Business & Beyond Boom statt Stillstand: Industrie überrascht mit starkem Plus

Boom statt Stillstand: Industrie überrascht mit starkem Plus

Deutsche Industrie meldet 7,8 Prozent Auftragsplus im Dezember – doch der Boom basiert auf Großbestellungen für Bundeswehr und Infrastruktur. Ohne staatliche Milliardenspritzen bleibt nur mageres Wachstum.

Die deutsche Industrie feiert sich für ein Auftragsplus von 7,8 Prozent im Dezember – das stärkste Wachstum seit einem Jahr. Ökonomen hatten mit einem Minus gerechnet, jetzt sprechen manche von einer Trendwende. Doch die Wahrheit hinter den Zahlen ist ernüchternd: Ohne staatliche Großaufträge für Bundeswehr-Modernisierung und Klimaprojekte bleibt gerade mal ein Plus von 0,9 Prozent. Die vermeintliche Erholung entpuppt sich als Strohfeuer aus Steuermilliarden. Ökonom Jens-Oliver Niklasch (LBBW) sagt gegenüber der Bild: „Ein Auftragsboom zum Jahresende – wer hätte das gedacht? Das sieht stark nach Trendwende aus.“

Staatsgeld als Wachstumstreiber

Besonders deutlich zeigt sich die Abhängigkeit vom Staat bei den Metallherstellern: Plus 30,2 Prozent. Der Maschinenbau legte um 11,5 Prozent zu, die Elektroindustrie um 9,8 Prozent. Laut Bild profitieren diese Branchen massiv von öffentlichen Beschaffungen im Rahmen der Bundeswehr-Aufrüstung und des Sondervermögens für Infrastruktur. Die Autoindustrie dagegen verlor 6,3 Prozent – dort fehlt die staatliche Stütze.

Regional offenbart sich ein Zweiklassensystem: Die Inlandsnachfrage explodierte um 10,7 Prozent, getrieben von staatlichen Großprojekten. Aus dem Ausland kamen nur 5,6 Prozent mehr Aufträge, aus der Eurozone sogar 0,6 Prozent weniger. Das Bundeswirtschaftsministerium räumt ein, dass „handels- und geopolitische Unwägbarkeiten“ zu schwankenden Auftragseingängen führen. Übersetzt: Internationale Kunden kaufen woanders.

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