Heidi greift an: 340 Millionen Dollar für KI im Klinikalltag
Das australische KI-Unternehmen Heidi hat sich 340 Millionen US-Dollar an neuer Finanzierung gesichert. Damit will es seine Plattform für den klinischen Alltag ausbauen. Ärztinnen, Ärzte und andere Beschäftigte im Gesundheitswesen sollen weniger Zeit mit Dokumentation und Verwaltung verbringen
Heidi: 340 Millionen Dollar gegen den Klinik-Papierkrieg
100 Millionen US-Dollar stammen aus einer von Blackbird angeführten Series-C-Runde, die Heidi mit 900 Millionen US-Dollar bewertet. Weitere 240 Millionen US-Dollar kommen aus einer Wachstumsfinanzierung des Customer Value Fund von General Catalyst.
Vom KI-Scribe zur klinischen Plattform
Heidi startete mit der automatisierten Dokumentation von Patientengesprächen. Inzwischen will das Unternehmen mehr sein als ein KI-Scribe: Die Plattform soll medizinisches Fachpersonal bei administrativen Aufgaben unterstützen, klinische Informationen bereitstellen und es über den gesamten klinischen Arbeitstag hinweg begleiten. Nach Unternehmensangaben wird Heidi weltweit derzeit bei rund 2,8Millionen Patientenkontakten pro Woche genutzt. Das Ziel: mehr Zeit für Gespräche, Aufklärung und Behandlung statt für Bildschirmarbeit und Dokumentation. Insgesamt sei Heidi bislang bei mehr als 175 Millionen Patienten-kontakten eingesetzt worden und habe mehr als 67 Millionen klinische Arbeitsstunden unterstützt. Das sei laut Unternehmen mehr als dreimal so viel wie im September 2025. Der jährlich wiederkehrende Umsatz, kurz ARR, stieg seit dem kommerziellen Start vor zwei Jahren von rund einer Million auf 50 Millionen US-Dollar im April 2026. Die Plattform wird in 190 Ländern und 110 Sprachen genutzt.
Deutschland steht auf der Ausbau-Liste
Seit dem Markteintritt ist die Zahl der monatlich aktiven Nutzerinnen und Nutzer in der DACH-Region bis August 2026 laut Heidi um 205 Prozent gestiegen. Im selben Zeitraum verzeichnete die Plattform dort mehr als 600.000 Interaktionen mit Patientinnen und Patienten. Heidi will sein Team in der Region verdoppeln, in Deutschland ein lokales Führungsteam aufbauen und seine Produkte stärker auf die Gesundheitssysteme in Deutschland, Österreich und der Schweiz zuschneiden. Zu den Kunden zählt unter anderem die Privatklinikgruppe Swiss Medical Network.

NHS, Australien, Neuseeland: Heidi breitet sich aus
In England wurde Heidi nach eigenen Angaben als alleiniger Anbieter für NHS England in den Midlands ausgewählt. Die Beschaffung umfasst 15 Acute and Community Trusts, sämtliche Integrated Care Boards in den Midlands sowie 1.239 Hausarztpraxen.
Auch in australischen Kliniken ist die Plattform im Einsatz. In Neuseeland wurde Heidi in allen Notaufnahmen eingeführt. Mit der neuen Finanzierung will Heidi seine Präsenz in Gesundheitssystemen und privaten Einrichtungen weiter ausbauen. Speziell im DACH-Raum.
Die KI schreibt längst nicht mehr nur mit
Das Modul „Heidi Evidenz“ liefert kontextbezogene klinische Informationen und hat seit seinem Start im März 2026 weltweit fast acht Millionen Anfragen beantwortet. Hinzu kommen eine Diktierfunktion und „Remote“, Heidis erstes tragbares Hardwaregerät. Außerdem wird die Plattform zunehmend an elektronische Patientenaktensysteme angebunden. Für Transkription und Notiz-erstellung verwendet Heidi nach eigenen Angaben nahezu vollständig selbst entwickelte KI-Modelle.
Ein Teil der neuen Finanzierung soll in klinische Sicherheit und regulatorische Verfahren für weitergehende klinische Funktionen in Europa und Großbritannien fließen. Datenschutz und DSGVO-Konformität bezeichnet das Unternehmen als zentrale Prioritäten. Die Verantwortung für klinische Entscheidungen soll jederzeit beim medizinischen Fachpersonal bleiben.