Business & Beyond Apple zieht ab, Varta macht Nördlingen dicht: 350 Jobs weg

Apple zieht ab, Varta macht Nördlingen dicht: 350 Jobs weg

350 Jobs fallen weg, weil Apple seine AirPods-Batterien künftig in China fertigen lässt. Varta schließt das Werk in Nördlingen – ein Lehrstück über die Gefahren totaler Kundenabhängigkeit.

Ende Oktober läuft der Vertrag aus, dann ist Schluss. Varta macht das Werk in Nördlingen dicht, 350 Beschäftigte verlieren ihre Jobs. Der Grund: Apple bestellt keine Batterien mehr in Bayern, sondern lässt die nächste Generation seiner AirPods-Akkus in China produzieren. Billiger, einfacher, schneller. Für den schwäbischen Batteriehersteller bedeutet das den nächsten schweren Schlag in einer ohnehin krisengeplagten Phase. „Damit entfällt für die hochspezialisierte Produktionseinheit der VARTA Micro Production GmbH in Nördlingen die wirtschaftliche Grundlage und die damit verbundenen Arbeitsplätze“, teilte das Unternehmen laut Bild mit.

Apple als einziger Kunde – fatale Strategie

Jahrelang galt Varta als deutsche Hightech-Hoffnung für wiederaufladbare Knopfzellen. Die CoinPower-Batterien für Apples kabellose Kopfhörer sollten den Standort Nördlingen zum Vorzeigeprojekt machen. Doch die Abhängigkeit von einem einzigen Großkunden wurde zum Verhängnis. Apple drängte auf Produktionsausbau, Varta investierte massiv.

Dann diversifizierte der Konzern aus Cupertino seine Lieferkette, nahm weitere Zulieferer auf – und die Nachfrage bei Varta brach ein, so Handelsblatt. Das Werk in Nördlingen produzierte fast ausschließlich für Apple. Als der Auftrag für die neue Produktreihe nicht kam, fehlte jede wirtschaftliche Grundlage. Varta-Chef Michael Ostermann räumte ein, die Beschäftigten trügen keine Schuld an dieser Entwicklung. Die IG Metall Augsburg reagierte mit scharfer Kritik: Die Gewerkschaft habe früh vor der riskanten Strategie gewarnt, sei aber ignoriert worden.

Standort ohne Perspektive

Neben dem Werk in Nördlingen fallen auch Stellen am Hauptsitz in Ellwangen weg – dort sind Verwaltung und Bereiche betroffen, die Vorprodukte für die bayerische Fabrik lieferten. Insgesamt beschäftigt Varta weltweit rund 3.500 Menschen. Der Konzern kündigte an, gemeinsam mit dem Betriebsrat nach sozialverträglichen Lösungen zu suchen und zu prüfen, ob einzelne Mitarbeiter an anderen Standorten unterkommen können, wie Tagesschau berichtet. Am Standort Nördlingen bleibt nur die Firma V4Smart, die mehrheitlich Porsche gehört und Lithium-Ionen-Rundzellen fertigt. Für die 350 betroffenen Beschäftigten ist das kein Trost. Die Produktion läuft noch bis Ende Oktober, dann ist endgültig Schluss.

Strukturkrise trifft Varta hart

Die Schließung ist kein isolierter Vorfall, sondern Teil einer tieferen Krise. Hohe Energiekosten, aggressive Konkurrenz aus Asien und schwankende Nachfrage nach kleinen Batteriezellen setzen Varta seit Jahren zu. Laut Bild verdiente das Unternehmen zuletzt ohnehin kein Geld mehr mit den Knopfzellen – der schwache Dollar machte das Geschäft unrentabel. Wiederaufladbare Batterien bleiben zwar Teil der Unternehmensstrategie, doch die Abhängigkeit von Apple hat sich als existenzielle Fehlkalkulation erwiesen.

Business Punk Check

Varta zeigt exemplarisch, was passiert, wenn ein Mittelständler seine gesamte Strategie auf einen einzigen Großkunden ausrichtet. Apple hat keine Loyalität gegenüber Zulieferern – der Konzern optimiert seine Lieferkette nach Preis und Verfügbarkeit. Wer sich darauf einlässt, spielt ein Spiel, bei dem die Regeln einseitig diktiert werden. Die IG Metall hatte früh gewarnt, das Management ignorierte die Signale. Jetzt zahlen 350 Beschäftigte den Preis für eine riskante Wachstumsstrategie.

Die Lehre: Diversifikation ist kein Luxus, sondern Überlebensstrategie. Wer als Zulieferer von einem Großkunden abhängig ist, muss parallel alternative Geschäftsfelder aufbauen – oder akzeptieren, dass die eigene Existenz an seidenen Fäden hängt. Varta hat diese Chance verpasst. Andere Mittelständler sollten daraus lernen, bevor sie denselben Fehler machen. Die Globalisierung kennt keine Sentimentalität – wer nicht diversifiziert, wird ersetzbar.

Häufig gestellte Fragen

Warum schließt Varta das Werk in Nördlingen?

Apple bestellt keine Batterien mehr bei Varta, sondern lässt die nächste Generation seiner AirPods-Akkus in China fertigen. Das Werk in Nördlingen produzierte fast ausschließlich für Apple – ohne diesen Auftrag fehlt die wirtschaftliche Grundlage. Der Vertrag läuft Ende Oktober aus, dann ist Schluss.

Wie viele Arbeitsplätze sind betroffen?

Insgesamt fallen 350 Stellen weg, davon die meisten in Nördlingen. Auch am Hauptsitz in Ellwangen sind Bereiche betroffen, die Vorprodukte für das bayerische Werk lieferten. Varta beschäftigt weltweit rund 3.500 Menschen.

Welche Fehler hat Varta gemacht?

Die totale Abhängigkeit von einem einzigen Großkunden war die zentrale Fehlkalkulation. Apple drängte auf Produktionsausbau, Varta investierte massiv – ohne alternative Geschäftsfelder aufzubauen. Als Apple seine Lieferkette diversifizierte, stand Varta ohne Plan B da. Die IG Metall hatte früh gewarnt, das Management ignorierte die Signale.

Was bedeutet das für andere Mittelständler?

Wer als Zulieferer von einem Großkunden abhängig ist, muss parallel alternative Geschäftsfelder entwickeln. Diversifikation ist keine Option, sondern Überlebensstrategie. Globale Konzerne optimieren ihre Lieferketten nach Preis und Verfügbarkeit – Loyalität gegenüber Zulieferern existiert nicht. Mittelständler müssen diese Realität akzeptieren und entsprechend handeln.

Gibt es noch Hoffnung für die Beschäftigten?

Varta prüft, ob einzelne Mitarbeiter an anderen Standorten unterkommen können. Der Konzern kündigte an, gemeinsam mit dem Betriebsrat nach sozialverträglichen Lösungen zu suchen. Realistische Perspektiven für alle 350 Betroffenen gibt es jedoch nicht. Am Standort Nördlingen bleibt nur V4Smart, eine Porsche-Tochter, die Lithium-Ionen-Rundzellen fertigt.

Quellen: Bild, Handelsblatt, Tagesschau

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