For Women in Science: Vier Frauen, viermal Zukunft
Parfum aus dem 17. Jahrhundert, Klimamodelle im Turbo, Roboter mit wandelbaren Materialien und Elektronik ohne Batterien: Beim deutschen L’Oréal-UNESCO-Förderpreis „For Women in Science“ trafen gestern Abend vier ziemlich unterschiedliche Ideen für die Zukunft aufeinander. Vier Nachwuchsforscherinnen erhielten dafür jeweils 25.000 Euro.
Vier Frauen, vier Forschungsfelder, 100.000 Euro Förderung: Gestern Abend gehörte die Bühne im Düsseldorfer Schauspielhaus nicht denen, die über die Zukunft reden, sondern denen, die an ihr forschen.
100.000 Euro für vier starke Ideen
L’Oréal, die Deutsche UNESCO-Kommission und das Deutsche Humboldt-Netzwerk zeichneten am 16. September im Düsseldorfer Schauspielhaus vier Nachwuchsforscherinnen aus. Der Förderpreis war jeweils mit 25.000 Euro dotiert. Die Themen hätten unterschiedlicher kaum sein können: Klimaforschung traf auf batteriefreie Elektronik, Wissenschaftsgeschichte auf zirkuläre Robotik. Das Programm läuft international bereits seit 1998 und steht unter dem Leitspruch „Die Welt braucht Wissenschaft – und die Wissenschaft braucht Frauen“. Weltweit wurden mehr als 4.700 Wissenschaftlerinnen gefördert, darunter sieben spätere Nobelpreisträgerinnen. In Deutschland existiert das Programm seit 2007; mehr als 50 Förderpreise wurden seither vergeben.

Buse Aktaş: Robotik, die Ressourcen spart
Dr. Buse Aktaş vom Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Stuttgart entwickelt mehrfach nutzbare Werkstoffe an der Schnittstelle von Mechanik, Robotik und Materialwissenschaften. Ihre Materialien können durch Druck zwischen einem flexiblen und einem stabilen Zustand wechseln. Ein Bauteil kann so beispielsweise erst als weicher Roboterfinger und später als tragende Stütze funktionieren – mehr Einsatzmöglichkeiten, weniger Ressourcenverbrauch.
Dorit Brixius: Hightech trifft 17. Jahrhundert
Dr. Dorit Brixius von der TU Dresden rekonstruiert historische Parfums und Kosmetikrezepturen aus dem 17. Jahrhundert. Was nach Zeitreise ins Duftregal klingt, verbindet Kulturgeschichte mit Naturwissenschaften. Ihre Forschung erschließt vergessene Wissensbestände der Vormoderne und macht zugleich Frauen als Pionierinnen früher Wissenschaft sichtbar.
Mansi Singh: Klimamodelle im Turbo
Dr. Mansi Singh von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt arbeitet an mathematischen Methoden für komplexe Ozean- und Klimadynamiken. Ihr Ziel: Wetter- und Klimasimulationen deutlich schneller machen, ohne bei der Präzision zu sparen. Das reduziert den Bedarf an Rechenressourcen und kann helfen, Extremwetter besser vorherzusagen.
Anna Zieleniewska: Energie ohne Batterie
Dr. Anna Zieleniewska vom TUM Campus Straubing erforscht, wie kleine elektronische Geräte und Sensoren Energie direkt aus ihrer Umgebung beziehen können – etwa aus Licht, Wärme oder Feuchtigkeit. Dafür untersucht sie flexible Energiematerialien auf molekularer Ebene und arbeitet daran, sie stabiler und leistungsfähiger zu machen. Die Perspektive: Elektronik, die deutlich seltener oder irgendwann gar keine klassische Batterie mehr braucht.
Bühne frei für Wissenschaft
Durch den Abend im D’Haus führte TV-Moderatorin Arabella Kiesbauer. Mit auf der Bühne standen Modedesigner Guido Maria Kretschmer, Karriere-Mentorin und „Machtgebiete“-Autorin Christina Sontheim-Leven sowie Zukunftsforscherin Prof. Anabel Ternès von Hattburg. Videobotschaften kamen unter anderem von Forschungsministerin und Schirmherrin Dorothee Bär sowie NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur. Eine ziemlich große Bühne für vier Forscherinnen – und für die Botschaft, dass wissenschaftlicher Fortschritt möglichst viele kluge Köpfe braucht.