„ICH BIN EIN ABSOLUTER AMATEUR- UNTERNEHMER“
Weltmeister war gestern. Heute baut André Schürrle eine Hydration Brand auf. Über Neuanfänge, verbranntes Geld und den Hunger, wieder etwas gewinnen zu wollen. Die ganze Coverstory gibt’s in unserem neuen Business Punk 3/2026 – ab 19. September am Kiosk. Weltmeister war schließlich gestern. Jetzt wird gegründet.
Interview: Deborah Landshut & Carsten Puschmann
André Schürrle musste sich nach seiner Karriere als Profifußballer erstmal selbst finden: Was kommt jetzt? Er tastete sich ins Investmentgeschäft vor, verbrannte sich dabei auch mal und lernte, was es heißt, mit dem eigenen Geld ins Risiko zu gehen. Heute baut er mit Dryll seine eigene Hydration-Brand für ElektrolytDrinks und -Pulver auf, die aus seinem eigenen Bedarf beim Sport entstanden ist. Vom Weltmeister zum Gründer also – und dabei die Frage im Kopf, was Erfolg eigentlich bedeutet, wenn keine Tore mehr die Antwort liefern. Wir haben den ehemaligen Weltmeister in Berlin zum Interview getroffen und dabei übrigens auch gleich eine Podcastfolge aufgenommen. Im Gespräch erzählt er uns, warum er den Wettbewerb noch immer braucht, was er aus seinem teuersten Investment gelernt hat und warum er zwar keinen Ball, aber noch immer etwas zum Nachjagen braucht.
André Schürrle gründete Dryll gemeinsam mit David Rost – Seriengründer, Investor und CEO der Agenturgruppe MYTY. Die Idee entstand aus einem ganz praktischen Problem: Gute Hydration-Produkte musste der ehemalige Profisportler bisher aus den USA bestellen
BUSINESS PUNK: Du bist nach deiner Fußballkarriere erst Investor, jetzt Unternehmer geworden. Wie kam’s dazu?
André Schürrle: Ich musste mich nach meinem selbstgewählten Karriereende erstmal finden. Ich wusste, Fußball ist es nicht mehr. Aber auch nicht, was es jetzt werden soll. Ich war wie in einem dunklen Raum und habe geschaut, welche Tür aufgeht und wo Licht reinfällt. Dann bin ich nach Berlin gezogen und dort in einen Kreis von Leuten gekommen, die schon lange investieren. Am Anfang hatte ich davon überhaupt keine Ahnung. Wenn mir jemand ein Pitch Deck geschickt hat, klang alles wunderbar – man denkt schnell, jede Firma könnte das nächste Unicorn werden. Deshalb war es für mich extrem wichtig, Menschen in meinem Umfeld zu haben, die das jahrelang machen. Sonst kann man sehr schnell sehr viel Geld verbrennen.
BUSINESS PUNK: Das hast du selbst erlebt.
Mein erstes Investment war noch während meiner Fußballkarriere: eine Fitnessmatte mit App. Ich habe damals 250.000 Euro investiert – und hatte keine Ahnung. Mein Gedanke war ein fach: Wenn ich 250.000 Euro in ein Startup stecke, wird das riesig. Am Ende habe ich immer wieder Geld nachgeschossen und ungefähr eine Million Euro verloren.
BUSINESS PUNK: Wie entscheidest du heute über Investments?
Ich mache mittlerweile nur noch wenige. Ich frage mich: Würde ich das selbst essen, trinken oder benutzen? Alles, in das ich mich erst reinfuchsen müsste, lehne ich eher ab. Ich habe ja jetzt auch meine eigene Firma.
BUSINESS PUNK: Warum wolltest du nach dem Investieren überhaupt selbst etwas gründen?
Auch das kam aus Eigeninteresse. Ich habe wieder viel Sport gemacht – Triathlon, Marathons, Ultramarathons – und ständig Hydration-Produkte und Elektrolyte aus Amerika bestellt, weil ich in Deutschland nichts gefunden habe, das mir gefallen hat. Irgendwann habe ich gedacht: Was ist, wenn wir das einfach selbst machen? Daraus ist Dryll entstanden.
BUSINESS PUNK: Du hättest dich nach der Fußballkarriere auch einfach zurücklehnen können.
Ich habe aber diesen Beat in mir. Ich brauche eine Orientierung und etwas, bei dem am Ende etwas Erfolgreiches herauskommt. Ich könnte sagen: Ich bin Weltmeister geworden, habegenug Geld und mache mir jetzt ein schönes Leben. Aber das wäre nichts für mich.
BUSINESS PUNK: Was war dir bei der Gründung wichtig?
Ich wollte nicht alleine gründen. Ich brauche Leute an meiner Seite, die in ihren Expertisen so gut sind, wie ich in den Dingen, in denen ich gut bin. Also wirkliche Profis. Das merke ich bei Dryll noch stärker als im Fußball: Wie wichtig ein gutes Team ist, gute Mitarbeitende und Co-Founder, die genauso daran interessiert sind, dass etwas funktioniert.
BUSINESS PUNK: Was ist denn deine Stärke als Unternehmer?
Mein Gefühl für Menschen und Entscheidungen. Mein Bauchgefühl ist meistens richtig, und darauf höre ich. Und ich lerne sehr schnell. Deshalb ist es für mich so wichtig, Leute um mich zu haben, die wissen was sie tun und von denen ich lernen kann.
BUSINESS PUNK: Wie sieht dein Alltag heute aus?
Eigentlich ähnlich wie im Profisport. Auch als Fußballer bist du 24/7 mit deinem Beruf beschäftigt: Wie esse ich, wie regeneriere ich, was mache ich beim nächsten Spiel besser? Jetzt ist es bei Dryll genauso. Von morgens, wenn mein Co-Founder die ersten Ideen schickt, bis abends passiert ständig etwas. Aber wenn ich bei meinen Kindern bin, kann ich sehr gut abschalten. Ansonsten ist Dryll eigentlich immer in meinem Kopf.
BUSINESS PUNK: Wie war es für dich, deine erste Dose in den Händen zu halten?
Sensationell. Es ist fast wie ein drittes Baby. Man hat monatelang an Designs gearbeitet und im Labor getestet – und plötzlich laufen 250.000 Dosen vom Band. Wir waren als gesamtes Team dabei. Als ich die erste Dose in der Hand hatte, dachte ich: Damit können wir durchstarten. Das ist richtig geil.
BUSINESS PUNK: Was ist eure Vision mit Dryll?
Wir wollen die Nummer eins der Hydration-Brands im DACH-Raum werden. Im nächsten Jahr wäre für mich ein Erfolg, wenn wir uns bei Dm, Rewe und den anderen Retailern etabliert haben, die Leute uns nicht nur aus einem Hype heraus kaufen, sondern zu Wiederkäufer:inen werden. Und wenn jede:r, der läuft, Fußball und Tennis spielt oder einen aktiven Lifestyle hat, schon mal von Dryll gehört hat.

Bild: Was steckt in Dryll? Drei Elektrolyte: Natrium, Kalium und Magnesium. Dazu Wasser, natürliche Aromen und Stevia
BUSINESS PUNK: Beim Fußball war Erfolg ja leicht messbar. Aber wie misst du ihn heute?
Mit dem Gedanken beschäftige ich mich tatsächlich viel. Im Unternehmertum wird Erfolg oft direkt mit Umsatz, Profit oder Geld verbunden. Für mich ist die wichtigere Frage: Bin ich zufrieden mit der Zeit, die ich hier verbringe? Mit den Dingen, die ich in meinen Tag lasse? Ich will Ansporn spüren. Ich will etwas machen, dem ich nach jagen kann und das mich morgens aufstehen lässt. Und wenn ich das tue, ist das allein für mich schon der Erfolg.
BUSINESS PUNK: Wenn Dryll genauso erfolgreich wird wie deine Fußballkarriere – wird danach dann auch wieder was kommen?
Who knows. Vielleicht gehe ich wieder in meinen dunklen Raum und schaue, wo das Licht reinfällt. Aber jetzt bin ich zu 100 Prozent bei Dryll. Wir wollen gewinnen und werden alles dafür tun.


Bild: André Schürrle gründete Dryll gemeinsam mit David Rost – Seriengründer, Investor und CEO der Agenturgruppe MYTY. Die Idee entstand aus einem ganz praktischen Problem: Gute Hydration-Produkte musste der ehemalige Profisportler bisher aus den USA bestellen
BUSINESS PUNK: Wie siehst du dich selbst als Geschäftsmann?
Ich bin am Anfang. Ich bin ein absoluter Amateur-Unternehmer. In fünf Jahren können wir noch mal sprechen. Dann sehen wir, ob wir wirklich eine gute Firma aufgebaut habe, die Mitarbeitende ernährt und vielleicht auch etwas Positives für dieses Land tut. Bis dahin bin ich einfach auf dem Weg.
BUSINESS PUNK: Was würdest du jemandem sagen, der dich heute fragt: Wer bist du?
Ich bin André. Unternehmer, Investor, Family Dad. Vielleicht: Ich habe eine Hydration-Brand gegründet. Was ich nie sage, ist: Ich war Fußballer und Weltmeister.

Bild: Ehrgeizig: „Wenn ich etwas mache, dann zu 100 Prozent. Alles andere interessiert mich nicht“, sagt der Weltmeister