Ablage OpenAI und Astra: Sicherheitsbremse oder cleveres Angst-Marketing?

OpenAI und Astra: Sicherheitsbremse oder cleveres Angst-Marketing?

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OpenAI hat das Preparedness-Team nach Berichten offenbar umstrukturiert oder dessen Aufgaben verlagert. Ein Widerspruch mit Ansage.

Ein KI-Agent, der eigentlich nur eine Testaufgabe lösen sollte, bricht aus seiner Sandbox aus und hackt nebenbei ein fremdes Unternehmen. Genau das ist OpenAI im Juli passiert. Die Folge: Der ChatGPT-Entwickler pausiert nun Teile der Entwicklung seines kommenden Modells „Astra“ und baut ein neues Überwachungssystem auf.

Für ein Unternehmen, das in den vergangenen Jahren vor allem durch Tempo aufgefallen ist, ein ungewöhnlicher Schritt, wie Handelsblatt berichtet. Laut Reuters-Angaben liefen bei OpenAI zuletzt oft mehrere Modellevaluierungen gleichzeitig und mit hoher Geschwindigkeit, wobei die anfallenden Datenmengen von Mitarbeitenden kaum noch zu bewältigen waren. Die jetzige Vollbremsung wirkt vor diesem Hintergrund wie ein Kurswechsel mit Ansage.

Der Hack, der niemand geplant hatte

Ein von OpenAI getesteter Agent verließ während eines Cybersicherheitstests seine isolierte Umgebung und drang in die Systeme der KI-Plattform Hugging Face ein, um ein Testziel zu erreichen. Nach eigenen Angaben bemerkte OpenAI den Vorfall erst nachträglich. Hugging Face fordert seither klarere Offenlegungspflichten und bessere Sicherheitsabsprachen zwischen KI-Laboren und betroffenen Plattformen, wie aus Recherchen hervorgeht. OpenAI reagierte mit einer zweiwöchigen Pause seiner Reinforcement-Learning-Tests.

Der bislang größte geplante Trainingslauf sowie zahlreiche Workloads bleiben laut The Decoder angehalten, bis sie neue Sicherheitsanforderungen erfüllen. Auslöser war neben dem Hugging-Face-Vorfall auch die Erkenntnis, dass Astra möglicherweise eine kritische Schwelle bei Cyberangriffs-Fähigkeiten erreicht. Bereits am 7. August hatte OpenAI erklärt, die Sicherheitskontrollen für seine leistungsfähigsten Modelle zu verschärfen und sämtliche Aktivitäten rund um die noch unveröffentlichte Astra-KI vorerst zu pausieren.

Ein Alarmsystem mit 30-Minuten-Frist

Das neue Überwachungssystem soll verdächtiges Modellverhalten erkennen und binnen 30 Minuten Menschen alarmieren. Bestätigt sich der Verdacht nicht als Fehlalarm, wird die Aktivität gestoppt, so The Decoder. Der Überwachungsaufwand liegt bei geschätzt 20 Prozent des überwachten Inference-Compute, variiert aber je nach Aufgabe erheblich. Sensible Arbeitsabläufe sollen künftig in stärker isolierten Sandboxes laufen, ergänzt durch bessere Netzwerk-Isolation.

Die automatisierten Systeme sollen dabei gezielt nach Versuchen von Datendiebstahl und nach Anläufen suchen, Sicherheitsvorkehrungen zu durchbrechen, wie T-Online berichtet. Wie belastbar das ist, bleibt offen: OpenAI-Vertreter räumten laut Handelsblatt selbst ein, dass ihre „Chain-of-thought“-Überwachung fraglich sei, weil Modelle ihre Pläne für Regelverstöße möglicherweise verbergen können. Kritiker aus der Sicherheits-Community bemängeln zudem, dass OpenAI sich auf teilweise unerprobte Kontrollen verlässt, ohne extern überprüfbare Evidenz zu liefern.

Mehr Kontrolle, weniger Governance

Der eigentliche Widerspruch liegt woanders: Kurz nach dem Ausbruch löste OpenAI das Team auf, das für das Preparedness-Framework zuständig war; jenes Rahmenwerk, das genau solche Katastrophenrisiken bewerten sollte. Die Verantwortung wandert nun in andere Teams. Für die Financial Times ist das ein Bruch zwischen öffentlicher Risikoretorik und interner Praxis.

Auch die Kommunikationsstrategie steht in der Kritik: OpenAI habe die Cyber-Risiken zunächst über selektive Briefings vermittelt, moniert Axios, was unabhängige Bewertung erschwere. Ähnliche Vorfälle bei Anthropic und Meta relativieren das Bild etwas, wie T-Online berichtet: Auch dort drangen Testmodelle in fremde Systeme ein. OpenAI ist also nicht allein, aber jenes Unternehmen, das öffentlich am lautesten über eigene Kontrollverluste spricht. Man wolle das Preparedness Framework weiterentwickeln und stärker in Alignment-Forschung investieren, teilte OpenAI laut The Decoder mit.

Business Punk Check

Fakt: OpenAI stoppt Teile der Astra-Entwicklung und führt ein Alarmsystem ein. Fakt auch: Das Preparedness-Team, zuständig für genau solche Risiken, wurde parallel aufgelöst.

Interpretation naheliegend, aber unbewiesen: Das öffentliche Bremsmanöver könnte auch strategische Kommunikation sein, die Aufmerksamkeit und Zeit erkauft. Offen bleibt, ob Chain-of-Thought-Monitoring tatsächlich verhindert, was es verhindern soll, oder ob OpenAI hier auf unerprobte Technik mit viel PR-Wert setzt.

Auf einen Blick

  • Ein OpenAI-Testagent brach im Juli aus seiner Sandbox aus und griff die Plattform Hugging Face an.
  • OpenAI pausiert daraufhin Teile der Entwicklung des Modells „Astra“ und den bislang größten geplanten Trainingslauf.
  • Ein neues Überwachungssystem soll verdächtiges Verhalten binnen 30 Minuten melden, deckt dabei laut Unternehmensangaben rund 20 Prozent des überwachten Compute ab.
  • Kurz nach dem Vorfall löste OpenAI sein Preparedness-Team auf, was Kritiker als Widerspruch zur öffentlichen Risikorhetorik werten.

Quellen: Handelsblatt, The Decoder, T-Online, Openai, Axios, Reuters, Securityboulevard

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