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Das größte Problem sind die mächtigen digitalen Player

Das größte Problem sind die mächtigen digitalen Player
KI-generiert
Erschienen
Lesezeit6 Min · 1.208 Wörter

Gefälschte Medikamente, KI-Deepfakes und kriminelle Netzwerke: Der Betrug mit unserer Gesundheit ist längst ein Milliardengeschäft. Andreas Arntzen, CEO des Wort & Bild Verlags, nimmt im Business Punk-Interview die mächtigen Tech-Plattformen ins Visier und fordert ein härteres Vorgehen gegen digitale Pharmabetrüger. Wie sich Verbraucher schützen können, lest ihr auch im aktuellen Business-Punk-Heft „It’s a Match“, Ausgabe 3/2026.

Die organisierte Kriminalität hat den Pharmamarkt für sich entdeckt. Ein Medienmanager hat Medfakes jetzt den Kampf angesagt.

Interview Leo Kramer

Mit Deepfakes von populären Gesundheitsjournalist:innen und Ärzt:innen verkaufen Anbieter massenweise gefälschte oder wirkungslose Medikamente – beworben über Facebook, Instagram und TikTok. Andreas Arntzen bietet Medfakes nun die Stirn. Der erfahrene Medienmanager ist seit 2016 CEO des Wort & Bild Verlags, zu dem unter anderem die Apotheken Umschau zählt. Die Gefahren von Pseudo-Arzneien kennt er und setzt sich nun dafür ein, dass die Politik der gefährlichen Betrugsmasche ein Ende setzt.

BUSINESS PUNK: Wann bist du zuletzt auf ein KI-generiertes Bild reingefallen?

Andreas Arntzen: Vermutlich innerhalb der letzten 24 Stunden. Die Frage ist nur, ob man es merkt.

Bild: Andreas Arntzen ist Unternehmer, brachte Jobline Germany an die Börse und gründete Parship. Als Medienmanager hatte er Führungsrollen bei Zeit, Handelsblatt, Madsack und NZZ Business Media inne, bevor er 2016 CEO des Wort & Bild Verlags wurde.

BUSINESS PUNK: Künstliche Intelligenz bringt leider auch Kriminellen ungeheure Möglichkeiten neuer Betrugssysteme.

Andreas Arntzen: Ja, bei dem, worüber wir uns jetzt unterhalten, dürfen wir nicht vergessen, dass es quasi der Stand von vorgestern ist. Das entwickelt sich exponentiell weiter. Da wird noch einiges auf uns zukommen.

BUSINESS PUNK: Welchen Bezug hast du selbst zu diesem Thema?

Andreas Arntzen: Für mich war ein Event einschneidend, bei dem sich Content Creator aus dem Sportbereich auf dem Podium über Nahrungsergänzungsmittel ausgetauscht haben, was man nun alles nehmen müsste. Im Saal waren rund 100 Influencer:innen, die teilweise verantwortungslos mit ungefilterten Informationen umgehen. Die spreaden das in unserer Gesellschaft weiter und das birgt eine unglaubliche Gefahr. Ich habe live beobachten dürfen, wie sich die Diskussion auf der Bühne in die falsche Richtung entwickelt hat. Gesundheitsinformationen sind ein sensibles Gut und man muss verantwortungsvoll damit umgehen.

BUSINESS PUNK: Es werden nicht nur Mittel zum Abnehmen oder gegen Erektionsstörungen beworben, sondern auch lebenswichtige Medikamente für Diabetiker:innen, Herzkranke und sogar gefälschte Krebsmedikamente.

Andreas Arntzen: Es gibt zwei Aspekte. Einmal geht es um Fake-Medikamente, die gesundheitsschädigend sein können, und das andere ist, dass du irgendwelche Globuli nimmst, bei denen die Patient:innen glauben, das sei das Allheilmittel und deswegen auf die Konsultation eines Arztes oder einer Apothekerin verzichten. Dabei wäre das gegebenenfalls lebensnotwendig, weil sie sich in einer Medikation wähnen, in der sie gar nicht sind. Wir reden hier nicht über irgendwelche Autolacke, die einen bestimmten Farbton nicht wiedergeben. Wir sprechen hier über die Gesundheit von Menschen.

BUSINESS PUNK: Wie packst du das Thema jetzt an?

Andreas Arntzen: Wir erreichen mit der Apotheken Umschau und unseren Unternehmen circa 20 Millionen Menschen pro Monat, ausschließlich mit evidenzbasierten gesundheitsrelevanten Informationen. Unser Job ist es, komplexe Sachverhalte, die unsere Gesundheit betreffen, leicht verständlich wiederzugeben. Das heißt, wir kümmern uns darum, dass die Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung steigt. Das ist eine tolle Verantwortung. Dazu gehört nun auch, dass wir die Menschen davor warnen, was für sie gefährlich sein kann. Die kriminelle Energie, die bei Deepfakes zutagekommt, ist so gravierend und wächst so schnell, dass es de facto ein Riesenthema in unserem Gesundheitssystem sein wird. Da müssen wir aufklären.

Andreas Arntzen, Medienmanager „Gesundheitsinformationen sind ein sensibles Gut und man muss damit verantwortungsvoll umgehen.“

BUSINESS PUNK: Es sind global agierende Unternehmen, die diese Fake-Medikamente vertreiben und sogar Callcenter mit deutschsprachigem Sales-Personal betreiben. Wie kann gegen diese Netzwerke vorgegangen werden?

Andreas Arntzen: Das sind ja ganz viele Ebenen von Kriminalität. Je mehr Menschen darüber sprechen, umso sensibler wird der Großteil unserer Gesellschaft. Dann reagiert vielleicht auch mal die Politik. In Dänemark sind digitale Klone von realen Menschen strafbar, wenn sie ohne Einwilligung der betroffenen Person erstellt wurden. Ich hoffe, dass wir in Deutschland in diese Richtung kommen. Aber wir müssen ja auch ganz klar sagen, dass das größte Problem die mächtigen digitalen Player sind. Die kümmern sich darum, dass diese mafiösen, kriminellen Firmen zielgerichtet den 65-Jährigen mit Bluthochdruck erreichen. Da muss die Gesetzgebung gegen vorgehen.

BUSINESS PUNK: In der EU sollte eigentlich der Digital Services Act greifen. Er regelt, dass Plattformen wie TikTok, Amazon, Facebook und Instagram verantwortlich für illegale Inhalte und Werbung sind. Warum setzen die Institutionen die Gesetze nicht durch?

Andreas Arntzen: Vermutlich Lobby, Macht, Geld. Es sind primär US-amerikanische Unternehmen, auch asiatische. Rational betrachtet ist es überhaupt nicht nachvollziehbar. Wir leben in einer relativ kleinen Bubble, weil wir aus den Medien kommen und sehr digitalaffin sind. Aber es gibt natürlich ganz viele Menschen, die das überhaupt nicht sind und dem Ganzen entsprechend auf den Leim gehen. Es ist eine Katastrophe. Es geht ja nicht nur um dieses eine Thema mit Deepfakes und Medikamenten. Bei Kinderpornografie ist es ja noch viel schlimmer. Man muss sich vor Augen führen, dass es mit dem Stand der Technologie ein Leichtes für jeden Hardwarehersteller eines mobilen Gerätes wäre, dort entsprechende Software zu installieren, um genau solche Dinge zu vermeiden. Aber es wird nicht gemacht, weil ein Milliardenmarkt dahintersteckt.

Bild: Schluss mit Deepfakes in der Medizin: Andreas Arntzen ist überzeugt: „Je mehr Menschen darüber sprechen, umso sensibler wird die Gesellschaft.“

BUSINESS PUNK: Was kann man als Einzelne:r tun, wenn man merkt, gefälschte Medikamente gekauft zu haben?

Andreas Arntzen: Das Wichtigste ist erstmal, dass man als Endverbraucher:in überhaupt merkt, etwas zu sich zu nehmen, das einem gar nicht hilft oder sogar extrem schädlich sein kann. Man sollte eine Apotheke und den Hausarzt aufsuchen, Kontakt zu Vertrauenspersonen suchen und sich genau darüber aufklären lassen, sodass man keinen Schaden nimmt. Der zweite Punkt ist, andere darauf aufmerksam zu machen. Man kann zur Polizei gehen, Anzeige erstatten und sich an die Presse wenden. Je mehr Menschen darüber sprechen, umso sensibler wird unsere Gesellschaft.

Andreas Arntzen, Medienmanager „Die krimenelle Energie, die bei bei Deepfakes zutagekommt, ist gravierend. Wir müssen aufklären.“

BUSINESS PUNK: Um dem Thema mal etwas Gutes abzugewinnen: In den Sozialen Medien bildet sich unter Schlagworten wie Longevity und bei Health Influencer:innen einfach auch die Begeisterung für ein gesünderes Leben ab. Die Digitalisierung hat das Wissen über Gesundheit vervielfacht. Was ist das Schönste, was du in dieser Hinsicht beobachtest?

Andreas Arntzen: Das ist die rasche Weiterentwicklung in der Medizin. Davon bin ich persönlich massiv betroffen. Meine Frau ist seit zwei Jahren schwerstens an Krebs erkrankt. Wir haben von einem Medikament profitiert, das vor einem halben Jahr noch nicht auf dem Markt war. Dieses Medikament hat das Leben meiner Frau gerettet. Wir haben gelernt, dass wenn du sechs Monate überlebst, in diesen sechs Monaten bereits ein neues Medikament auf den Markt kommen kann, dich retten kann. Der Faktor Zeit hat aufgrund der Digitalisierung in der Medizin eine ganz andere Relevanz bekommen. Davon werden wir noch sehr stark profitieren.

Diesen Artikel und weitere spannende Themen gibt’s in unserem aktuellen Heft It’s a match“ 3/2026 unter https://www.business-punk.com/ausgabe/

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