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Capri-Sun: Mit 85 macht der Eigentümer den CEO-Job selbst

Capri-Sun am sonnigen Küstenstrand.
BP | KI-generiert mit ChatGPT Capri-Sun am sonnigen Küstenstrand.
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Lesezeit3 Min · 644 Wörter

Hans-Peter Wild, 85, entbindet seinen Konzernchef von allen Aufgaben und führt Capri-Sun wieder operativ. Gründe nennt das Unternehmen keine. Eine Einordnung.

Andere Unternehmer in diesem Alter schreiben Memoiren, Wild schreibt den Dienstplan neu. Mitte September verschwand bei Capri-Sun der Vorstandschef und der Eigentümer stand wieder im Maschinenraum. Offiziell ohne Begründung, inoffiziell mit reichlich Raum für Deutungen. Bevor Sie sich eine bauen: Sortieren wir, was belegt ist.

Was bestätigt ist – und was nur Gerüchteküche bleibt

Roland Weening wurde mit Wirkung zum 18. September 2026 von seiner Position als CEO und von allen weiteren Aufgaben entbunden, öffentlich wurde das am 25. September. Wild bleibt Verwaltungsratspräsident der Capri Sun Group Holding AG und übernimmt zusätzlich operative Aufgaben. Das Unternehmen betont Kontinuität: Es werde weiter „von bestehendem Management und Mitarbeitenden sowie Eigentümer Dr. Hans-Peter Wild erfolgreich geführt“.

Der Konzern sitzt im schweizerischen Zug, produziert wird im baden-württembergischen Eppelheim bei Heidelberg, verkauft werden jährlich mehr als sechs Milliarden Trinkbeutel in über 100 Ländern. Wild ist seit 1973 im Familienunternehmen, das Capri-Sun seit 50 Jahren prägt. Einen Nachfolger für den CEO-Posten nennt die Mitteilung nicht, auch keinen Grund für die Trennung.

Der Strohhalm als Stresstest

Dass ausgerechnet jetzt über Führung gesprochen wird, hat einen Auslöser, den viele Beobachter sofort im Kopf haben: den Streit um den Plastikstrohhalm. Seit 2021 liegen Capri-Sun-Beuteln wegen des EU-Verbots für Einweg-Plastikstrohhalme Papierhalme bei. Im September 2024 startete das Unternehmen eine Petition auf change.org, Ziel: eine Million Unterschriften für eine Ausnahme bei der EU-Kommission. Weening selbst argumentierte, Kundinnen und Kunden beklagten, die Papierhalme ließen sich schlecht einstechen, würden weich und schmeckten nach Papier.

Die Rechnung ging nicht auf. Experten rechneten von Anfang an nicht mit einer Ausnahme: „Ich glaube nicht, dass für ein Unternehmen eine Ausnahme gemacht wird“, sagte Adriana Neligan vom Institut der deutschen Wirtschaft. Umweltschützer sprachen von einem „Schritt zurück ins vorige Jahrhundert“. Am Ende standen unter 170.000 Unterstützer statt einer Million.

Ob dieser Misserfolg etwas mit Weenings Abgang zu tun hat, ist nicht belegt. Capri-Sun äußert sich dazu nicht. Seriös lässt sich nur sagen: Die Petition war eine sehr sichtbare Weichenstellung der Ära Weening, und sie verpuffte.

Die Freiheit, nichts erklären zu müssen

Interessanter als die Frage nach dem Warum ist die nach dem Wie. Capri-Sun gehört der Familie Wild. Eine solche Entscheidung muss weder Aktionären noch Analysten erklärt werden. Kein Quartalsbericht, keine Ad-hoc-Mitteilung, kein Investorengespräch. Nur eine knappe Mitteilung und ein Unternehmen, das weiterläuft.

Das ist die Stärke des Eigentümerunternehmers: Er kann schnell handeln. Es ist zugleich seine Schwäche: Wer nichts erklärt, überlässt die Erklärung anderen. Und die ist selten schmeichelhaft.

Business Punk Check

Der Rückzug vom Rückzug ist kein Märchen vom unermüdlichen Patriarchen, sondern ein Signal: Wenn der Eigentümer das Steuer selbst greift, ist entweder Vertrauen verbraucht oder Tempo gefragt. Welches von beiden, wissen derzeit nur die Beteiligten.

Belegt ist nur, dass Capri-Sun mit seinem Strohhalm-Feldzug öffentlich verloren hat und jetzt ohne CEO dasteht. Für Unternehmerinnen und Unternehmer bleibt die unbequeme Lehre: Nachfolge und Führungsrollen sind kein Thema für später. Wer sie nicht regelt, regelt sie irgendwann selbst – im Zweifel mit 85.

Auf einen Blick

  • Hans-Peter Wild übernimmt zusätzlich zu seinem Amt als Verwaltungsratspräsident operative Aufgaben, gestützt auf das bestehende Management. Einen neuen CEO hat das Unternehmen nicht benannt.
  • Capri-Sun nennt keine Gründe. Verbindlich bestätigt ist nur, dass Weening mit Wirkung zum 18. September 2026 von allen Aufgaben entbunden wurde.
  • Die im September 2024 gestartete Petition für Plastikstrohhalme verfehlte ihr Ziel von einer Million Unterschriften deutlich und kam auf unter 170.000.
  • Das Unternehmen verkauft laut eigenen Angaben jährlich mehr als sechs Milliarden Trinkbeutel in über 100 Ländern.

Quellen: about-drinks, WirtschaftsWoche, Yahoo Finanzen, KI-unterstützt

Portrait Uli Weißgerber

Uli Weißgerber

Seit über 25 Jahren bewegt er sich an der Schnittstelle von Medien, Marketing und Technologie. Stationen? Sport1, ProSiebenSat.1, Bertelsmann – er war beim Start von Sport1.de dabei hat unter anderem die erste Affiliate-Kampagne in Polen ausgerollt hat. Später hat er mit getperformance das erste TV-Performance-Tracking entwickelt und Marken wie Trivago ins Fernsehen katapultiert. Als Gesellschafter von Promipool wurde er Publisher und baute ein starkes, unabhängiges Content-Portfolio auf. Heute bringt er mit seinem Team und Partnern eigene, komplexe KI-Workflow-Lösungen in Verlage und Agenturen, die mehr können als Buzzwords – unter anderem steuern sie die komplette digitale Plattform von Business-Punk.com.