Brand & Brilliance Milliarden-Run-Rate, Mini-Performance: OpenAIs Werbestory bekommt Riss

Milliarden-Run-Rate, Mini-Performance: OpenAIs Werbestory bekommt Riss

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OpenAI meldet eine annualisierte Milliarde-Dollar-Run-Rate im Werbegeschäft, kaum 200 Tage nach Start. Klickraten und Reporting-Probleme zeigen: Der Hype trägt die Zahl, nicht die Kampagnenrealität.

Eine Milliarde Dollar Run-Rate binnen weniger als 200 Tagen klingt nach einem Werbewunder. Tatsächlich ist die Kennzahl vor allem eine Hochrechnung: aktueller Monatsumsatz mal zwölf, keine bestätigten Jahresbuchungen, wie Digiday laut Trending Topics anmerkt. OpenAI verkündet den Meilenstein wenige Wochen vor einem möglichen Börsengang, bei dem eine Bewertung von 852 Mrd.

Dollar gerechtfertigt werden muss, wie The Decoder berichtet. Das Werbegeschäft soll das „diversifizierte Geschäftsmodell“ aus Abos, Firmenkunden und API-Nutzung ergänzen. Die eigentliche Geschichte liegt jedoch nicht in der Zahl selbst, sondern in der Lücke zwischen Verkaufsnarrativ und Kampagnenalltag der Werbetreibenden.

Marketing-Zahlen zeigen deutliche Diskrepanz zur Google-Suche

Eine Auswertung des Suchdatenanbieters Adthena, über die Trending Topics berichtet, wies für eine Marke eine Klickrate von 0,91 Prozent aus, rund siebenmal niedriger als der Branchenbenchmark von 6,4 Prozent in der klassischen Google-Suche. Ein Großkunde brachte über mehrere Wochen nur drei Prozent eines Budgets von 250.000 Dollar zur Auslieferung.

Adthena-Manager Ashley Fletcher sprach von Reporting-Problemen im Ads Manager und resümierte, die Plattform finde erst ihre Form. Eine Analyse von SE Ranking auf Basis von mehr als 50.000 Prompts, zusammengefasst von eMarketer und zitiert bei Trending Topics, fand zudem: 14,35 Prozent der Anzeigen gingen am Prompt-Thema vorbei, in Kategorien wie News und Politik über 50 Prozent. In 96,37 Prozent der Platzierungen tauchte die Marke im Antworttext gar nicht auf.

Agenturen berichten von Klickpreisen ohne Conversion

Aus der Praxis kommen ähnliche Befunde. Mehrere Agenturvertretende schilderten gegenüber MediaPost, zitiert bei Trending Topics, Kampagnen mit Klickraten um 0,6 Prozent, Klickpreisen von rund sieben Dollar und ausbleibenden Conversions. Wiederholt seien zudem Abweichungen zwischen den Klickzahlen im OpenAI-Reporting und den tatsächlichen Zugriffen in Google Analytics aufgefallen.

OpenAI selbst kontert mit Positivbeispielen: Ein E-Commerce-Kunde habe über 28 Tage einen dreifachen Return on Ad Spend erzielt, ein Technologiepartner melde, mehr als 80 Prozent des anzeigengetriebenen Traffics stamme von Neukunden. Weniger als 20 Prozent der berechtigten Nutzenden sahen laut SE Ranking täglich überhaupt eine Anzeige.

Datenschutz und Kontext bestimmen die Auslieferung

In Europa läuft die Werbung inzwischen in 31 Ländern, darunter Deutschland und Österreich, ausschließlich in den Tarifen Free und Go. Plus, Pro, Business, Enterprise und Education bleiben werbefrei. Die Auslieferung erfolgt derzeit rein kontextbasiert, orientiert an Gesprächsthema, ungefährer Region, Gerätetyp und Sprache.

Als DSGVO-Grundlage nennt OpenAI berechtigtes Interesse, zuständig ist die irische Datenschutzkommission. Personalisierung soll erst später und nur mit aktivem Opt-in folgen. Das Ökosystem umfasst mittlerweile mehr als 50 Mess- und Technologiepartner in über 40 Ländern, ab sofort mit Self-Service-Zugang auch in Indien, dem Nahen Osten und Nordafrika.

Business Punk Check

Fakt ist: OpenAI meldet eine annualisierte Milliarde-Dollar-Run-Rate, eine Hochrechnung, keine bestätigte Jahreszahl. Fakt ist auch, dass mehrere unabhängige Analysen und Agenturberichte deutlich schwächere Klickraten und Reporting-Lücken dokumentieren als von OpenAI kommuniziert.

Die Einordnung: Vor einem möglichen Börsengang braucht OpenAI Wachstumsgeschichten, Werbetreibende brauchen belastbare Performance. Offen bleibt, ob sich die Diskrepanz mit besseren Targeting-Optionen schließt oder ob die Milliarde vor allem ein Verkaufsargument fürs IPO-Narrativ bleibt.

Auf einen Blick

  • OpenAI meldet eine annualisierte Umsatz-Run-Rate von einer Milliarde Dollar für ChatGPT Ads, weniger als 200 Tage nach Marktstart.
  • Analysen von Adthena und SE Ranking zeigen Klickraten deutlich unter dem Google-Suche-Benchmark sowie hohe Raten thematisch unpassender Anzeigen.
  • Agenturvertretende berichten laut MediaPost von Klickpreisen um sieben Dollar ohne nennenswerte Conversions und Diskrepanzen im Reporting.
  • Die Werbung läuft inzwischen in über 40 Ländern und in 31 europäischen Märkten, ausschließlich in den kostenlosen und Go-Tarifen.

Quellen: Trending Topics, Trending Topics, The Decoder

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