AnlagePunk Musks 1,8-Billionen-Wette: Warum Anleger die SpaceX-Aktie meiden sollten

Musks 1,8-Billionen-Wette: Warum Anleger die SpaceX-Aktie meiden sollten

Am 12. Juni geht SpaceX an die Nasdaq. Für deutsche Anleger so zugänglich wie nie. Doch bei einer Bewertung vom 94-Fachen des Umsatzes und Musks eiserner Stimmrechtskontrolle wird der Mega-IPO zur teuersten Wette der Börsengeschichte.

Elon Musk verkauft Ihnen den Mars. Und Sie dürfen mitbezahlen. Am Freitag, den 12. Juni, wagt SpaceX den Sprung an die Nasdaq. Mit einer angepeilten Bewertung von 1,8 Billionen Dollar wird es der größte Börsengang aller Zeiten. Das Versprechen: Raketen, Satelliteninternet und KI-Rechenzentren im Orbit. Die Realität: Ein Unternehmen, das 2025 laut t3n bei 18,7 Milliarden Dollar Umsatz satte 4,94 Milliarden Dollar Verlust machte.

Und trotzdem stürzen sich deutsche Broker auf den Deal wie Groupies auf Backstage-Pässe. Trade Republic, ING, Commerzbank, Bitpanda, sogar Kraken: alle buhlen um Privatanleger, die bis zum 11. Juni SpaceX-Aktien zum Ausgabepreis von 135 Dollar zeichnen können. Bis zu 30 Prozent der 555 Millionen ausgegebenen Aktien sind für Kleinanleger reserviert, wie WirtschaftsWoche berichtet. Normalerweise sind es 5 bis 10 Prozent. Musk braucht Ihr Geld. Und er weiß, wie man Hype verkauft.

Der Deal ist längst überzeichnet: Und Sie bekommen trotzdem nichts

Klingt verlockend? Ist es nicht. Der Börsengang ist laut Reuters bereits drei- bis vierfach überzeichnet. Heißt: Wenn Sie für 10.000 Euro zeichnen, bekommen Sie im besten Fall ein Viertel davon zugeteilt. Wenn überhaupt. Die meisten Broker werden ihre Kontingente früher schließen, sobald die Nachfrage explodiert. Sie stehen Schlange für eine Aktie, die Analysten von Morningstar für krass überbewertet halten.

Deren Fair Value: etwa die Hälfte des Ausgabepreises. Rechnen wir kurz nach: SpaceX setzt das 94-Fache seines Jahresumsatzes als Bewertung an. Zum Vergleich: Selbst Tesla auf dem Höhepunkt des Hypes kam nur auf das 20-Fache. Und während Tesla irgendwann Gewinne schrieb, verzeichnete SpaceX im ersten Quartal 2026 einen Nettoverlust von 4,28 Milliarden Dollar bei 4,69 Milliarden Umsatz, wie WirtschaftsWoche berichtet. Die beteiligten Investmentbanken rechnen laut Medienberichten erst ab 2030 mit schwarzen Zahlen.

Was Sie kaufen: Starlink, Verluste und Musks Ego

SpaceX ist längst kein reiner Raketenbauer mehr. Zwei Drittel des Umsatzes kommen von Starlink, dem Satelliteninternet-Service. Das einzige Segment, das profitabel läuft: operative Marge 39 Prozent. Die Falcon- und Starship-Raketen verbrennen Milliarden in Forschung und Entwicklung.

Dazu kommt seit Februar die KI-Sparte mit Grok und der Plattform X (Twitter), in die 60 Prozent aller Investitionen fließen. Morgan Stanley prophezeit für 2040 einen Umsatz von 3,4 Billionen Dollar. Bis dahin ist Mars besiedelt, oder SpaceX pleite. Wer weiß das schon. Investorin Cathie Wood hält sogar 2,5 Billionen Dollar für möglich bis 2030. Analysten, die nicht auf Musks Payroll stehen, raten zur Vorsicht.

Ihre Stimme zählt nicht: Musk hat 82 Prozent Stimmrecht

Hier der Clou: Selbst wenn Sie Aktien ergattern, haben Sie genau null Mitspracherecht. Musk hält über spezielle Aktienklassen 82 Prozent der Stimmrechte, wie WirtschaftsWoche berichtet. Er ist CEO, CTO und Verwaltungsratsvorsitzender in Personalunion. Keine Hauptversammlung wird ihn je stoppen. Sie kaufen ein Ticket für Musks Vision. Mitfahren dürfen Sie, lenken nicht.

Dazu droht Ihnen SpaceX unfreiwillig ins Depot zu rutschen, selbst wenn Sie nicht zeichnen. Dank geänderter Aufnahmeregeln könnte die Aktie schon 10 bis 15 Tage nach dem IPO in den Nasdaq 100 und MSCI-Indizes landen. Wer einen ETF auf den MSCI World oder Nasdaq 100 bespart, wird automatisch zum SpaceX-Aktionär. Ob er will oder nicht.

Business Punk Check

Musks Mega-IPO ist ein Lehrstück in Hype-Kapitalismus. Privatanleger werden als Stabilisatoren eingespannt, während institutionelle Investoren längst ihre Wetten platziert haben. Die Bewertung? Die Governance? Autokratisch. Die Verluste?

Klar, Starlink läuft, und wiederverwendbare Raketen sind revolutionär. Aber 1,8 Billionen Dollar für ein Unternehmen, das auf absehbare Zeit rote Zahlen schreibt und komplett von einem narzisstischen CEO abhängt? Das ist keine Investition, das ist Glücksspiel mit schlechten Quoten. Wer unbedingt auf Weltraum setzen will, wartet besser auf den ersten Kurseinbruch nach dem IPO oder investiert in etablierte Aerospace-Player mit echten Gewinnen. Musks Mars-Vision ist faszinierend. Ihr Portfolio sollte trotzdem auf der Erde bleiben.

Quellen: t3n, WirtschaftsWoche, Trending Topics, Reuters

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