Business & Beyond Bahn-Chefin Palla will Staatskonzern aus der Verlusthölle holen

Bahn-Chefin Palla will Staatskonzern aus der Verlusthölle holen

Nach fünf Jahren Milliardenminus sieht DB-Chefin Evelyn Palla die schwarze Null in Reichweite. Ihr Rezept: Effizienz, Verschlankung, Wirtschaftlichkeit. Doch kann ein Staatskonzern wirklich profitabel werden?

Die Deutsche Bahn schreibt seit einem halben Jahrzehnt rote Zahlen – 2,3 Milliarden Euro Verlust allein im vergangenen Jahr. Jetzt verspricht Konzernchefin Evelyn Palla die Wende: 2026 soll der Staatskonzern erstmals wieder ausgeglichen bilanzieren.

„Eine schwarze Null scheint nach einem halben Jahrzehnt an Milliardenverlusten greifbar nah“, sagte Palla der Bild am Sonntag.

Operative Wende bereits geschafft

Die Zahlen zeigen: Operativ ist die Trendwende bereits vollzogen. Das um Sondereffekte bereinigte Ebit verbesserte sich um 630 Millionen Euro auf plus 297 Millionen Euro [Handelsblatt]. Für 2026 peilt die Bahn sogar 600 Millionen Euro an. Der Umsatz soll von 27 auf 28 Milliarden Euro steigen. Was fehlt, ist der Sprung vom operativen Gewinn zur schwarzen Null unterm Strich.

Pallas Strategie klingt nach klassischem Sanierungskurs: Effizienzprogramme, Verschlankung, Kostenmanagement. „Unser internes Verschlankungsprogramm mobilisiert auch die Zahlen Richtung steigender Wirtschaftlichkeit und damit Stabilität“, so die Konzernchefin laut heise. Konkret bedeutet das: Weniger Verwaltung, mehr Produktivität, straffere Prozesse.

Politischer Druck trifft auf Infrastruktur-Realität

Die Frage ist: Kann ein Staatskonzern, der gleichzeitig massiv in marode Infrastruktur investieren muss, wirklich profitabel werden? Der Bund pumpt Milliarden in Schienensanierung und Netzausbau – Investitionen, die kurzfristig nicht rentabel sind. Die Verkehrswende erfordert Kapazitätsausbau, nicht Rotstift.

Pallas Ertragswende-Versprechen ist also auch eine politische Botschaft: Wir können wirtschaftlich handeln, gebt uns Spielraum. Doch der Spagat zwischen Gemeinwohlauftrag und Gewinnorientierung bleibt das Grundproblem des Staatskonzerns. Während private Wettbewerber wie Flixtrain Rosinenpickerei betreiben, muss die DB flächendeckend liefern – auch auf unrentablen Strecken.

Business Punk Check

Die operative Wende ist real, die schwarze Null bleibt Wunschdenken. Weil Pallas Effizienzprogramme auf strukturelle Probleme treffen: veraltete Infrastruktur, politische Vorgaben, Tarifverträge. Ein Staatskonzern lässt sich nicht wie ein Start-up durchrationalisieren. Die 600 Millionen Ebit-Ziel für 2026 sind ambitioniert, aber machbar. Die schwarze Null unterm Strich?

Nur wenn der Bund großzügig Altlasten übernimmt. Pallas eigentlicher Erfolg wäre es, die Bahn als verlässlichen Verkehrsträger zu etablieren – nicht als Gewinnmaschine. Rentabilität ist gut, Pünktlichkeit wäre besser. Realistisches Szenario: Operativer Gewinn steigt, Gesamtergebnis bleibt knapp im Minus. Für einen Konzern, der jahrzehntelang vernachlässigt wurde, wäre das immerhin ein Anfang.

Häufig gestellte Fragen

Wann will die Deutsche Bahn wieder profitabel sein?

DB-Chefin Evelyn Palla peilt die schwarze Null für 2026 an. Operativ schreibt der Konzern bereits schwarze Zahlen mit plus 297 Millionen Euro Ebit. Das Gesamtergebnis soll folgen.

Wie hoch waren die Verluste der Bahn 2025?

Die Deutsche Bahn wies 2025 einen Verlust von rund 2,3 Milliarden Euro aus – etwa 500 Millionen mehr als im Vorjahr. Seit fünf Jahren häufen sich Milliardenverluste.

Was ist Pallas Strategie für die Ertragswende?

Palla setzt auf Effizienzsteigerung, Verschlankungsprogramme und Kostenmanagement. Der Umsatz soll von 27 auf 28 Milliarden Euro steigen, das operative Ergebnis auf 600 Millionen Euro.

Ist die schwarze Null bei einem Staatskonzern realistisch?

Schwierig. Die operative Wende ist geschafft, aber Infrastruktur-Investitionen und Gemeinwohlauftrag belasten das Gesamtergebnis. Ohne politische Unterstützung bleibt die schwarze Null Wunschdenken.

Quellen: Handelsblatt, heise, Bild am Sonntag

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