Brand & Brilliance Von 600 Euro Startkapital zu 70+ Spezialisten: Die Social Media Pirates Story

Von 600 Euro Startkapital zu 70+ Spezialisten: Die Social Media Pirates Story

2016 war Social Media in Deutschland gefühlt noch Praktikantensache. Max Anzile gründete trotzdem die Social Media Piraten
Social Media Agentur aus München mit 600 Euro, einem Laptop und der Überzeugung, dass die meisten Unternehmen das Thema grundlegend falsch angehen.

Die These: Social Media ist kein Kanal. Es ist Infrastruktur.

Der Anfang

Kein Investor, kein Netzwerk, kein Plan B. Der erste Kunde kam über LinkedIn, die Bezahlung war mäßig. Aber der Case reichte, um den nächsten zu überzeugen. „Die Frage war nie, ob Social Media funktioniert. Die Frage war, warum alle es behandeln wie digitale Plakatwerbung. Einseitig, statisch, ohne Feedback-Loop.“ Das erste Jahr: kein Büro, keine Mitarbeiter, kein Urlaub. 2017 kamen die ersten Festanstellungen. 2018 der erste größere Etat – HolidayCheck, gewonnen gegen deutlich größere Agenturen. Nebenbei: Studium fertig, erstes Kind. Mit 26.

Der Meta-Partner-Status

2019 wurde die Agentur offizieller Meta Premium Partner. Nicht durch Lobbying, sondern durch Zahlen. Danach folgten ADAC, Vorwerk, Wayfair, Motel One. Was sie anzog: eine Agentur, die Owned Media als echtes Asset behandelt, nicht als Budgetposten.

Der ADAC-Case

Für den ADAC wurden über 30 UGC-Creator aktiviert – die größte Influencer-Kampagne in der Geschichte des Vereins. Das Ziel war keine Awareness. Das Ziel war Mitgliedergewinnung.

Ergebnis: 30 Prozent mehr Neumitglieder über Social. Funnel-Ende gedacht, nicht Reichweite. „Influencer Marketing ohne Conversion-Tracking ist Sponsoring. Wir machen kein Sponsoring.“

2020 gründete Anzile die Black Flag Agency gemeinsam mit André Patrzek als eigenständige GmbH aus – bewusst mit eigenem Konstrukt, eigenem Feeling, eigener Verantwortung. Aber wie alles andere auch: unter dem Dach der Pirates World GmbH.

Heute

Über 70 Mitarbeiter, aufgeteilt in Organic und Performance. Dazu ein eigenes KI-Team, das interne Tools entwickelt. Die Agentur ist Teil der Pirates World GmbH – dem Dach, unter dem Social, Performance und KI zusammenwachsen.

Auf die Frage nach Investoren antwortet Anzile knapp – und aus Erfahrung. Er ist selbst zweimal auf vermeintliche Super-Deals hereingefallen. Anteile günstig weggegeben, am Ende jedes Mal teuer bezahlt. München ist voll davon: VCs, die dir erklären, wie du dein Business führen sollst – mit deinem Geld, nicht mit ihrem.

„Weil ich dann nicht mehr die Entscheidungen treffen könnte, die unsere Kunden brauchen. Schnelligkeit und Unabhängigkeit sind unser größter Wettbewerbsvorteil.“ Vor einem halben Jahr kam das KI-Angebot dazu – unter dem Namen AI Pirates. Kein Pivot, sondern eine logische Erweiterung: Wer Unternehmen beibringt, Social als Infrastruktur zu nutzen, landet irgendwann bei KI-Infrastruktur.

Was bleibt

Gestartet ohne Netzwerk, ohne Abkürzung. Das meiste gelernt auf die harte Tour – lange nicht getraut, laut zu sein. Oft instinktiv entschieden, manchmal falsch, aber das Ziel nie aus den Augen verloren. Was geblieben ist: ein inhabergeführtes Unternehmen, das organisch gewachsen ist. Nicht trotzdem – sondern genau deshalb.

Das Verständnis von Agentur war nie das einer klassischen Dienstleister. Eher das eines Partners, dem es nicht egal ist, ob die Zahlen beim Kunden stimmen. Die eigentliche Frage ist nicht, wie groß die Pirates noch werden. Sondern wie viele Unternehmen verstehen, dass Social Media kein Kostenfaktor ist – sondern einen der besten Vertriebskanal, den sie haben. Auf die Frage, wie groß die Pirates noch werden sollen, kommt kein Wachstumsziel. Nur ein Verweis auf Prozesse. Eher kleiner, effizienter – als größer um des Wachstums willen.

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