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Babypause-Kosten: Tappt man in die Falle, sind 222.000 Euro futsch

Sechs Jahre Elternzeit kosten bis zur Rente 222.000 Euro Vermögen.
Unsplash/Natalia Blauth Sechs Jahre Elternzeit kosten bis zur Rente 222.000 Euro Vermögen.
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Verivox rechnet vor: Sechs Jahre Elternzeit kosten bis zur Rente 222.000 Euro Vermögen. Nicht die Sparpause selbst ist das Problem, sondern der verlorene Zinseszins über Jahrzehnte.

Eine Mutter, die sich sechs Jahre um ihr Kind kümmert und dabei kaum noch spart, zahlt am Ende einen Preis, den die wenigsten auf dem Schirm haben: bis zu 222.000 Euro weniger Vermögen bis zum Rentenbeginn mit 67 Jahren. Das zeigt eine Modellrechnung des Vergleichsportals Verivox, über die die Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichten.

Der eigentliche Hebel liegt nicht in den fehlenden Sparraten während der Elternzeit, sondern in Jahrzehnten verlorener Zinseszinsen danach. Für viele Eltern ist das eine unbequeme Wahrheit, denn im Alltag von Wickeltisch, Kita-Anmeldung und Schichtplänen rückt die eigene Altersvorsorge meist weit nach hinten. Genau diese Verdrängung macht die Rechnung so brisant, weil sie zeigt, wie teuer scheinbar kleine Entscheidungen über einen langen Zeitraum werden können.

Der Zinseszins frisst die Jahre

Verivox rechnet mit einer Sparerin, die ab 25 Jahren monatlich 300 Euro in einen ETF-Sparplan einzahlt. Bei einer unterstellten jährlichen Rendite von 7,5 Prozent stünden mit 67 Jahren gut 991.000 Euro im Depot. Bekommt sie mit 30 Jahren ein Kind, sinkt die Sparrate im ersten Jahr der Auszeit um 35 Prozent auf 195 Euro, weil das Elterngeld laut Modellrechnung nur 65 Prozent des letzten Einkommens ersetzt.

Schon dieses eine Jahr reißt bis zur Rente ein Loch von rund 17.700 Euro, obwohl danach wieder normal gespart wird. Das verdeutlicht, wie empfindlich der Vermögensaufbau auf selbst kurze Unterbrechungen reagiert, sobald der Faktor Zeit ins Spiel kommt. Je früher im Erwerbsleben eine Pause eingelegt wird, desto länger bleibt dem entgangenen Kapital die Zeit, die ihm für Wachstum fehlt und desto größer fällt am Ende die Lücke aus.

Drei Jahre Pause, sechsstellige Lücke

Richtig teuer wird es, wenn die berufliche Auszeit über zwölf Monate hinausgeht: Dann fällt das Elterngeld in der Modellrechnung komplett weg, die Sparerin zahlt gar nichts mehr ein. Bei drei Jahren Pause fehlen bis zur Rente gut 108.000 Euro im Depot, bei sechs Jahren bis zur Einschulung des Kindes sind es die genannten 222.000 Euro. Verblüffend an der Rechnung: Tatsächlich eingezahlt hätte die Sparerin während der sechs Jahre nur 19.260 Euro weniger.

Der Rest ist entgangener Zinseszins, der sich über Jahrzehnte aufgetürmt hätte, so Verivox-Finanzexpertin Melanie Ulbrich. Wer mehrere Jahre kaum investiere, verzichte eben nicht nur auf Einzahlungen, sondern auf jahrzehntelange Erträge, erklärt Ulbrich gegenüber der Funke-Mediengruppe. Die Differenz zwischen eingezahlter Summe und tatsächlicher Vermögenslücke ist damit der eigentliche Kern der Rechnung: Ein vergleichsweise überschaubarer Betrag an ausgefallenen Sparraten verwandelt sich über 37 Jahre bis zur Rente in einen sechsstelligen Verlust, weil jeder nicht investierte Euro keine weiteren Erträge mehr abwerfen kann.

Der Partner als Vermögens-Airbag

Eine Möglichkeit, die Lücke zu verkleinern, zeigt Bild: Übernimmt der Partner in den Jahren zwei bis sechs der Pause monatlich 150 Euro zusätzlich, bringt das bis zur Rente rund 102.000 Euro mehr Depotvermögen, verglichen mit einem kompletten Sparstopp. Das verschiebt die finanzielle Last der Familiengründung zumindest teilweise, löst sie aber nicht auf.

Die Rechnung zeigt zugleich, dass es nicht zwingend die volle Sparrate von 300 Euro braucht, um einen Großteil des Schadens abzuwenden. Schon ein Teilbetrag, der während der Elternzeit weiterläuft, kann über die lange Laufzeit erheblich wirken, weil der Zinseszins auch auf kleinere Summen frühzeitig anspringt.

Politik mildert, strukturiert nicht um

Für die gesetzliche Rente gibt es einen gewissen Ausgleich: Für Kinder ab Geburtsjahrgang 1992 werden bis zu drei Jahre Kindererziehungszeit angerechnet, zusätzlich zählen die ersten zehn Lebensjahre als Kinderberücksichtigungszeit. Für den privaten Vermögensaufbau über ETF-Sparpläne existiert ein solcher Mechanismus nicht. Genau hier entsteht ein blinder Fleck der Familienpolitik: Elterngeld federt kurzfristige Einkommensausfälle ab, den langfristigen Kapitalmarkt-Nachteil blendet das System aus.

Wer sich allein auf die gesetzliche Rente verlässt, bekommt für die Erziehungsjahre zwar eine gewisse Anerkennung, die entgangenen Kapitalmarkterträge des privaten Depots werden dadurch aber nicht ausgeglichen. Für Arbeitgebende, die um Fachkräfte konkurrieren, ist das ein Ansatzpunkt. Betriebliche Zuschüsse zur privaten Altersvorsorge während der Elternzeit könnten ein Benefit sein, der echten finanziellen Unterschied macht und über das übliche Obstkorb-Niveau hinausgeht.

Business Punk Check

Die 222.000 Euro klingen nach Panikmache, sind aber banale Mathematik: Geld, das mit 30 Jahren nicht investiert wird, kann 37 Jahre lang keine Zinseszinsen produzieren. Verivox rechnet mit einer komfortablen Rendite von 7,5 Prozent, die in der Praxis schwanken kann und blendet Steuern aus. Trotzdem bleibt der Kernbefund robust: Der Schaden einer Familienpause entsteht nicht in der Pause selbst, sondern in den Jahrzehnten danach. Für Unternehmen, die über Mitarbeiterbindung nachdenken, liegt hier eine unterschätzte Stellschraube. Wer während der Elternzeit einen Zuschuss zum privaten Depot zahlt, statt nur Flexibilität zu versprechen, adressiert ein echtes Vermögensproblem und nicht nur ein Image-Thema. Für Eltern selbst bleibt die unbequeme Entscheidung, ob eine reduzierte Sparrate während der Pause besser ist als ein kompletter Stopp, eine Abwägung zwischen Liquidität heute und Kapital in 30 Jahren.

Auf einen Blick

  • Eine sechsjährige Babypause kostet laut Verivox-Modellrechnung bis zur Rente mit 67 Jahren bis zu 222.000 Euro Depotvermögen.
  • Tatsächlich entgangen sind durch die Pause nur 19.260 Euro an Einzahlungen, der Rest ist verlorener Zinseszins über Jahrzehnte.
  • Übernimmt der Partner während der Pause zusätzlich 150 Euro monatlich, bringt das laut Modellrechnung rund 102.000 Euro mehr Depotvermögen bis zur Rente.
  • Die gesetzliche Rente gleicht Erziehungszeiten über Kindererziehungs- und Kinderberücksichtigungszeiten teilweise aus, private ETF-Sparpläne bleiben davon unberührt.

Quellen: Wirtschaftsnetzwerk Deutschland, Regionalheute, Bild, KI-unterstützt

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