AnlagePunk Unitree-Börsengang: 0,018 Prozent Chance auf den Roboter-Hype

Unitree-Börsengang: 0,018 Prozent Chance auf den Roboter-Hype

8.300-fach überzeichnet, Zuteilungsquote 0,018 Prozent: Der Unitree-IPO zeigt, wie hungrig Anleger nach chinesischen Robotik-Aktien sind, ohne dass der Markt schon Umsatz liefert.

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Wer bei Unitree Aktien zeichnen wollte, hatte statistisch bessere Chancen, einen Parkplatz vor dem Finanzamt zu finden. Die Tranche für Privatanleger war rund 8.300-mal überzeichnet, die Zuteilungsquote liegt nach Unternehmensangaben bei etwa 0,018 Prozent. Das ist keine Randnotiz, sondern ein Symptom: China hat gerade den nächsten Tech-Hype ausgerufen und Privatanleger kämpfen um Krümel. Unitree geht als erster chinesischer Hersteller humanoider Roboter an die Börse in Shanghai.

Der erwartete Startwert liegt bei mehr als 60 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 7,7 Mrd. Euro. Der Ausgabepreis wurde in der vergangenen Woche auf 150,80 Yuan festgelegt. Mit dem Börsengang will das Unternehmen aus Hangzhou gut sechs Milliarden Yuan einnehmen, etwa 790 Mio. Euro. Der erste Handelstag steht noch nicht fest. Zum Vergleich: Kurz zuvor hatte bereits der Chiphersteller CXMT in Shanghai für einen spektakulären Börsengang gesorgt, an dessen Dimensionen Unitree zwar nicht heranreicht, dessen Überzeichnungslogik sich aber offenbar wiederholt.

Ein Milliardenbewertung für einen Markt, der noch nicht liefert

Unitree ist in China längst Popkultur. Die Roboter des Unternehmens tanzten bei der Frühlingsfest-Gala des Staatssenders CCTV, verfolgt von Hunderten Millionen Zuschauern. Saltos, Boxkämpfe, Laufübungen: Die Videos gehen viral, auch Bundeskanzler Friedrich Merz besuchte das Unternehmen bei seiner China-Reise im Februar. Neben humanoiden Robotern baut Unitree auch vierbeinige Roboterhunde, die ebenfalls für Aufsehen in sozialen Netzwerken sorgen. Der Marketingwert ist real. Der wirtschaftliche Beweis fehlt noch.

Serge Nussbaumer, Kapitalmarktexperte beim Schweizer Wertpapierhaus Maverix, bringt es auf den Punkt: Bei tatsächlicher autonomer Arbeit sei die gesamte Branche deutlich weniger weit, als es spektakuläre Demonstrationen vermuten ließen, sagt Nussbaumer laut Tagesschau. Fabriken, Lagerhallen, Haushalte: Genau dort, wo humanoide Roboter eigentlich arbeiten sollen, gibt es bislang keinen breiten produktiven Einsatz. Dabei ist der Wettbewerb längst global und dicht. In den USA arbeitet Tesla unter Elon Musk am Roboter Optimus, weitere profilierte Entwickler sind Boston Dynamics, Figure AI und Agility Robotics. In China selbst tummeln sich neben Unitree zahlreiche weitere Hersteller wie AgiBot oder UBTech, dazu kommen japanische Unternehmen, die ebenfalls an dem Zukunftsthema arbeiten. Ein Markt mit vielen Anbietern und großen Versprechen, aber eben auch ein Markt, der laut Einschätzung von Branchenkennern noch ganz am Anfang steht.

Kapitalmarkt kauft die Story, nicht die Bilanz

Der Run auf Unitree ist kein Einzelfall, sondern Teil eines Musters. Der Speicherchip-Hersteller CXMT sorgte im Juli für Aufsehen, seine Aktie stieg am ersten Handelstag um 466 Prozent. Auch andere chinesische Chip-Entwickler verzeichneten bei ihren Börsendebüts Kursgewinne von mehreren Hundert Prozent, wie WELT berichtet. Das Muster ist bekannt: hohe Kursgewinne, gefolgt von heftigen Ausschlägen nach unten. Die Schwankungen bei chinesischen Technologieaktien sind enorm, nach den Kursgewinnen gerieten viele Werte zeitweise deutlich unter Druck. Die chinesische Regierung griff deshalb bereits mehrmals in den Börsenhandel ein, die Börsenaufsicht wurde aktiv und staatliche Investoren kauften Aktien, um den Markt zu stabilisieren.

Wer in Unitree investiert, kauft also nicht nur einen Roboterbauer, sondern ein Stück eines staatlich moderierten Hype-Zyklus, dessen Ausschläge in beide Richtungen politisch abgefedert werden. Hinzu kommen geopolitische Risiken. Laut n-tv warnen Investoren vor einer zu hohen Bewertung und möglichen US-Verkaufsbeschränkungen, während andere in Unitree bereits den Herausforderer für Teslas Optimus-Roboter sehen. Beide Lager kaufen dieselbe Aktie mit gegensätzlichen Begründungen, was zeigt, wie unklar die tatsächliche Faktenlage jenseits der Überzeichnungszahlen ist. Während in Shanghai um Unitree-Aktien gerungen wird, zeigt sich der deutsche Aktienmarkt unterdessen robust. Der DAX hält trotz Iran-Konflikt sein Niveau nahezu stabil bei rund 26.350 Punkten, ein Kontrast zu den Kursausschlägen, die chinesische Tech-Debüts derzeit prägen.

Business Punk Check

Eine Zuteilungsquote von 0,018 Prozent verrät mehr über kollektive Hysterie als über Unternehmenswert. Unitree liefert virale Videos, CCTV-Auftritte und einen Kanzlerbesuch, aber keinen Beweis für profitablen Masseneinsatz seiner Roboter. Genau das bestätigt ein Kapitalmarktexperte: Die Branche sei bei echter autonomer Arbeit weit hinter der Demo-Realität zurück.

Der Vergleich zu CXMT, dessen Aktie am ersten Handelstag um 466 Prozent stieg, zeigt das Muster chinesischer Tech-IPOs: Erst Kursfeuerwerk, dann heftige Korrekturen, dann staatliche Stützungskäufe. Wer hier einsteigt, kauft eine geopolitisch aufgeladene Wette mit Regierungsbeteiligung im Hintergrund, nicht ein kalkulierbares Investment. Early Adopters sollten sich fragen, ob sie Timing-Risiko und US-Sanktionsrisiko wirklich einpreisen. Vorsichtige Beobachter warten auf handfeste Umsatzzahlen statt auf Salto-Videos.

Auf einen Blick

  • Die Privatanleger-Tranche des Unitree-Börsengangs war rund 8.300-fach überzeichnet, die Zuteilungsquote liegt bei etwa 0,018 Prozent.
  • Unitree wird mit mehr als 60 Milliarden Yuan (rund 7,7 Mrd. Euro) bewertet und will knapp sechs Milliarden Yuan (etwa 790 Mio. Euro) einnehmen.
  • Kapitalmarktexperte Serge Nussbaumer warnt laut *Tagesschau*, dass die Robotik-Branche bei autonomer Arbeit deutlich weniger weit sei als spektakuläre Demos suggerieren.
  • Investoren sehen laut *n-tv* sowohl Chancen auf hohe Kursgewinne als auch Risiken durch Überbewertung und mögliche US-Verkaufsbeschränkungen.

Quellen: Tagesschau, n-tv.de, WELT

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