Business & Beyond Creator Economy: Hollywoods Horror heißt YouTube

Creator Economy: Hollywoods Horror heißt YouTube

Die größten Überraschungen des Kinojahres kommen nicht aus Hollywood, sondern aus dem Internet. Mit „Backrooms“ und „Obsession“ führen gleich zwei Filme von ehemaligen YouTube-Creatorn die US-Kinocharts an – und lassen selbst Star Wars alt aussehen.

Was lange als Nischenphänomen belächelt wurde, entwickelt sich zum handfesten Geschäftsmodell. Die Creator-Ökonomie hat die Traumfabrik erreicht – und sorgt dort gerade für mächtig Unruhe. Hollywood erlebt derzeit einen bemerkenswerten Machtwechsel. Während große Studios Milliarden in bekannte Marken investieren, liefern junge Filmemacher mit YouTube-Vergangenheit die größten Überraschungen des Jahres. Das Besondere: Die Entwicklung spielt sich nicht über Jahre hinweg ab, sondern praktisch in Echtzeit.

Die Revolution passiert jetzt

Anfang 2026 sorgte bereits „Iron Lung“ von YouTube-Star Markiplier für Aufmerksamkeit. Mitte Mai startete „Obsession“ und entwickelte sich schnell zum Publikumsliebling. Nun explodiert „Backrooms“ direkt an seinem Premierenwochenende Ende Mai an den Kinokassen. Selbst der neue Star-Wars-Ableger „The Mandalorian and Grogu“, der erst vor einer Woche gestartet war, kann mit dem Tempo der Creator aktuell nicht mithalten.

Backrooms sprengt die Kinokassen

An der Spitze steht „Backrooms“ von Kane Parsons. Der Film basiert auf einer Reihe viraler YouTube-Videos über ein unheimliches Labyrinth aus endlosen Büroräumen, das jeder Logik trotzt. Aus einem Internet-Phänomen wurde nun ein Kinohit. Mit geschätzten 81 Millionen US-Dollar am Startwochenende gelingt dem Film ein Paukenschlag. Gleichzeitig stellt „Backrooms“ einen neuen Rekord für das Indie-Studio A24 auf. Der bisherige Spitzenreiter „Civil War“ brachte es bei seinem Kinostart lediglich auf 25,7 Millionen Dollar.

Der wahre Schocker heißt Obsession

Fast noch beeindruckender ist allerdings die Geschichte von „Obsession“. Der Horrorfilm von Curry Barker spielt zwar in einer kleineren Liga, stellt dafür aber sämtliche Gesetze des Kinogeschäfts auf den Kopf. Während die meisten Filme nach dem Startwochenende Zuschauer verlieren, wächst „Obsession“ weiter. Bereits das zweite Wochenende verlief erfolgreicher als das erste. Nun soll auch das dritte Wochenende nochmals um rund zehn Prozent zulegen. Für Hollywood ist das ungefähr so normal wie Schnee in der Wüste.

Ein Kunststück, das es seit Jahrzehnten nicht gab

Normalerweise verlieren große Kinostarts zwischen 50 und 70 Prozent ihrer Einnahmen in der zweiten Woche. Selbst gefeierte Publikumserfolge verzeichnen meist leichte Rückgänge. Dass ein Film sowohl im zweiten als auch im dritten Wochenende wächst, gilt als absolute Ausnahme. Branchenbeobachter verweisen darauf, dass ein vergleichbarer Fall zuletzt Anfang der 1980er-Jahre dokumentiert wurde. „Obsession“ wird damit zum Paradebeispiel für die Macht von Mundpropaganda und Social Media.

Vom Creator zum Regisseur

Kane Parsons ist gerade einmal 20 Jahre alt, Curry Barker 26. Beide haben ihr Handwerk auf YouTube gelernt und dort über Jahre hinweg Reichweite aufgebaut. Genau darin liegt ihr entscheidender Vorteil. Sie kommen nicht als Influencer ins Kino, sondern als Filmemacher mit eigener Fangemeinde. Millionen Zuschauer kennen ihre Arbeit bereits und folgen ihnen nun auch auf die große Leinwand.

Das neue Erfolgsrezept der Filmbranche

Der Trend beschränkt sich längst nicht mehr auf zwei Namen. Bereits Anfang des Jahres spielte „Iron Lung“ von Markiplier fast 41 Millionen Dollar in den USA ein. Aus einzelnen Überraschungserfolgen entwickelt sich zunehmend ein Muster. Statt den klassischen Weg über Studios und Produzenten zu gehen, bauen junge Kreative zunächst ihre Community auf digitalen Plattformen auf. Erst danach folgt der Sprung ins Kino – und immer häufiger gelingt dieser mit bemerkenswertem Erfolg.

Star Wars im Rückspiegel

Besonders bitter für die etablierten Studios: Die beiden Horrorfilme liegen aktuell vor dem ersten neuen Star-Wars-Film seit sieben Jahren. „The Mandalorian and Grogu“ wird am Wochenende voraussichtlich nur 24 Millionen Dollar einspielen und damit deutlich hinter den neuen Horrorstars zurückbleiben. Für Hollywood ist das mehr als nur eine Momentaufnahme. Es zeigt, dass bekannte Marken allein nicht mehr automatisch für volle Kinos sorgen.

Die Creator-Ökonomie erobert die Traumfabrik

Die Erfolge von „Backrooms“, „Obsession“ und „Iron Lung“ zeigen, wie tiefgreifend sich die Unterhaltungsbranche verändert. Reichweite, Community und digitale Markenbildung werden zu harten wirtschaftlichen Faktoren. Die Eintrittsbarrieren in die Filmindustrie sinken – zumindest für jene, die zuvor im Netz gelernt haben, ihr Publikum zu begeistern. Fest steht: Die nächste Generation erfolgreicher Regisseure kommt nicht mehr zwangsläufig aus Filmschulen oder Studiofluren. Immer häufiger beginnt ihre Karriere mit einer Kamera, einem YouTube-Kanal und einer Idee, die im Algorithmus zündet. Und genau das dürfte Hollywood gerade mehr Sorgen bereiten als jeder Horrorfilm.

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