Business & Beyond 21,4 Milliarden Euro Erbschaftsteuer: Großvermögen treiben den Rekord

21,4 Milliarden Euro Erbschaftsteuer: Großvermögen treiben den Rekord

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21,4 Mrd. Euro Erbschaft- und Schenkungsteuer: ein Rekord, getrieben von Großvermögen ab zwanzig Millionen Euro. Warum das die Ungleichheitsdebatte neu befeuert.

Ein einzelner Posten treibt die deutsche Steuerstatistik in ungeahnte Höhen: die Besteuerung von Vermögensübertragungen ab zwanzig Millionen Euro hat sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt. Insgesamt setzten die Finanzverwaltungen im vergangenen Jahr 21,4 Mrd. Euro an Erbschaft- und Schenkungsteuer fest, ein Plus von 60,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Es ist der höchste je gemessene Wert. Während Union und FDP seit Jahren über Entlastungen für Familienunternehmen streiten, liefert die Statistik nun handfeste Zahlen für beide Seiten der Debatte.

Großvermögen treiben den Rekord, nicht das Häuschen von Oma

Die Zahlen zeigen eine klare Schieflage. Das Steueraufkommen auf Erbschaften stieg um 57,1 Prozent auf 13,3 Mrd. Euro, weit über dem bisherigen Höchststand von 9,0 Mrd. Euro aus dem Jahr 2021. Bei Schenkungen zu Lebzeiten fiel der Zuwachs mit 67,3 Prozent auf 8,1 Mrd. Euro noch kräftiger aus, so die WirtschaftsWoche.

Insgesamt wurde 2025 Vermögen im Wert von 141,1 Mrd. Euro übertragen, ein Plus von gut 23 Prozent. Besonders auffällig: Anteile an Kapitalgesellschaften wurden mit 16,8 Mrd. Euro mehr als doppelt so oft veranlagt wie im Vorjahr. Das übertragene Betriebsvermögen legte um 19 Prozent auf 25,6 Mrd. Euro zu, Grundvermögen um 11,2 Prozent auf 51,6 Mrd.

Freibeträge schützen den Mittelstand der Erbschaften vor der Statistik

Wer nur an das Elternhaus mit Streit um die Teilung denkt, taucht in dieser Statistik meist gar nicht auf. Die allermeisten Vermögensübergänge liegen innerhalb der persönlichen Freibeträge und sind damit steuerfrei: 400.000 Euro für Kinder, 500.000 Euro für Ehepartner. Das Statistische Bundesamt weist zudem darauf hin, dass bestimmte Steuererlasse nicht ausgewiesen werden. Bei der sogenannten Verschonungsbedarfsprüfung für Unternehmensvermögen wurden im vergangenen Jahr Steuern in Höhe von 3,7 Mrd. Euro erlassen, davon 3,4 Mrd. Euro auf Schenkungen. Nach Schätzungen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) werden in Deutschland jährlich rund 400 Mrd. Euro vererbt oder verschenkt, ein Volumen etwa in Größe des Bundeshaushalts.

IMK sieht Ungleichheit wachsen, Wirtschaftsverbände fordern das Gegenteil

Für das IMK ist der Rekord ein Symptom, nicht die Ursache. „Der Anstieg der Steuereinnahmen geht einzig darauf zurück, dass 2025 in der Summe deutlich mehr Vermögen vererbt oder verschenkt wurde als 2024“, sagte IMK-Direktor Sebastian Dullien laut WirtschaftsWoche.

Er warnte, eine Abschaffung der Erbschaftsteuer würde „das Steuersystem noch ungerechter machen, als es ohnehin schon ist, weil es Vermögende entlasten würde“. Gegenwind kommt vom Bundesverband der Deutschen Industrie und der FDP, die für weitreichende Verschonungsregeln bei Betriebsvermögen plädieren, um Unternehmensnachfolgen nicht zu gefährden. Das ifo Institut kritisiert zudem hohe administrative Kosten der Steuer bei vergleichsweise geringem Nettoertrag.

Business Punk Check

Fakt: Der Rekord speist sich fast ausschließlich aus Übertragungen ab zwanzig Millionen Euro, nicht aus der Mitte der Gesellschaft. Interpretation: Das nährt die These, dass Deutschland ein Vermögenskonzentrationsproblem hat, das die Freibetragsregeln für Normalerben gar nicht berühren.

Offen bleibt, ob die politische Mehrheit für Verschonungsregeln bei Betriebsvermögen bestehen bleibt oder ob der Rekordwert Reformdruck erzeugt. Zwischen BDI-Warnungen vor gefährdeten Arbeitsplätzen und IMK-Diagnose wachsender Ungleichheit liegt keine neutrale Zahl, sondern ein handfester Verteilungskonflikt.

Auf einen Blick

  • Die Erbschaft- und Schenkungsteuer erreichte 2025 mit 21,4 Mrd. Euro einen Rekordwert, ein Plus von 60,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
  • Vermögensübertragungen ab zwanzig Millionen Euro trieben den Anstieg, ihre Steuerlast hat sich mehr als verdoppelt.
  • Die meisten Vermögensübergänge bleiben wegen der persönlichen Freibeträge steuerfrei und tauchen in der Statistik nicht auf.
  • Das IMK sieht im Rekord ein Zeichen wachsender Vermögensungleichheit, während BDI und FDP vor Belastungen für Unternehmensnachfolgen warnen.

Quellen: WirtschaftsWoche, Handelsblatt, Destatis, Tagesschau, Stern

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