AnlagePunk Was macht einen erfahrenen Anleger aus?

Was macht einen erfahrenen Anleger aus?

Erfahrung an der Börse erkennt man nicht an der Anzahl der Bildschirme, der lautesten Meinung oder daran, wie oft jemand „den Markt kommen sah“. Erfahrung zeigt sich oft im Gegenteil: in Ruhe und Disziplin.

Ein erfahrener Anleger handelt nicht zwischen Tür und Angel (wie in der Fernsehwerbung: Pommes bestellen und nebenbei ein paar Kryptos kaufen), denn Geldanlage ist keine Sportwette. 

Er weiß: Rendite entsteht nicht nur durch gute Ideen, sondern durch saubere Umsetzung und starke Nerven.

Aber wer ist überhaupt ein erfahrener Anleger? Was bringt Erfahrung an der Börse mit sich?

Kosten sehen, bevor sie entstehen

Wer nur ein oder zwei Sparpläne für breite ETFs laufen lässt, hat selten ein Problem mit Spreads oder Ordergebühren.

Für aktive Anleger sieht das anders aus. Wer regelmäßig handelt, muss verstehen, dass der Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs, echte Kosten verursacht. Je liquider der Markt, desto enger ist dieser Spread. 

Das klingt technisch, ist aber simpel: Wer an weniger liquiden Börsen oder zu ungünstigen Zeiten handelt, zahlt oft mehr, ohne es bewusst wahrzunehmen.

Erfahrene Anleger, die aktiv traden, achten deshalb auf liquide Handelsplätze. Ein paar Basispunkte hier, ein paar Cent dort – hört sich erst einmal nach einer Kleinigkeit an. Über viele Trades summiert sich das aber schnell auf mehrere hundert oder sogar tausende Euro pro Jahr.

Ein unterschätztes Duo: Strategie & Steuerrecht

Ein weiterer Punkt, den viele erst spät lernen, ist das Steuerrecht. In Deutschland gilt beim Verkauf von Wertpapieren das FIFO-Prinzip: „First in, First out“.

Das heißt: Die ältesten, zuerst gekauften Produkte gelten steuerlich automatisch auch als zuerst verkauft. Das kann problematisch werden, wenn man langfristig investiert und gleichzeitig kurzfristig tradet – und das alles im selben Depot.

Verkauft man dann eine Position teilweise, können ungewollt die ältesten und günstigsten Stücke realisiert werden. Die Folge: höhere steuerpflichtige Gewinne als geplant.

Deshalb nutzen erfahrene Anleger oft zwei Depots: eines für langfristige Investments und eines für aktives Trading. So trennen sie Strategien und behalten auch steuerlich die Kontrolle.

Gebühren sind ein Strategie-Killer

„Ein paar Euro Ordergebühr machen doch keinen Unterschied“, höre ich immer wieder. 

Doch, sie machen einen Unterschied. Wer aktiv tradet, kann mit Gebühren eine funktionierende Strategie unbewusst sabotieren, sodass die Kostenstruktur schnell einen Teil der Performance auffrisst.

Deshalb sollten aktive Anleger auf transparente Kostenmodelle achten und bestenfalls einen gebührenfreien Direkt-Broker nutzen. 

Erfahrung bedeutet hier: nicht nur Rendite denken, sondern Netto-Rendite.

Und sonst?

Erfahrene Anleger bleiben bei ihrer Strategie, auch wenn es kurzfristig wackelt. Sie lassen sich nicht von jeder Schlagzeile aus der Ruhe bringen. Sie definieren ihr Risiko vor dem Einstieg, nicht danach. Und sie wissen, dass Schwankungen normal sind.

Vor allem unterscheiden sie zwischen Marktbewegung und Marktbedeutung. Nicht jede rote Kerze ist ein Trend und nicht jede grüne ein Durchbruch. Wie heißt es so schön: In der Ruhe liegt die Kraft.

Erfahrung klingt langweilig, aber …

Das Bild des erfahrenen Traders ist oft verzerrt. Viele stellen sich jemanden vor, der blitzschnell auf jede Marktbewegung reagiert. In Wahrheit sieht Erfahrung an der Börse meist unspektakulär aus. Sie ist strukturiert, diszipliniert und wirkt auf Neulinge sogar langweilig.

Aber genau das macht sie profitabel. Erfahrung bedeutet nicht, jede Bewegung zu handeln. Erfahrung bedeutet, die eigenen Regeln einzuhalten und zu wissen, dass Rendite dort entsteht, wo Kosten, Risiko und Strategie im Gleichgewicht sind.

Über den Autor

Dennis Puschmann, tradegate.direct
ist Experte für strukturierte Finanzprodukte, quantitative Anlagestrategien und Risikomanagement. Der diplomierte Volkswirt und Chartered Financial Analyst (CFA) verantwortet bei der Tradegate AG das Derivategeschäft und hat den Direkt-Broker tradegate.direct maßgeblich mitentwickelt.

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