work wise · Deutschland

VW-Sanierung: 16 Mrd. Euro für den Abschied vom Personal

VW-CEO Oliver Blume
picture alliance / ASSOCIATED PRESS | RONNY HARTMANN VW-CEO Oliver Blume
Erschienen
Lesezeit4 Min · 723 Wörter
Seite1 / 2

Volkswagen kalkuliert laut Insider-Angaben 16 Mrd. Euro für Stellenabbau und mögliche Werksschließungen; Emden und Zwickau drohen ab 2031 das Aus, entschieden ist aber noch nichts.

Handelsblatt und WirtschaftsWoche berichten dies jeweils in Artikeln, die sich wiederum auf Angaben der Nachrichtenagentur Reuters („eine mit dem Vorgang vertraute Person“) stützen. Die Zahl 16 Mrd. Euro liest sich wie ein Kassensturz für den Umbau des größten europäischen Autobauers. Sie zeigt vor allem eines: Der Konzern rechnet damit, dass Personalabbau in dieser Größenordnung nicht billig, sondern teuer wird. Der neue Plan kommt zudem zu einem bereits vereinbarten Stellenabbau von mehr als 35.000 Arbeitsplätzen an deutschen VW-Standorten bis 2030 hinzu, der Umbau ist also kein isoliertes Ereignis, sondern eine weitere Verschärfung eines laufenden Sparkurses.

Wer zahlt wie viel

Für die Elektrowerke Emden und Zwickau sind laut den Berichten jeweils rund eine Milliarde Euro eingeplant, für das Nutzfahrzeugwerk Hannover und die Audi-Fabrik Neckarsulm jeweils zwei Milliarden Euro. Ein dem Aufsichtsrat vorliegendes internes Papier nennt für ein mögliches Produktionsauslaufen die Jahre 2031 (Emden und Zwickau), 2032 (Hannover) und 2034 (Neckarsulm); es handelt sich um Planungsoptionen, nicht um beschlossene Produktionsenden.

Der Sozialabbau soll nur teilweise über Altersteilzeit und Abfindungen sozialverträglich gelingen, hieß es laut WirtschaftsWoche. Damit wird klar: Die Kostenverteilung folgt keiner Standortlogik, sondern einem Zeitplan, der sich über ein ganzes Jahrzehnt zieht. Die Differenz zwischen den Kosten für Emden und Zwickau auf der einen und Hannover sowie Neckarsulm auf der anderen Seite deutet zudem auf unterschiedlich komplexe Werksstrukturen und Belegschaftsgrößen hin, auch wenn der Insider dafür keine genauere Begründung liefert.

Entschieden ist noch nichts

Der Aufsichtsrat hatte sich vergangene Woche überraschend auf ein Sanierungskonzept geeinigt, mit dem Vorstandschef Oliver Blume die Rendite bis 2030 auf neun Prozent steigern will. Eine endgültige Entscheidung über Werksschließungen wurde jedoch vertagt. VW begründet die Prüfung mit einer Produktionsüberkapazität von rund 500.000 Fahrzeugen in Europa und fehlenden wettbewerbsfähigen Folgeprodukten für die vier Standorte. Bis Ende Juni 2027 soll ein Konzept für eine tragfähige Produktionsstruktur vorliegen.

Der Aufschub verschafft den Werken Zeit, ändert aber nichts an der Grundrichtung des Sparprogramms. Der Zukunftsplan, in den die Standortprüfung eingebettet ist, sieht parallel Investitionen sowie Forschung und Entwicklung von insgesamt 135 Mrd. Euro für den Zeitraum 2027 bis 2031 vor. VW will also gleichzeitig kürzen und investieren, was das Sanierungskonzept zu einer Gratwanderung zwischen Sparzwang und Zukunftsfähigkeit macht.

Promipool