AnlagePunk SpaceX-IPO: Trumps Kumpels kassieren 44 Mio. mit ab

SpaceX-IPO: Trumps Kumpels kassieren 44 Mio. mit ab

Beim größten Börsengang der Geschichte verdienen zehn Trump-Vertraute kräftig mit. SpaceX-Anteile im Wert von bis zu 44 Millionen Dollar landen in Regierungskreisen – die gleichzeitig Milliarden-Aufträge vergeben.

Elon Musk wird Billionär, Donald Trumps Berater werden noch reicher – und alle tun so, als wäre das Zufall. Am Freitag startet SpaceX mit einem Börsenwert von 1,75 Billionen Dollar an der Wall Street. Das entspricht etwa dem Bruttoinlandsprodukt Kanadas. Doch während die Finanzwelt über diese absurde Bewertung staunt, läuft im Hintergrund ein ganz anderes Spiel: Mindestens zehn Regierungsmitglieder und Trump-Vertraute halten SpaceX-Beteiligungen im Wert zwischen 9,9 und 43,8 Millionen Dollar, wie Bloomberg berichtet.. Dieselben Leute, die über Milliarden-Aufträge für Musks Firma entscheiden.

Steve Witkoff, Trumps Krisenunterhändler für die ganz großen Weltprobleme, hat ein bis fünf Millionen Dollar in SpaceX gesteckt. Kelly Loeffler, die als Chefin der Small Business Administration eigentlich kleine Unternehmen fördern soll, ebenfalls. Dazu kommen US-Botschafter in Luxemburg, Irland, Tschechien und Portugal. Die Liste liest sich wie das Who’s Who der Trump-Administration. Sobald die Aktie am Freitag zu handeln beginnt, werden aus privaten Beteiligungen börsennotierte Vermögenswerte mit glasklarem Marktwert. Und wenn der Kurs steigt? Jackpot für die Regierungsriege.

Der größte Markt der Menschheitsgeschichte – angeblich

SpaceX behauptet allen Ernstes, der adressierbare Markt für die eigenen Produkte betrage 28,5 Billionen Dollar. Das wäre ein Viertel des globalen Bruttoinlandsprodukts. Zum Vergleich: Der gesamte Automobilmarkt weltweit liegt bei etwa drei Billionen Dollar. Aber klar, Raketen und Satelliten sind bestimmt siebenmal so groß. Diese Zahl steht exemplarisch für den Hype, der diesen Börsengang umgibt. Musk verkauft nicht einfach ein Raumfahrtunternehmen – er verkauft eine Vision, die so groß ist, dass niemand sie überprüfen kann.

Die Bewertung von 1,75 Billionen Dollar macht SpaceX wertvoller als Apple, Microsoft oder Saudi Aramco. Dabei werden am Freitag gerade mal 4,3 Prozent der Aktien gehandelt. Der Rest bleibt fest in Musks Hand – inklusive einer Klausel, die sicherstellt, dass nur er selbst sich entlassen kann. Kein Vorstand, kein Aufsichtsrat, keine Aktionäre können ihm reinreden. Wer hier investiert, kauft im Grunde ein Ticket für Musks Ego-Trip ins All.

Interessenkonflikte? Welche Interessenkonflikte?

Hier wird es richtig pikant: SpaceX lebt von Regierungsaufträgen. Die NASA, das Pentagon, diverse Bundesbehörden – sie alle pumpen Milliarden in Musks Unternehmen. Laut Bloomberg halten nun ausgerechnet Regierungsmitglieder und Berater Beteiligungen, die beim Börsengang massiv an Wert gewinnen können. Michael Lynch, stellvertretender Chef der Bundesbehörde für Regierungsdienste, hat 500.000 bis eine Million Dollar investiert. Er war früher SpaceX-Mitarbeiter. Die Drehtür zwischen Regierung und Privatwirtschaft quietscht so laut, dass man sie in Houston hören kann.

Das Problem ist nicht, dass diese Leute investiert haben – das Problem ist das Timing und die Konstellation. Wenn dieselben Personen, die über Aufträge entscheiden oder Einfluss auf Vergabeprozesse haben, gleichzeitig vom Erfolg des Unternehmens profitieren, nennt man das einen Interessenkonflikt. In Washington nennt man es offenbar Donnerstag.

Der S&P 500 macht nicht mit

Während der Nasdaq seine Regeln geändert hat, um SpaceX und andere Tech-Giganten schneller aufzunehmen, bleibt der S&P 500 stur. S&P Global hat Ende vergangener Woche bekannt gegeben, die Aufnahmekriterien nicht anzupassen. Das bedeutet: SpaceX muss mindestens drei Monate an der Börse sein, bevor der Index das Unternehmen aufnimmt. Für Musk und seine Investoren ist das ein herber Rückschlag. Denn sobald ein Unternehmen in den S&P 500 aufgenommen wird, müssen passive Indexfonds die Aktie kaufen – das treibt den Kurs automatisch nach oben.

Die Entscheidung ist klug. Sie gibt dem Markt Zeit, einen realistischen Preis zu finden, bevor Milliarden aus Indexfonds automatisch in die Aktie fließen. Denn bei einer Bewertung, die auf Annahmen basiert, die selbst Science-Fiction-Autoren für übertrieben halten würden, braucht es erst mal eine Realitätsprüfung. Die könnte schmerzhaft werden.

Business Punk Check

Dieser Börsengang ist ein Lehrstück in Sachen Vetternwirtschaft 2.0. Während Musk eine Bewertung durchdrückt, die jeder ökonomischen Logik spottet, sitzen in der ersten Reihe die Leute, die über seine Regierungsaufträge mitentscheiden. Das ist kein Zufall, das ist System. Die 28,5 Billionen Dollar Marktpotenzial? Reine Fantasie. Zum Vergleich: Der gesamte globale Raumfahrtmarkt liegt bei etwa 400 Milliarden Dollar. SpaceX müsste also nicht nur die Branche dominieren, sondern komplett neue Märkte erfinden. Möglich? Vielleicht. Wahrscheinlich? Kaum. Was hier verkauft wird, ist nicht Substanz, sondern Musk-Mystik. Und die Trump-Connection macht aus einem fragwürdigen Deal ein politisches Minenfeld. Wer hier investiert, sollte wissen: Das ist kein Investment in ein Unternehmen, sondern eine Wette auf Musks Reality-Distortion-Field. Und darauf, dass niemand zu genau hinschaut, wer da alles mitverdient.

Quellen: Bloomberg, BILD, S&P Global, Handelsblatt

Das könnte dich auch interessieren