Brand & Brilliance Vom Checkout-Tool zur digitalen Banking-App: Wie Klarna sich neu erfindet

Vom Checkout-Tool zur digitalen Banking-App: Wie Klarna sich neu erfindet

Nicole Defren, Head of Northern and Central Europe, arbeitet seit 15 Jahren mit ihren Kollegen daran, Klarna vom letzten Klick im Warenkorb zum alltäglichen Begleiter für die persönlichen Finanzen zu machen. Mit dem Anspruch, klassische Banken auf ihrem eigenen Spielfeld zu schlagen.

Viele kennen Klarna noch immer als den Moment kurz vor dem Kaufabschluss. Ein kurzer Klick, dann ist die Sache erledigt. Doch genau dort, sagt Nicole Defren, beginnt die
eigentliche Beziehung und nicht ihr Ende: „Vertrauen beim Checkout ist unser Ausgangspunkt, nicht der Endpunkt.“ Über 118 Millionen aktive Nutzer:innen weltweit
haben gelernt, dass Klarna schnell funktioniert und keine versteckten Kosten bereithält. Das ist das Fundament. Und darauf baut das Unternehmen ihr Ökosystem auf.

Doppelt soviele Banking Kunden

Innerhalb eines einzigen Jahres hat sich die Zahl der Banking-Nutzer auf rund 16 Millionen verdoppelt. Die Annahme dahinter: Vor allem junge Menschen wünschen sich
ein bequemeres Banking Erlebnis. Mehr Kontrolle, mehr Übersicht und das alles digital. In Deutschland nutzen neun Millionen Menschen Klarna monatlich. Mehr als zehn Prozent
der Bevölkerung. Sie verwalten dort Ausgaben, bezahlen Rechnungen, führen Konten, legen Geld an.

Drei Klicks zu viel

Damit greift Klarna einen wunden Punkt klassischer Banken an. Während traditionelle Anbieter mit komplexen Strukturen und intransparenten Gebührenmodellen kämpfen,
denkt Klarna Banking aus der Perspektive des E-Commerce. Nutzer entscheiden in Sekunden, ob sie bleiben oder abspringen und diese Logik überträgt das Unternehmen
konsequent auf Finanzdienstleistungen. „Das beste Produkt nützt nichts, wenn ich drei Klicks brauche, um meinen Kontostand zu sehen“, sagt Defren. Gleichzeitig bleibt sie
nüchtern: Design ohne Substanz sei nur Kosmetik. Entscheidend sei die Kombination aus beidem. UX als Versprechen, Produkt als Einlösung.

Kreditkarten-Feeling, aber anders

Ein zentrales Produkt dieser Strategie ist die Klarna Card, eine Debitkarte, die auf den ersten Blick unspektakulär wirkt, aber ein entscheidendes Versprechen einlöst: Nutzer
zahlen mit eigenem Geld, können einzelne Ausgaben aber nachträglich flexibel aufteilen, wie aus dem Online-Checkout gewohnt. Dazu kommt ein Membership-Programm mit Benefits, die bisher klassischen Kreditkarten vorbehalten waren. Fünf Millionen Menschen nutzen die Karte bereits und machen kartenbasierte Produkte zu rund zehn Prozent von Klarnas globalem Zahlungsvolumen.

Sparen mit Kreditkarten-Feeling

Doch kann ein Unternehmen, das groß geworden ist mit „Buy Now, Pay Later“, glaubwürdig gleichzeitig Sparen und finanzielle Disziplin propagieren? Defren sieht darin
keinen Widerspruch. Klarna positioniert sich bewusst als Money-App, die beide Seiten des Finanzverhaltens abbildet: Konsum und Kontrolle. Nutzer sollen nicht weniger
ausgeben, sondern besser. Verzinste Konten, Cashback, integrierte Preisvergleiche. „Wir möchten, dass unsere Nutzer:innen das Bestmögliche für ihr Geld bekommen. Egal ob sie
es sparen oder ausgeben.“

Thema „Digitalbank“

Skepsis gegenüber dem Begriff „Digitalbank“ hält Defren für berechtigt, aber auch produktiv. Sie verweist auf die Fakten: Klarna besitzt seit 2017 eine europäische
Banklizenz. Kundeneinlagen liegen bei 13 Milliarden Dollar. „Das ist kein Buzzword. Das ist ein Geschäftsmodell, das sich in Echtzeit verschiebt.“ In fünf Jahren, so die Vision, ist
Klarna weder nur Bank noch reine Tech-Plattform, sondern eine Infrastruktur für Geld, die sich um echtes Alltagsverhalten organisiert, nicht um klassische Kategorien.

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