur 92,3 Mrd. Dollar. Das Data-Center-Geschäft, mittlerweile für rund 92 Prozent des Konzernumsatzes verantwortlich, wuchs um 117 Prozent auf 89,0 Mrd. Dollar. Innerhalb des Segments legten die Hyperscaler um 102 Prozent auf 48,7 Mrd. Dollar zu, während AI Clouds, Industrial und Enterprise mit einem Plus von 138 Prozent auf 40,3 Mrd. Dollar noch schneller wuchsen. Die Nachfrage verbreitert sich damit über die klassischen Großkunden hinaus auf AI-Natives, Neoclouds, Unternehmen und staatliche AI-Infrastrukturprojekte.

Auch unter dem Strich lieferte Nvidia deutlich mehr als erwartet: Das Non-GAAP-Ergebnis pro Aktie stieg um 120 Prozent auf 2,22 Dollar, das operative Non-GAAP-Ergebnis kletterte um 124 Prozent auf 64,0 Mrd. Dollar. Die Bruttomarge lag bei 75,0 Prozent, der freie Cashflow bei 21,3 Mrd. Dollar. Für das dritte Quartal stellte Nvidia einen Umsatz von 108 Mrd. Dollar in Aussicht, deutlich über den zuvor erwarteten 104 bis 105 Mrd. Dollar, allerdings weiterhin ohne jeglichen Data-Center-Compute-Umsatz aus China.

Der Aktienkurs quittierte diese Zahlen zunächst mit einem Sprung, fiel danach aber wieder um rund fünf Prozent, so Onvista. Gleichzeitig zogen die Gewinnerwartungen an, wodurch das Kurs-Gewinn-Verhältnis für die kommenden zwölf Monate auf etwa 18 sank. Das Price-Earnings-to-Growth-Verhältnis liegt bei rund 0,37, ein Wert, der die Aktie im Verhältnis zum erwarteten Wachstum günstig erscheinen lässt. Der Grund für die Kursschwäche liegt nicht in fehlender Nachfrage. Nvidia ist für das laufende Jahr weitgehend ausverkauft und zum Teil bereits für das kommende Jahr. Limitierend wirkt die Produktion, nicht der Bedarf.

Ein Kursziel, das die eigene Logik sprengt

Raymond James nennt für Nvidia ein Kursziel von 515 Dollar. Diese Zahl impliziert laut Onvista einen Anstieg der gesamten Marktkapitalisierung von rund fünf auf zwölf Billionen Dollar. Klassische Zwölf-Monats-Kursziele bilden solche Dimensionen kaum ab, weil der Weg dorthin Zeit braucht. Charttechnisch blieb die erwartete schnelle Bewegung Richtung 240 Dollar bislang aus. Stattdessen läuft die Aktie in das 50-Prozent-Retracement der ersten Reaktion zurück, möglich sind ein Gap Close oder ein erneuter Halt im Bereich um 210 Dollar.

Nach Einschätzung von Onvista-Analyst Martin bleibt Nvidia trotz der schwachen Kursreaktion außergewöhnlich attraktiv, wobei die Aktie mitunter längere Seitwärtsphasen braucht, bis gute Nachrichten stark genug wirken. Ein ähnliches Muster habe sich bereits nach dem früheren Rücksetzer unter 90 Dollar gezeigt. Der Optimismus ist im Analystenkonsens breiter verankert, als es die Kursschwäche vermuten lässt. Laut Finanzen.net empfahlen im August 29 von 29 befragten Experten die Aktie zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 330,24 Dollar, bei einem damaligen Kurs von 220,78 Dollar. Bernstein Research nannte sogar ein Ziel von 400 Dollar.

Die Marge wird zur eigentlichen Beobachtungsgröße

Steigende Speicherpreise drücken die Bruttomarge. Sie sank von 75,0 Prozent im zweiten Quartal auf voraussichtlich 74,0 Prozent im dritten und soll im vierten Quartal auf 71 bis 72 Prozent fallen, bevor sie sich im Geschäftsjahr 2028 bei 72 bis 73 Prozent stabilisiert, wie Wallstreet Online berichtet. Nvidia plant deshalb Preiserhöhungen zu Beginn des neuen Geschäftsjahres. Gleichzeitig erhöhte das Unternehmen seine Liefer- und Kapazitätszusagen innerhalb eines Quartals von 119 auf 279 Mrd. Dollar, überwiegend für Speicherchips, ein Signal, das auch für Zulieferer wie SK Hynix, Micron und Samsung positiv zu werten ist. Technologisch treibt vor allem der Umstieg auf die neue Rubin-Generation das Geschäft. Rubin-Systeme laufen bereits bei CoreWeave, Google Cloud, Microsoft Azure, Oracle und Nebius und sollen im laufenden Quartal rund 20 Prozent des Data-Center-Umsatzes ausmachen, während Blackwell Ultra weiterhin der wichtigste Umsatzträger bleibt.

Auch bei den Großkunden zeigt sich, wie tief Nvidias Infrastruktur verankert ist: AWS wird 2027 und 2028 zwei Millionen zusätzliche Nvidia-GPUs ausrollen, trotz eigener Trainium- und Inferentia-Chips. Zusätzlich entwickelt sich die Vera-CPU zu einem eigenständigen Wachstumstreiber, für den Nvidia im kommenden Geschäftsjahr mehr als eine Verdopplung des Umsatzes erwartet und damit auch den klassischen Server-CPU-Markt angreift. Parallel wächst Nvidias Rolle als Finanzierer der eigenen Kundschaft. Neben den 279 Mrd. Dollar an Liefer- und Kapazitätszusagen bestehen zum Quartalsende 29 Mrd. Dollar an Cloud-Verpflichtungen, 25 Mrd. Dollar an geplanten Beteiligungen sowie bis zu 108,5 Mrd. Dollar maximale Garantien. Für den geplanten OpenAI-Campus in Ohio kann das Unternehmen Garantien von bis zu 105 Mrd. Dollar übernehmen. Die Forderungslaufzeiten stiegen von 45 auf 60 Tage, der freie Cashflow fiel sequenziell deutlich.

Business Punk Check

Belegt ist: Nachfrage und Produktionsengpass sind real, das zeigen ausverkaufte Kapazitäten und die angehobene Prognose. Belegt ist auch, dass die Marge unter Speicherpreisen leidet und Nvidia zunehmend als Finanzierer eigener Kunden auftritt, mit Garantien in dreistelliger Milliardenhöhe für einzelne Projekte.

Wo PR beginnt, zeigt das 515-Dollar-Kursziel: Es beschreibt ein Szenario mit zwölf Billionen Dollar Marktkapitalisierung, ohne belastbaren Zeitrahmen. Ein einstimmiger Analystenkonsens bei 29 von 29 Kaufempfehlungen ist kein Beweis, sondern ein Warnsignal für fehlende Gegenpositionen.

Die konkrete Unsicherheit bleibt: Wachsende Forderungslaufzeiten und sinkender freier Cashflow deuten auf ein Geschäftsmodell hin, das zunehmend auf eigene Finanzierungszusagen angewiesen ist. Wer früh einsteigt, kauft Wachstum. Wer abwartet, beobachtet, ob die Finanzierungskonstruktion trägt, wenn die Kapazitäten irgendwann nicht mehr knapp sind.

Auf einen Blick

  • Nvidia hob die eigene Umsatzwachstumsprognose für das Geschäftsjahr 2028 von 45 auf 70 Prozent an, begrenzt durch Produktionskapazität statt Nachfrage.
  • Raymond James nennt ein Kursziel von 515 Dollar, das eine Marktkapitalisierung von rund zwölf Billionen Dollar impliziert, während der Kurs nach den Zahlen um rund fünf Prozent fiel.
  • Laut *Finanzen.net* empfahlen im August alle 29 befragten Analysten die Aktie zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel lag bei 330,24 Dollar.
  • Steigende Speicherpreise drücken die Bruttomarge Richtung 71 bis 72 Prozent, während Nvidia mit Garantien von bis zu 105 Mrd. Dollar für einzelne Projekte zunehmend zum Finanzierer der eigenen Kundschaft wird.

Quellen: Onvista, Wallstreet Online, Finanzen

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