Business & Beyond BYDs Absturz: Wenn Expansion auf Realität trifft

BYDs Absturz: Wenn Expansion auf Realität trifft

Der weltgrößte E-Auto-Hersteller BYD verliert fünf Monate in Folge an Boden. Während der Konzern massiv in Europa expandiert, brechen die Verkäufe um 30 Prozent ein. Die Flucht nach vorn könnte teuer werden.

Der Januar 2026 bringt eine unbequeme Wahrheit ans Licht: BYD, Weltmarktführer bei Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen, steckt in einer handfesten Absatzkrise. Die Verkäufe brachen um 30 Prozent auf 210.000 Fahrzeuge ein – der fünfte Rückgang in Serie. Die Börse reagierte prompt: Der Aktienkurs verlor in Hongkong sieben Prozent an einem Tag, seit Mai hat das Papier über 40 Prozent an Wert eingebüßt. Der chinesische Heimatmarkt kollabiert unter Preisdruck und Überkapazitäten, während BYD gleichzeitig Milliarden in neue Fabriken pumpt.

Europas Markt als Rettungsanker

Fast die Hälfte aller BYD-Fahrzeuge ging im Januar ins Ausland – ein Rekordwert. Für 2026 plant der Konzern 1,3 Millionen Exporteinheiten, ein Plus von 25 Prozent. Europa spielt dabei die Hauptrolle: Chinesische Marken erreichten 2025 in der EU einen Marktanteil von zehn Prozent.

In Deutschland vervielfachten sich die BYD-Zulassungen binnen Jahresfrist, getrieben von Modellen wie dem Seal U. Der Clou: BYD setzt längst nicht mehr primär auf reine E-Autos, sondern auf Plug-in-Hybride. Diese umgehen die EU-Strafzölle auf chinesische Elektrofahrzeuge und profitieren von der neuen deutschen Förderprämie von bis zu 4.500 Euro.

Zollfrei dank Ungarn und Türkei

Parallel baut BYD seine europäische Produktionsbasis aus. In Szeged, Ungarn, läuft die Testproduktion bereits, die Serienfertigung startet noch 2026.

Kapazität: 200.000 Fahrzeuge jährlich – komplett zollfrei für den EU-Markt, so Auto Motor und Sport. Ein weiteres Werk in der Türkei soll folgen und ebenfalls die Zollunion nutzen. Die Strategie ist klar: BYD will sich von chinesischen Importen unabhängig machen und direkt in Europa fertigen.

Verfehlte Ziele und Evergrande-Vergleiche

Die Rechnung geht bisher nicht auf. BYD verfehlte sein 2025er-Ziel von 5,5 Millionen verkauften Fahrzeugen deutlich – nur 4,6 Millionen wurden ausgeliefert. Statt der geplanten 30 Prozent Wachstum blieb ein mageres Plus von acht Prozent.

Brancheninsider äußern sich zunehmend skeptisch. Wei Jianjun, Chef des Konkurrenten Great Wall Motors, warnte bereits im Mai vor einem „Evergrande der Autobranche“ – eine Anspielung auf den spektakulären Immobilien-Kollaps. BYD wies die Kritik als albern zurück, doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache, wie die FAZ analysiert.

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