Zeekr 7X: Licht an, Regeln aus
Taika Waititi hängt einen Zeekr 7X an die Studiodecke und zerlegt nebenbei die üblichen Regeln der Autowerbung. Sieben irre Welten, ein einziger Scheinwerfer – und kein KI-generiertes Hochglanzmärchen.
Küstenstraße, Sonnenuntergang, SUV in Dreiviertelansicht, Felge blitzt: Autowerbung kann erschreckend vorhersehbar sein. Zeekr und Oscar-Regisseur Taika Waititi machen deshalb das Gegenteil – und lassen das Auto nicht fahren, sondern die komplette Kampagne beleuchten.

Schluss mit Hochglanz-Langeweile
Studio West in Auckland. Der Zeekr 7X hängt an Stahlseilen unter der Decke, alle Studioleuchten sind aus. Die einzige Lichtquelle: die Scheinwerfer des Elektro-SUV. Was ihr Lichtkegel trifft, existiert. Der Rest verschwindet im Schwarz. Kein Fill Light, kein Rim Light, kein Sicherheitsnetz für den Kameramann. Ausgerechnet ein Autoscheinwerfer, konstruiert für maximale Sicht auf der Straße, muss plötzlich Menschen, Kulissen und komplette Szenen inszenieren. „Alles wurde auf dieselbe einfache Weise beleuchtet“, sagt Waititi. „Das hat uns gezwungen, jede Szene sehr präzise und fokussiert zu denken.“ Aus einer technischen Beschränkung wird die Ästhetik der ganzen Kampagne.
Sieben Welten, null KI
Aus einem Studio entstehen sieben komplett unterschiedliche Welten: UFO-Entführung, Steinzeit, Abrissparty, Muskelwahnsinn, Gelage, Blitzlichtgewitter und ein Strand mit zwei Sonnenverbrannten, denen der ganze Irrsinn ziemlich egal ist. Das Entscheidende: Die Szenen wurden gebaut und direkt mit der Kamera aufgenommen. Kulissen, Requisiten, Menschen – statt Prompt und Rendering. „Keine KI. Reine Handarbeit“ wird damit fast schon zum Gegenentwurf einer Werbewelt, in der perfekte Bilder inzwischen in Sekunden entstehen. Drei Wochen Kulissenbau wirken 2026 plötzlich nicht altmodisch, sondern luxuriös. Die eigentliche Botschaft lautet deshalb weniger „Unser Auto kann viel“ als: Wir haben uns verdammt viel Mühe gegeben.
China will mehr als Datenblätter
Zeekr gehört zum chinesischen Geely-Konzern, zu dessen Markenportfolio auch Volvo und Polestar zählen. Mit dem 7X will die Premium-Elektromarke auch in Deutschland angreifen. Technisch bringt das SUV dafür einiges mit: 800-Volt-Architektur, bis zu 475 kW Spitzenleistung in der Topversion und einen WLTP-Verbrauch zwischen 17,7 und 19,9 kWh pro 100 Kilometer. Doch Zahlen allein verkaufen noch keine neue Marke. Wer gegen etablierte Namen wie Audi oder BMW antreten will, braucht Aufmerksamkeit – und Vertrauen.
Hollywood statt Reichweiten-Schlacht
Genau hier kommt Taika Waititi ins Spiel. Oscar für „Jojo Rabbit“, Kultstatus mit „What We Do in the Shadows“, dazu „Thor“ mit reichlich Humor: Waititi besitzt etwas, das sich nur schwer in Media-Budgets einkaufen lässt – eine erkennbare Handschrift. Zeekr leiht sich diese Handschrift, ohne das Auto permanent in die Kamera zu drücken. Der 7X wird nicht zum Hauptdarsteller, sondern zum Werkzeug. Das ist der clevere Teil der Inszenierung: Das Produkt beleuchtet die Geschichte, statt sie mit dem üblichen Werbe-Grinsen zu unterbrechen.
Das Auto verschwindet – und gewinnt
Die stärkste Idee steckt deshalb in einer simplen Umkehrung. Normalerweise will ein Auto gesehen werden. Waititi nimmt ihm genau diesen Auftritt. Der Zeekr hängt außerhalb des Bildes und entscheidet nur noch darüber, was wir sehen. Das Produkt wird vom Motiv zum Blick. Und plötzlich stehen Menschen im Zentrum: albern, aufgeblasen, gefräßig, zögernd oder sonnenverbrannt. Der 7X liefert lediglich das Licht für diesen Wahnsinn.

Abrissbirne für die Autowerbung
Eine der sieben Szenen heißt passenderweise „Abrissparty“. Manchmal müsse etwas aufgebrochen werden, damit Neues entstehen könne, lautet die Idee dahinter. Das lässt sich auf Elektromobilität beziehen. Viel schöner passt es aber zur Werbung selbst. Vielleicht muss tatsächlich erst jemand das Auto unter die Studiodecke hängen, sämtliche Lampen ausschalten und die Küstenstraße endgültig sprengen, damit Autowerbung wieder interessant wird. Und dann steht am Ende der Pressemitteilung dieser herrlich nüchterne Satz: CO₂-Emissionen kombiniert: 0 g/km. Nach UFOs, Muskelbergen und Abrissparty übernimmt eben doch wieder die deutsche Autowerbungspflicht.