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Ölpreis Brent knackt 100 Dollar & setzt EZB unter Druck

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China kauft wieder mit

Was den Preisdruck zusätzlich verschärft: Nach Tagesschau-Berichten unter Berufung auf die Financial Times hat China seine Nachfrage nach Öl aus dem Nahen Osten wieder deutlich erhöht, nachdem chinesische Käufer zu Kriegsbeginn ihre Einkäufe um ein Drittel reduziert und stattdessen Reserven angezapft hatten. Da der Bedarf nicht nur aus russischem und iranischem Öl gedeckt werden könne, kaufe China nun wieder verstärkt saudisches Öl, sagte June Goh, Analystin bei Sparta Commodities, der Financial Times.

Diese Rückkehr der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt als Großabnehmer trifft auf ein Angebot, das durch die Blockade der Meerenge künstlich verknappt ist. Goldman Sachs hält ein Szenario mit deutlich höheren Preisen für plausibel. In einem Aufwärtsszenario, in dem sich die Angriffe auf Schiffe ausweiten und intensivieren, sehe man Brent potenziell bei 120 Dollar, sagte Daan Struyven, Co-Leiter der globalen Rohstoffforschung bei Goldman Sachs, gegenüber Bloomberg TV, wie Tagesschau dokumentiert. Auch Bank of America und HSBC haben ihre Prognosen zuletzt angehoben.

Notenbanken unter Druck

Ein Preis von 100 Dollar für Brent sollte nicht nur als psychologischer Meilenstein betrachtet werden, sagte Priyanka Sachdeva, leitende Marktanalystin bei Phillip Nova, laut Tagesschau: Dies sei ein Warnsignal für die gesamte Wirtschaft. „Die potenziellen Folgeeffekte steigender Energiepreise erhöhen einerseits die Risiken für die Konjunktur in Europa und den USA direkt und andererseits den Druck auf die Notenbanken, die Inflationsgefahren mit geldpolitischen Straffungen in Schach zu halten“, sagte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets, laut Tagesschau.

Die Folgeeffekte treffen längst die Realwirtschaft: Erdgas verteuerte sich den vorliegenden Informationen zufolge erstmals seit Ende 2022 wieder deutlich, Super E10 kostet an deutschen Tankstellen im Schnitt 2,259 Euro, Diesel legte um fast neun Cent zu. Die Europäische Zentralbank steht damit unter doppeltem Druck: Sie tagt in dieser Woche, an den Märkten gilt eine Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt als ausgemacht. Der DAX verlor bereits 1,1 Prozent und rutschte unter die 26.000-Punkte-Marke.

Business Punk Check

Die Zahl 100 Dollar klingt dramatisch, ist aber vor allem eine psychologische Marke. Entscheidend ist nicht der Kurs von heute, sondern ob die Eskalation an der Straße von Hormus strukturell wird. Genau das ist die unbequeme Wahrheit: Niemand in den Quellen kann seriös vorhersagen, ob es beim „langsamen Zug“ bleibt oder beim „schnellen“, wie es ein Öl-Manager gegenüber der Financial Times formulierte. Goldmans 120-Dollar-Szenario ist explizit ein Wenn-Dann-Fall, keine Prognose mit Ablaufdatum.

Für Entscheider heißt das: Wer auf Energiekosten als Fixgröße kalkuliert, kalkuliert falsch. Wer auf schnelle Deeskalation wettet, ignoriert sechs Monate Kriegsverlauf ohne Lösung. Die eigentliche Frage für Unternehmen ist nicht der Ölpreis selbst, sondern wie widerstandsfähig ihre Lieferketten und Energiekosten-Absicherung gegen genau dieses Szenario sind: lang anhaltende Unsicherheit ohne klaren Ausgang.

Auf einen Blick

  • Der Brent-Ölpreis stieg wieder über 100 Dollar, nachdem das US-Militär fünf iranische Rohöltanker zerstörte und einen versenkte.
  • Irans Revolutionsgarden reagierten mit Raketenangriffen auf Jordanien, wo laut jordanischer Nachrichtenagentur Petra 20 ballistische Raketen abgefangen wurden.
  • Goldman Sachs hält in einem Eskalationsszenario einen Brent-Preis von bis zu 120 Dollar für möglich, das bisherige Jahreshoch lag bei rund 126 Dollar.
  • Steigende Energiepreise erhöhen den Druck auf die EZB, die in dieser Woche über eine Zinserhöhung entscheidet, während der DAX bereits unter die 26.000-Punkte-Marke fiel.

Quellen: n-tv.de, Tagesschau, ZEIT, KI-unterstützt

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.