Grönland: Was die Tech-Milliardäre wirklich besitzen
Gates, Bezos, Altman und Thiel gelten als die heimlichen Herren Grönlands. Belegt ist weniger, als der Mythos verspricht, aber genug, um genau hinzusehen. Was dahintersteckt.
Der Mythos ist verlockend: Milliardäre, Künstliche Intelligenz und eine Insel voller Metalle. Die Wirklichkeit ist unbequemer. Die Tech-Elite hat Grönland nicht erobert, sie hat sich Optionen gesichert: Beteiligungen, Beziehungen, Utopien. Gleichzeitig legt Donald Trump den Takt vor. Am 14. Oktober 2026 kündigte er groß angelegte Erkundungen von Öl, Gas und Mineralien an. Grönlands Wirtschaftsministerium widersprach.
Die neue Goldgräber-Methode: KI statt Spitzhacke
Im Zentrum steht KoBold Metals, ein Rohstoffunternehmen, das Vorkommen nach eigenen Angaben mit KI-gestützter Datenanalyse aufspürt. Laut Forbes investierten Jeff Bezos, Bill Gates und Michael Bloomberg ab Anfang 2019 über Breakthrough Energy. Sam Altman stieg 2022 über seinen Fonds Apollo Projects ein, auch Andreessen Horowitz ist dabei. Die Finanzierungsrunde vom Dezember 2024 über 537 Millionen Dollar bewertete KoBold mit knapp drei Milliarden Dollar.
Und Grönland? 2021 vereinbarte KoBold mit dem britischen Explorer Bluejay Mining ein Joint Venture für das Projekt Disko-Nuussuaq an der Westküste: Nickel, Kupfer, Kobalt und Platin, bis zu 51 Prozent Anteil für KoBold. Heute aber sagt KoBold gegenüber Forbes, man habe in Grönland weder Claims noch Personal noch Aktivitäten. Der Satz ist eine Eigenangabe, Stand Januar 2026. Er kratzt am Mythos vom Milliardärs-Bohrer auf Eis.
Thiels Utopie: Eine Stadt ohne Staat
Radikaler denkt Peter Thiel. Laut Forbes finanziert er seit Anfang 2021 das Startup Praxis, das auf der Insel eine „Freedom City“ errichten will. Praxis versteht sich als „internet-native nation“, Mitgründer Dryden Brown hat nach eigenen Angaben versucht, Land in Grönland zu kaufen. Befürworter locken mit Rechenzentren, die vom kalten Klima profitieren sollen. Kritiker erwarten heftigen Widerstand aus Dänemark. Konkrete Summen oder Baupläne nennt kein Bericht und Städte jenseits von Staaten sind laut PopSci über Machbarkeitsstudien bisher kaum hinausgekommen.
Die Lauder-Connection: Wer Trump die Idee gab
Brisanter wird es bei Ronald Lauder, Erbe des Estée-Lauder-Vermögens. Laut dem früheren Sicherheitsberater John Bolton war es Lauder, der Trump in dessen erster Amtszeit den Kauf Grönlands nahelegte. Die dänische Zeitung Politiken berichtet, Lauder habe in ein unprofitables grönländisches Wasserabfüllunternehmen investiert, an dem der Ehemann der grönländischen Außenministerin beteiligt ist. Dazu kommt ein Wasserkraftprojekt über Greenland Development Partners.
Der Arktis-Sicherheitsexperte Marc Jacobsen hält die Investments für wirtschaftlich kaum tragfähig. „Was hier wichtig ist, ist die enge Verbindung zu grönländischen Entscheidungsträgern“, sagt er laut Forbes. Keiner der genannten Milliardäre reagierte dem Bericht nach auf Anfragen.
Geopolitisches Schachspiel: Vom Kaufangebot zum Sicherheitsdeal
Trumps Kaufidee stammt aus dem Jahr 2019. Im Januar 2026 sagte er nach der Gefangennahme von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro: „Wir brauchen Grönland.“ Europäische Staaten schickten Truppen (zu geplanten Manövern) und in Davos schloss Trump militärische Gewalt aus. Am 22. September 2026 unterzeichneten die USA, Dänemark und Grönland am Rande der UN-Generalversammlung ein Sicherheitsabkommen. Es erweitert das Verteidigungsabkommen von 1951, erlaubt den USA den Ausbau der Pituffik Space Base und zwei weitere Verteidigungsgebiete und begrenzt Investitionen aus Staaten, die weder NATO noch EU angehören. Rohstoffe stehen laut Weißem Haus nicht ausdrücklich drin, wohl aber die Zusammenarbeit bei Mineralien.
Trumps Öl-Versprechen vom 14. Oktober kassierte Grönland ein. Jørgen Hammeken-Holm vom Wirtschaftsministerium sagte CNN: „Von einer ‚umfangreichen‘ Exploration sind wir sehr weit entfernt.“ Bis kleinere Projekte produktiv seien, könne es Jahre dauern.
Grönlands Dilemma: Unabhängigkeit mit Absender
Für die rund 57.000 Einwohner ist die Lage zwiespältig. Rohstoffe könnten wirtschaftliche Selbstständigkeit bringen, doch dahinter wartet eine neue Abhängigkeit, diesmal von Kapital aus dem Silicon Valley statt von Kopenhagen. Eine große Mehrheit der Grönländer lehnt laut Umfragen eine Annexion durch die USA ab.
Die Tech-Elite kauft in Grönland Nähe: zu Rohstoffen, zu Entscheidern, zu einem Präsidenten mit Appetit. Wer Beteiligungen, Beziehungen und Utopien bündelt, braucht noch keinen Förderturm, um Einfluss zu haben. Das eigentliche Asset ist Zugang. Bohrungen, wenn überhaupt, kommen später.
Kritische Rohstoffe sind Geopolitik. Die Frage an Lieferanten und Partner lautet wem Vorkommen, Genehmigungen und Verträge am Ende gehören und wie belastbar die Versprechen sind, die dazu gemacht werden.
Auf einen Blick
- Bezos, Gates und Bloomberg investierten laut Forbes ab Anfang 2019 über Breakthrough Energy in KoBold Metals, Sam Altman 2022 über Apollo Projects, die Bewertung lag im Dezember 2024 bei knapp drei Milliarden Dollar.
- KoBold erklärt gegenüber Forbes, in Grönland keine Claims, kein Personal und keine Aktivitäten zu haben, obwohl das Unternehmen 2021 ein Joint Venture für das Projekt Disko-Nuussuaq vereinbart hatte.
- Peter Thiel finanziert laut Forbes seit Anfang 2021 das Startup Praxis, das eine „Freedom City“ in Grönland plant, Ronald Lauder investierte laut Politiken in ein grönländisches Wasserabfüllunternehmen.
- Die USA, Dänemark und Grönland unterzeichneten am 22. September 2026 ein Sicherheitsabkommen, während Grönland Trumps Ankündigung großer Rohstofferkundungen vom 14. Oktober 2026 zurückwies.
Quellen: Forbes, SRF, ARIVA, Global Mining Review, Northern Miner, PopSci