Business & Beyond Lake America: Apple zieht nach

Lake America: Apple zieht nach

Erst Google, jetzt Apple: Der Lake Ontario heißt auf US-Karten plötzlich „Lake America“. Donald Trumps geografischer Kulturkampf landet damit auf Millionen Smartphones – und beschert ausgerechnet MapQuest ein spektakuläres Comeback.

Apple folgt Google und übernimmt Donald Trumps neuen Namen für den Lake Ontario. Was nach einem simplen Karten-Update klingt, entwickelt sich zum Politikum zwischen den USA und Kanada – mit einem ziemlich unerwarteten Gewinner. Wer Apple Maps in den USA öffnet, sieht seit Anfang September „Lake America“ statt Lake Ontario. In Kanada bleibt es dagegen bei „Lake Ontario“, außerhalb der beiden Länder sollen beide Namen erscheinen. Apple macht damit selbst die Geografie vom Standort des Nutzers abhängig.

Trump schreibt die Landkarte um

Auslöser ist eine Executive Order, die Trump am 27. August unterzeichnete. Darin weist der Präsident das US-Innenministerium an, den neuen Namen innerhalb von 30 Tagen in das amerikanische System für geografische Bezeichnungen und weitere staatliche Datenbanken einzupflegen. Begründung: die wirtschaftliche Bedeutung des Sees für die USA. Aus einem jahrhundertealten Namen wird damit politische Verfügungsmasse. Besonders pikant: Der See gehört zu den fünf Großen Seen Nordamerikas und bildet einen Teil der Grenze zwischen den USA und Kanada.

Google macht mit, Apple zieht nach

Google hatte bereits angekündigt, „Lake America“ zu übernehmen. Der Konzern verweist darauf, dass Google Maps geografische Namen an offiziellen staatlichen Quellen ausrichtet. Ändert Washington seine Datenbanken, ändert sich also auch die Karte. Apple verfolgt nun denselben Kurs, äußerte sich dazu aber nicht öffentlich. Technisch mag das ein Datenbank-Update sein. Politisch ist die Sache größer: Das Verhältnis zwischen Washington und Ottawa ist nach gescheiterten Handelsgesprächen ohnehin angespannt.

MapQuest spielt den Rebellen

Einer macht nicht mit: MapQuest. Der Kartenanbieter zeigt weiterhin „Lake Ontario“ an und hatte sich bereits geweigert, den Golf von Mexiko in „Gulf of America“ umzubenennen. Während Apple und Google staatlichen Datenbanken folgen, gibt MapQuest den geografischen Traditionalisten. Und das zahlt sich aus. Die Downloads schossen nach oben, die App landete in den USA auf Platz eins der Navigations-Charts. Zeitweise erreichte MapQuest sogar Spitzenplätze in den allgemeinen App-Store-Rankings. Für einen Dienst, der für viele eher nach ausgedruckten Wegbeschreibungen als nach Tech-Hype klingt, ist das ein bemerkenswertes Comeback.

Der Karten-Dino trollt Big Tech

MapQuest kostet den Moment aus. Nach Apples Entscheidung postete das Unternehmen auf X ein GIF mit einem Apfel und der knappen Botschaft „Them Too.“ Zum eigenen Erfolg folgte: „The people have spoken. We are working.“ Ganz neu ist der Streit nicht. Schon beim „Gulf of America“ folgten Apple und Google Trumps Namensänderung. Lake America zeigt nun erneut, wie schnell eine politische Entscheidung zur digitalen Realität werden kann. Wer die wichtigsten Karten kontrolliert, entscheidet schließlich mit darüber, welchen Namen Millionen Menschen jeden Tag für selbstverständlich halten.

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