AnlagePunk Tech-Träume platzen: Europas Börsen crashen und erleben den KI-Kater

Tech-Träume platzen: Europas Börsen crashen und erleben den KI-Kater

Dax verliert ein Prozent, Chipwerte brechen zweistellig ein. Die Tech-Rally ist vorbei – Anleger zweifeln plötzlich an überteuerten KI-Bewertungen und fürchten Zinsschocks von der Fed.

Wenn SpaceX binnen drei Handelstagen 600 Milliarden Dollar Börsenwert verdampfen lässt, wird selbst den euphorischsten KI-Jüngern mulmig. Europas Börsen erlebten am Dienstag eine brutale Ernüchterung: Der Dax sackte um ein Prozent auf 24.893 Punkte ab, der EuroStoxx50 verlor 1,3 Prozent.

Der europäische Technologiesektor verbuchte mit minus 3,5 Prozent den größten Tagesverlust seit Februar. Willkommen in der Realität.

Die drei Schockfaktoren

Drei Faktoren treiben Anleger derzeit in die Flucht, wie Experten laut Handelsblatt analysieren. Erstens: KI-Investitionsskepsis. „Da die Aktie nun fast wieder dort angelangt ist, wo sie beim Börsengang in den Handel gestartet ist, sehen die Anleger auch für den gesamten Sektor rot“, sagte Jochen Stanzl, Analyst der Consorsbank, laut WirtschaftsWoche. Nach dem Rekordbörsengung sei SpaceX für viele Privatanleger ein Indikator, wie hoch das Kurspotenzial im KI-Sektor noch ist. Die Antwort: offenbar deutlich niedriger als gedacht. Zweitens: Zinsängste.

Anleger befürchten, dass die US-Notenbank Fed unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh die Zinsen bald anhebt. Das FedWatch-Tool der CME Group zeigt: Händler erwarten bis Jahresende Zinserhöhungen um 50 Basispunkte. Der Dollar kletterte auf ein Jahreshoch – Gift für teure Tech-Bewertungen. Drittens: Die Bewertungsblase platzt. „Mit dem Kursrutsch hätten auch die Zweifel an den derzeitigen Bewertungsständen bei vielen Halbleiter- und Technologieunternehmen wieder zugenommen“, sagte Stratege Andreas Lipkow von CMC Markets laut WirtschaftsWoche.

Deutsche Chipwerte im Sturzflug

Besonders brutal traf es europäische Chipaktien. Infineon brach um 6,3 Prozent ein, der Chipausrüster Süss Microtec büßte 11,11 Prozent ein. Die Papiere von ASML und Aixtron rutschten jeweils um rund acht Prozent ab. In den USA erwischte es Micron mit minus 13 Prozent, AMD und Intel verloren bis zu sechs Prozent, Qualcomm acht Prozent. Die Nasdaq schloss über zwei Prozent im Minus bei 25.587 Zählern.

Interessant: Während Chip-Aktien abstürzten, legten Softwaretitel zu. SAP gewann 1,7 Prozent. Auch IBM notierte fünf Prozent im Plus. Offenbar suchen Anleger nach Tech-Werten mit solideren Geschäftsmodellen.

Business Punk Check

Die „kalte Dusche“ – so das Handelsblatt – war überfällig. Wer glaubte, schuldenfinanzierte KI-Fantasien würden ewig steigen, lernt jetzt: Märkte kennen keine Gnade. Die drei Schockfaktoren zeigen, dass die Rally auf wackligen Beinen stand. Zinserhöhungen von 50 Basispunkten klingen moderat, sind aber für überteuerte Tech-Aktien tödlich. SpaceX als Warnsignal?

Wenn selbst Elon Musks Prestigeprojekt binnen Tagen 600 Milliarden verbrennt, sollte man sich bei kleineren KI-Buden fragen: Was ist hier real, was Hype? Handlungsempfehlung: Wer Tech-Positionen hält, sollte jetzt Bewertungen hinterfragen. Chipwerte könnten weiter korrigieren. Software-Player mit echten Geschäftsmodellen bleiben interessant. Und für alle anderen: Der nächste Einstieg kommt – aber erst nach der Kapitulation.

Quellen: WirtschaftsWoche, Handelsblatt

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