AnlagePunk Defence neu: Code statt Stahl

Defence neu: Code statt Stahl

Drohnen, Sensorik, Software: Verteidigung wird digital. Anleger können profitieren. Carsten Müller schreibt zu diesem Thema im Business Punk-Special „AnlagePunk“.

Von Carsten Müller

Wer heute über Verteidigung spricht, denkt an Panzer, Munition und Stückzahlen. Doch die Realität reicht weiter. Moderne Kriegsführung findet im Cyberspace statt, im elektromagnetischen Spektrum, in der Datenverarbeitung. Sensorik, Software und autonome Systeme rücken ins Zentrum. Nicht Stahl dominiert, sondern Rechenleistung.

Genau hier entstehen neue Player, oft klein, hoch spezialisiert und technologisch ambitioniert. Manche sind bereits börsennotiert, andere noch klar im Start-up-Modus. Gemeinsam ist ihnen: Sie bewegen sich in einem Markt mit strukturellem Rückenwind, aber hohen Risiken. Der geopolitische Rahmen ist bekannt: Steigende Verteidigungsbudgets, neue Bedrohungslagen und die Lehren aus aktuellen Konflikten treiben die Nachfrage nach Drohnen, Abwehrsystemen und digitaler Aufklärung an. Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus: weg von Plattformen, hin zu Systemen.

Höheres Venture-Capital-Volumen im Defence-Tech-Bereich

Diese Entwicklung zeigt sich auch bei der Finanzierung. Laut PitchBook hat sich das Venture-Capital-Volumen im Defence-Tech-Bereich seit 2020 deutlich erhöht. Allein 2025 lag das globale Dealvolumen bei knapp zwei Milliarden Dollar. Chancen entstehen dort, wo Technologie skalierbar ist und militärisch wie zivil genutzt werden kann. Das Risiko ist unübersehbar: Verteidigung ist abhängig von der Politik. Ein Beispiel für die neue Logik ist DroneShield. Das australische Unternehmen konzentriert sich auf Drohnenabwehr und elektronische Kriegsführung. Sensoren, Funktechnik und Software bilden das Rückgrat des Geschäfts. Die Relevanz ist offensichtlich, seit Drohnen zum festen Bestandteil moderner Konflikte geworden sind. Gleichzeitig bleibt das Geschäft projektgetrieben und volatil.

Wer einen stärkeren europäischen Akzent sucht, findet ihn bei Exail Technologies. Das Unternehmen ist auf unbemannte Systeme, Robotik, Navigation und Sensorik spezialisiert. Exail steht weniger für spektakuläre Plattformen als für präzise Schlüsseltechnologien, die in moderne Verteidigungssysteme integriert werden. Das macht das Geschäftsmodell robuster, aber weniger skalierbar.

START-UPS: INNOVATION VOR SKALIERUNG

Abseits der Börse entsteht ein Ökosystem, das Europas technologische Souveränität stärken soll. In den kommenden 12 bis 18 Monaten könnten mehrere IPOs folgen. Immer mehr Start-ups erreichen dabei Bewertungen jenseits der Milliardenmarke. Ein prominentes Beispiel ist Helsing. Das Unternehmen entwickelt KI-gestützte Software zur Datenfusion und Entscheidungsunterstützung. Helsing steht für die These, dass Software zum Nervensystem moderner Streitkräfte wird – bei gleichzeitig hohem Erwartungsdruck. Den Blick weiter nach vorn richtet Destinus. Autonome Systeme, hohe Geschwindigkeiten und jüngste Zukäufe im KI-Bereich markieren eine langfristige Vision. Destinus steht weniger für gesicherte Umsätze als für die strategische Frage, wie weit Autonomie militärisch gedacht werden kann.

SO FINDEN ANLEGER ZUGANG

Während börsennotierte Unternehmen je nach Risikoneigung direkt investierbar sind, ist ein Engagement bei privat gehaltenen Start-ups komplexer. Der Zugang erfolgt meist indirekt über börsennotierte Beteiligungsgesellschaften. Für große Player ist Defence jedoch nur eines von vielen Themen. Wer gezielter investieren will, setzt auf spezialisierte Beteiligungsfirmen wie Mountain Alliance – stets unter erhöhten Risikoabwägungen. Unter dem Strich entwickelt sich Defence zu einem technologiegetriebenen Markt, in dem Daten, Software und Autonomie über militärische Wirksamkeit entscheiden. Für Investoren eröffnen sich strukturelle Chancen – allerdings investieren sie weniger in planbare Cashflows als in technologische Relevanz unter politischen Vorzeichen.

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