AnlagePunk Krypto-Crash: Wie 700 Milliarden AI-Investments den Bitcoin aushungern

Krypto-Crash: Wie 700 Milliarden AI-Investments den Bitcoin aushungern

Bitcoin rutscht unter 60.000 Dollar – minus 52 Prozent vom Allzeithoch. Die Fed dreht an der Zinsschraube, ETFs bluten aus, und institutionelle Anleger verlieren den Glauben. Willkommen im neuen Krypto-Winter.

Die Zahl ist brutal: 59.000 Dollar. Auf diesem Niveau notierte Bitcoin am Mittwoch zeitweise – der tiefste Stand seit Oktober 2024. Vom Allzeithoch bei 126.000 Dollar im vergangenen Oktober hat sich die Kryptowährung damit mehr als halbiert.

Seit Jahresbeginn steht ein Minus von rund einem Drittel zu Buche. Was früher als sichere Unterstützungslinie galt, wurde im freien Fall durchbrochen. Und diesmal ist kein Einzelereignis schuld, sondern eine toxische Mischung aus Fed-Politik, institutioneller Panik und der größten Kapitalumschichtung seit Jahren.

Zinswende killt Risiko-Appetite

Der Haupttreiber: Die US-Notenbank Fed macht Ernst. Statt der erhofften Zinssenkungen rechnet die Deutsche Bank laut BTC-ECHO inzwischen mit zwei Zinserhöhungen im Jahr 2026. Auslöser sind steigende Ölpreise durch die Iran-USA-Spannungen, die Inflationsängste neu entfachen.

Mehrere Fed-Vertreter sind von Lockerungsandeutungen abgerückt, einzelne bringen sogar weitere Erhöhungen ins Spiel. Höhere Zinsen bedeuten: Investoren hinterfragen ambitionierte Bewertungen bei Risikoanlagen und flüchten in Sicherheit. Bitcoin, lange als digitales Gold gefeiert, wird plötzlich behandelt wie ein Pennywert.

ETF-Massenflucht: 113,8 Millionen Dollar an einem Tag

Parallel dazu kollabiert das ETF-Fundament. An einem einzigen Handelstag zogen Anleger netto 113,8 Millionen Dollar aus US-Spot-Bitcoin-ETFs ab, wie Trending Topics berichtet. BlackRocks IBIT verlor allein 182 Millionen Dollar. Erst am 23. Juni drehte sich das Bild minimal: 39,2 Millionen Dollar flossen zurück, angeführt von ARK 21Shares. Doch das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Marion Laboure von der Deutschen Bank bringt es auf den Punkt: „Der marginale Käufer ist nicht mehr ein Privatanleger, sondern ein ETF-Anleger.“ Und diese Käufer sind gerade auf der Flucht.

700 Milliarden Dollar für AI statt Bitcoin

Der eigentliche Killer: Künstliche Intelligenz frisst dem Krypto-Markt das Kapital weg. US-Technologiekonzerne werden 2026 mehr als 700 Milliarden Dollar in AI-Infrastruktur pumpen, so die Analyse der Deutschen Bank. Gleichzeitig verarbeiten die Märkte den größten IPO aller Zeiten – SpaceX ging Anfang Juni an die Nasdaq. OpenAI und Anthropic stehen in den Startlöchern. Für institutionelle Investoren konkurrieren Bitcoin und AI-Aktien um dieselben Kapitalströme.

Und AI gewinnt. Besonders bitter: Die früher enge Kopplung zwischen Krypto und Tech-Aktien funktioniert nicht mehr. Bitcoin und Solana liegen 32 beziehungsweise 47 Prozent im Minus – selbst als die Aktienmärkte zwischenzeitlich anzogen, blieben die Kryptos am Boden. Gerry O’Shea von Hashdex fasst zusammen: „Die Stimmung bleibt schwach, weil prominente Börsengänge und AI-Aktien die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.“.

Institutionelle kaufen in den Crash

Während Privatanleger flüchten, greifen einzelne Institutionelle antizyklisch zu. Strategy (ehemals MicroStrategy) kaufte diese Woche 520 BTC für 35 Millionen Dollar nach, Strive Asset Management erwarb 759 BTC zu durchschnittlich 65.850 Dollar. Trotzdem: Die Strategy-Aktie fiel auf ein Zwei-Jahres-Tief. Dass das Unternehmen Ende Mai erstmals 32 BTC verkaufte, wurde als alarmierendes Signal gewertet – auch wenn der Verkauf minimal war.

Business Punk Check

Ist der Boden erreicht? Geoffrey Kendrick von Standard Chartered hält an seinem Jahresendziel von 100.000 Dollar fest – 70 Prozent Aufwärtspotenzial. Seine Bedingungen: ETF-Zuflüsse müssen zurückkehren, Unternehmen müssen wieder kaufen, Ölpreise müssen sinken. On-Chain-Daten zeigen: Rund 50 Prozent aller Bitcoin-Bestände liegen im Verlust – historisch oft ein Zyklusboden.

Doch die Realität sieht anders aus: Solange die Fed hawkish bleibt und 700 Milliarden Dollar in AI statt Krypto fließen, bleibt Bitcoin ein Spielball makroökonomischer Kräfte. Die institutionellen Nachkäufe könnten entweder visionär oder verzweifelt sein. Der Clarity Act hängt im US-Senat fest, Banken blockieren. Kurzum: Wer jetzt auf schnelle Erholung setzt, spekuliert gegen strukturelle Gegenströme. Bitcoin ist nicht tot – aber der AI-Boom macht ihn zur Nebensache.

Quellen: BTC-ECHO, Trending Topics, Trending Topics

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