Business & Beyond Venezuela-Öl: Keine schnelle Rettung für US-Benzinpreise

Venezuela-Öl: Keine schnelle Rettung für US-Benzinpreise

Trump will mit Venezuelas gigantischen Ölreserven Amerikas leergeräumte Notfalllager wieder füllen. Doch zwischen 303 Milliarden Barrel im Boden und einer vollen Strategic Petroleum Reserve liegen gewaltige Hürden – Business Punk liefert die Gründe, warum Trumps Rechnung so nicht aufgehen kann.

Auf dem Papier ist es ein energiepolitischer Jackpot: Washington sichert sich Zugriff auf venezolanisches Öl und stopft damit das Loch in seiner strategischen Reserve. In der Realität hat Trump zwar jede Menge Öl gefunden – nur leider nicht das richtige, nicht schnell genug und nicht ohne politische Umwege.

Trump greift nach Venezuelas Öl

Die USA haben sich über ein ungewöhnliches öffentlich-privates Konstrukt weitreichenden Zugriff auf 17 venezolanische Ölfelder gesichert. Trump spricht von 65 Milliarden Barrel nachgewiesenen Reserven, mehr als doppelt so viel wie die eigenen US-Reserven. Ein erklärtes Ziel ist, die Strategic Petroleum Reserve (SPR) wieder aufzufüllen. Das ist dringend: Nach der Freigabe von 130 Millionen Barrel während des Iran-Kriegs ist sie auf den niedrigsten Stand seit November 1982 gefallen.

100 Milliarden Dollar sagen alles

Im Zentrum des Deals steht North American Blue Energy Partners (NABEP), der zweitgrößte private Ölproduzent Venezuelas. Das Pentagon-nahe Office of Strategic Capital soll bis zu 35 Prozent an einem Unternehmen übernehmen, das NABEP besitzt. Das US-Außenministerium erhält zudem das Recht, 20 Prozent der Förderung zu Produktionskosten zu kaufen und sich bei weiteren Mengen zuerst zu bedienen. NABEP will allerdings 100 Milliarden Dollar in neue Infrastruktur stecken. Schon diese Zahl zeigt: Hier wird keine kurzfristige Ölquelle angezapft, sondern eine marode Industrie wiederbelebt.

Das falsche Öl für Amerikas Speicher

Das vielleicht größte Problem ist ausgerechnet das Öl selbst. Venezuela produziert vor allem schweres Rohöl. US-Raffinerien am Golf können damit hervorragend arbeiten und daraus unter anderem Diesel, Kerosin, Asphalt und Industrieöle herstellen. Für die SPR ist es dagegen ungeeignet. Die amerikanischen Notfallreserven lagern in unterirdischen Salzkavernen, die auf leichtere Rohölqualitäten ausgelegt sind. Schweres venezolanisches Öl erfüllt die Anforderungen nicht und könnte erhebliche technische Probleme verursachen. Selbst eine Mischung mit leichterem Rohöl löst das Problem langfristig nicht vollständig.

Öl im Boden fährt noch keinen Tanker

Venezuela besitzt rund 303 Milliarden Barrel nachgewiesene Ölreserven – mehr als jedes andere Land. Doch Reserven sind keine Produktion. Aktuell exportiert das Land etwa 1,2 Millionen Barrel täglich, rund 150.000 mehr als zu Jahresbeginn. Ende der 1990er-Jahre produzierte Venezuela noch rund 3,5 Millionen Barrel pro Tag. Jahrzehnte mangelnder Investitionen haben Förderanlagen, Pipelines und Infrastruktur jedoch schwer zugesetzt. Bis die Produktion wieder in diese Größenordnung kommt, braucht es Milliarden und Jahre.

Selbst Trump spricht von Jahren

Dass der Deal keine schnelle Rettung bringt, räumt inzwischen sogar Trump ein. Er spricht von zwei bis drei Jahren, bis größere Mengen verfügbar sein könnten. Damit dürfte das zusätzliche Öl weder kurzfristig die SPR retten noch rechtzeitig vor den Zwischenwahlen im November entscheidenden Druck von den Benzinpreisen nehmen. Kommt vorher ein Hurrikan, ein neuer Krieg oder ein anderer Versorgungsschock, braucht Washington eine schnellere Lösung. Selbst bei ausreichend Öl kann das Weiße Haus die SPR nicht einfach nach Belieben vollkaufen. Für klassische Ölkäufe braucht die Regierung entsprechende Mittel und den Kongress. Bei der jüngsten Freigabe behalf sich das Energieministerium deshalb mit Tauschgeschäften: Unternehmen bekamen Öl während der Krise und müssen später entsprechende Mengen zurückliefern.

Trumps Hintertür heißt Öl-Tausch

Genau darin könnte der Ausweg liegen. Die USA könnten schweres venezolanisches Rohöl an Golf-Raffinerien geben und dafür leichteres Öl erhalten, das tatsächlich in die SPR passt. Alternativ könnte venezolanisches Öl verkauft und mit den Erlösen geeignetes US-Rohöl etwa aus dem Permian Basin beschafft werden. Auf dem Papier würde Venezuela damit die Reserve auffüllen – nur eben nicht mit denselben Barrels.

Der Öl-Jackpot kommt zu spät

Langfristig kann der Deal für die USA strategisch wertvoll sein: riesige Reserven, mehr Einfluss in Venezuela und zusätzliches Schweröl für amerikanische Raffinerien. Trumps akutes Ölproblem löst er aber kaum. Falsche Qualität, kaputte Infrastruktur, jahrelanger Produktionshochlauf und politische Hürden stehen zwischen dem großen Versprechen und der vollen SPR. Trump hat sich womöglich einen gigantischen Öl-Schatz gesichert – dumm nur, dass Amerika ihn jetzt braucht und der Schatz größtenteils noch im Boden steckt.

Quellen: Reuters, CBS News

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