Ölpreis Brent knackt 100 Dollar & setzt EZB unter Druck
Raketen, versenkte Tanker, ein Preis über 100 Dollar: Der Krieg um die Straße von Hormus zeigt, wie fragil globale Energiemärkte wirklich sind und warum Goldman Sachs schon höher rechnet.
Fünf iranische Öltanker zerstört, einer versenkt, zwanzig Raketen über Jordanien abgefangen: In dieser Nacht ist der Krieg zwischen den USA und dem Iran erneut eskaliert und der Ölpreis hat prompt reagiert. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent kletterte wieder über 100 Dollar je Barrel, wie Tagesschau berichtet.
Ein Fass verteuerte sich zwischenzeitlich um 2,2 Prozent auf 100,07 Dollar, bevor der Kurs wieder leicht unter die runde Marke fiel. Auch die US-Sorte WTI zog um 1,8 Prozent auf 94,73 Dollar an. Für eine Weltwirtschaft, die glaubte, das Schlimmste liege hinter ihr, ist das eine unbequeme Erinnerung: Die Straße von Hormus bleibt der wunde Punkt der globalen Energieversorgung.
Hormus als Nadelöhr
Durch die Meerenge zwischen Iran und Oman lief vor dem Krieg fast der gesamte Export der Golf-Anrainer, rund ein Fünftel aller weltweiten Öltransporte täglich. Pipelines und Lkw-Transporte umgehen die Route zwar seit Kriegsbeginn, reichen laut Tagesschau aber nicht aus, um die Exportmengen zu den Weltmärkten aufrechtzuerhalten. Das US-Militär zerstörte nach eigenen Angaben als Vergeltung für Teherans Angriff auf ein US-Kriegsschiff fünf iranische Rohöltanker. Irans Revolutionsgarden reagierten nach eigener Darstellung mit „schweren Raketenangriffen“ auf das mit den USA verbündete Jordanien.
Laut der staatlichen jordanischen Nachrichtenagentur Petra fing die Armee 20 ballistische Raketen ab. Der aktuelle Preisanstieg ist damit kein Ausreißer, sondern die x-te Wiederholung eines Musters, das seit sechs Monaten läuft. Mitte Juli war Brent schon einmal kurz über 100 Dollar gestiegen, das Jahreshoch von rund 126 Dollar erreichte der Preis Ende April, als der von den USA und Israel begonnene Irankrieg die Märkte erstmals durcheinanderwirbelte. Noch liegt der aktuelle Kurs deutlich unter dieser Marke, wie DIE ZEIT einordnet.
Front weitet sich aus
Die jüngste Eskalation bleibt nicht auf die Meerenge selbst beschränkt. Bereits in den vergangenen Tagen hatte es immer wieder gegenseitige Angriffe auf Öltanker gegeben. Anfang der Woche trafen zudem Angriffe der mit dem Iran verbündeten Huthi-Miliz Energieanlagen in Saudi-Arabien, wie Tagesschau berichtet.
Damit schwindet die Hoffnung auf eine dauerhafte Lösung des seit sechs Monaten andauernden Konflikts weiter. Anleger befürchten angesichts der eskalierenden Angriffe zusätzliche Störungen der Öllieferungen aus einer Region, die für den Transport von Öl, Flüssigerdgas und Dünger von zentraler Bedeutung ist.