Business & Beyond Das Business Punk-Interview mit Revolut-CMO Antoine Le Nel

Das Business Punk-Interview mit Revolut-CMO Antoine Le Nel

Warum Profitabilität wichtiger ist als Wachstum

Profit um jeden Preis? Nicht ganz. Revolut-CMO Antoine Le Nel erklärt, warum nachhaltige Profitabilität wichtiger ist als blindes Wachstum – und weshalb viele Tech-Unternehmen die Reihenfolge falsch verstehen.

Das Interview führte Günther Suchy, Online-Chef von Business Punk, am 13. Juni 2026 beim Grand Prix von Monaco.

Monaco steht wie kaum ein anderer Ort für Geschwindigkeit, Präzision und den Anspruch, in der Weltspitze mitzuspielen. Beim diesjährigen Grand Prix im Fürstentum konnte das neue Audi-F1-Team mit Platz neun von Nico Hülkenberg ein weiteres Ausrufezeichen setzen. In einem hochkompetitiven Umfeld bedeutete die Platzierung in den Top Ten nicht nur wertvolle Punkte, sondern auch einen sichtbaren Beleg dafür, dass das langfristig angelegte Projekt von Audi Schritt für Schritt an Wettbewerbsfähigkeit gewinnt.  Passend dazu präsentierte sich in Monaco auch Revolut als globaler Partner des Audi-F1-Teams. Für Antoine Le Nel, Chief Marketing Officer von Revolut, geht es bei dieser Partnerschaft jedoch um weit mehr als klassisches Sponsoring. In früheren Gesprächen hat er die Formel 1 als globale Plattform beschrieben, die Markenaufbau, Produktintegration und internationale Skalierung miteinander verbindet. Entscheidend sei dabei nicht allein die Sichtbarkeit, sondern die gemeinsame Haltung: der Wille, etablierte Marktführer herauszufordern, technologische Innovation konsequent voranzutreiben und durch operative Exzellenz schneller zu wachsen als die Konkurrenz.

Von der Rennstrecke in die Finanzwelt

Der Auftritt in Monaco unterstrich genau dieses Narrativ. Audi und Revolut verstehen sich als Unternehmen, die trotz unterschiedlicher Branchen ein ähnliches Mindset teilen: ambitioniert, technologiegetrieben und mit dem Anspruch, neue Standards zu setzen. Der Erfolg von Nico Hülkenberg auf einer der anspruchsvollsten Rennstrecken der Welt lieferte dafür eine passende Metapher – Fortschritt entsteht nicht über Nacht, sondern durch konsequente Weiterentwicklung, Präzision und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Vor diesem Hintergrund sprach Günther Suchy, Redaktionsleiter von Business-Punk, mit Antoine Le Nel über die strategische Entwicklung von Revolut, die Rolle von Profitabilität und Regulierung, die globale Plattformstrategie des Unternehmens sowie die Bedeutung der Partnerschaft mit Audi in der Formel 1.

Business Punk: Viele Menschen nutzen Revolut als Bank. Investoren sehen ein Technologieunternehmen. Und Ihre Marketingstrategie erinnert teilweise an eine globale Distributionsplattform. Was ist Revolut eigentlich im Kern?

Antoine Le Nel: Ich würde Revolut heute nicht ausschließlich als Bank, Technologieplattform oder Distributionssystem bezeichnen – wir sind alle drei gleichzeitig. Wenn ich jedoch einen Schwerpunkt setzen müsste, dann würde ich sagen, dass Revolut primär eine technologiegetriebene Finanzplattform ist. Natürlich verfügen wir heute über alle Banklizenzen, die wir brauchen. Aber unser eigentlicher Unterschied liegt nicht in den Banklizenzen, sondern in der Art und Weise, wie wir Produkte entwickeln, Märkte erschließen und skalieren. Unsere Technologie, Datenkompetenz und Organisationsstruktur ermöglichen es uns, neue Produkte und neue Länder parallel aufzubauen – mit einer Geschwindigkeit, die in der Finanzindustrie ungewöhnlich ist.

Gleichzeitig sind wir eine starke Distributionsplattform. Kunden kommen aus unterschiedlichen Gründen zu Revolut – wegen Fremdwährungen, Trading, Sparprodukten, Business Banking oder Reiseleistungen. Daraus entwickeln wir schrittweise eine umfassende Kundenbeziehung. Genau deshalb investieren wir in globale Partnerschaften wie die Formel 1, die NBA oder Manchester City. Für uns ist Sport nicht einfach Sponsoring, sondern ein Instrument, um Vertrauen aufzubauen, neue Zielgruppen zu erreichen und die Marke weltweit zu skalieren. Deshalb würde ich sagen: Die Banklizenz ist die operative Grundlage. Distribution ist unser Skalierungsmechanismus. Aber Technologie ist das Fundament. Langfristig wollen wir die globale Plattform für Finanzdienstleistungen werden – ein Ökosystem, das Privatkunden, Unternehmen, Zahlungen und Finanzprodukte miteinander verbindet.

Business Punk: Wachstum, Profitabilität und regulatorische Robustheit gelten gemeinhin als Zielkonflikt. Warum glauben Sie, dass Revolut in der Lage ist, alle drei Dimensionen gleichzeitig zu optimieren?

Antoine Le Nel: Ich glaube, die Prämisse der Frage ist falsch. Wir versuchen nicht, Wachstum, Profitabilität und regulatorische Stabilität gleichzeitig auszubalancieren. Für uns steht Profitabilität an erster Stelle. Profitabilität ist die Grundlage, die alles andere ermöglicht. Sie ermöglicht uns, in neue Produkte zu investieren. Sie ermöglicht uns, in neue Märkte zu expandieren. Und sie ermöglicht uns, die regulatorischen Kapitalanforderungen aus eigener Kraft zu erfüllen. Viele Technologieunternehmen wachsen schnell, solange Kapital billig ist. Unser Ziel war nie, ein solches Unternehmen zu sein. Wir wollen ein Unternehmen aufbauen, das schnell wächst und gleichzeitig profitabel bleibt – über verschiedene Märkte und über verschiedene Wirtschaftszyklen hinweg. Deshalb betrachten wir Wachstum nicht isoliert. Wachstum ist nur dann wertvoll, wenn es profitabel ist. Marktanteile um jeden Preis interessieren uns nicht. Wir konzentrieren uns auf Produkte, die Kunden tatsächlich nutzen, und auf Kundenkohorten, die langfristig Wert schaffen. Regulierung sehen wir ebenfalls nicht als Gegensatz zum Wachstum. Wenn man in fast 40 Märkten operiert, wird regulatorische Exzellenz zu einer Kernkompetenz. Aber auch hier hilft Profitabilität. Je profitabler wir sind, desto stärker ist unsere Kapitalbasis und desto robuster ist unsere regulatorische Position. Deshalb ist die Reihenfolge für uns sehr klar: Zuerst Profitabilität. Daraus entsteht nachhaltiges Wachstum. Und daraus entsteht regulatorische Stabilität. Nicht umgekehrt.

Business Punk: Sie haben einmal scherzhaft gesagt, dass Audi Revolut vielleicht mehr braucht als Revolut Audi. Wer profitiert strategisch eigentlich stärker von dieser Partnerschaft – Audi oder Revolut?

Antoine Le Nel: Ich glaube nicht, dass man das so betrachten sollte. Die interessantere Frage ist, warum diese Partnerschaft für beide Seiten so attraktiv ist. Natürlich profitieren wir von Audi und der Formel 1. Aber ich würde genauso argumentieren, dass Audi von Revolut profitiert. Revolut wächst bereits sehr schnell und profitabel. Wir gehen diese Partnerschaft nicht ein, weil uns Wachstum fehlt oder weil wir eine Investment Story künstlich verstärken müssen. Für uns ist die Formel 1 eine außergewöhnlich starke globale Plattform. Sie gibt uns Zugang zu Märkten, die für unsere Expansion strategisch wichtig sind – von Europa über die USA bis nach Lateinamerika und Asien. Weil Revolut in fast 40 Märkten aktiv ist, können wir eine globale Partnerschaft wesentlich effizienter nutzen als viele lokale Banken oder Fintechs.

Aber es geht nicht nur um Sichtbarkeit. Entscheidend ist die Integration unserer Produkte in das gesamte Ökosystem. Ticketing, RevPoints, Payments, Revolut Business, Co-Branded Cards oder Hospitality-Angebote sind Bereiche, in denen wir echten Mehrwert schaffen können. Wir wollen nicht nur auf einem Rennwagen sichtbar sein. Wir wollen Teil des Erlebnisses werden. Deshalb profitiert auch Audi. Revolut bringt nicht nur Sponsoringgelder mit. Wir bringen eine globale Technologieplattform, eine schnell wachsende internationale Kundenbasis und die Fähigkeit, diese Partnerschaft weltweit zu aktivieren.

Unsere Reichweite, unsere Datenkompetenz und unsere digitalen Produkte schaffen Möglichkeiten, die weit über klassische Sponsoringmodelle hinausgehen. Deshalb würde ich die These sogar umdrehen: Audi braucht Revolut genauso wie Revolut Audi. Beide Marken stehen für Innovation, Geschwindigkeit und den Anspruch, etablierte Marktführer herauszufordern. Genau deshalb fühlt sich diese Partnerschaft für uns nicht wie Sponsoring an. Sie fühlt sich wie eine strategische Allianz an. Natürlich stärkt eine solche Partnerschaft auch unsere Marke. Aber das ist nicht der eigentliche Punkt. Der eigentliche Punkt ist, dass zwei globale Plattformen zusammenkommen, die voneinander profitieren und gemeinsam schneller wachsen können.

Business Punk: Viele Finanzunternehmen stoßen an Grenzen, wenn sie gleichzeitig neue Märkte, Produkte und regulatorische Anforderungen managen müssen. Warum sind Sie überzeugt, dass das Risikomanagement von Revolut diese Skalierung dauerhaft tragen kann?

Antoine Le Nel: Ich glaube, viele Menschen unterschätzen, wie stark zentralisiert Revolut in Wirklichkeit ist. Von außen sieht man ein Unternehmen, das gleichzeitig neue Produkte entwickelt, neue Märkte eröffnet und in fast 40 Ländern aktiv ist. Daraus entsteht schnell der Eindruck, dass Komplexität und Risiken exponentiell wachsen müssen. Unser Ansatz ist jedoch ein anderer. Wir bauen nicht 40 verschiedene Unternehmen auf, sondern eine globale Plattform. Funktionen wie Risikomanagement, Compliance, Financial Crime und Kapitalmanagement werden auf Gruppenebene entwickelt und anschließend skaliert. Natürlich müssen wir lokale regulatorische Anforderungen berücksichtigen, aber unser Ziel ist immer, möglichst viel Standardisierung und gemeinsame Prozesse über die gesamte Gruppe hinweg zu schaffen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass wir das Unternehmen sehr stark über Daten und KPIs steuern. Klare Verantwortlichkeiten, messbare Ziele und kleine, autonome Teams ermöglichen es uns, Risiken früh zu erkennen und gleichzeitig schnell zu handeln. Geschwindigkeit entsteht bei uns nicht durch fehlende Kontrolle, sondern durch Klarheit. Hinzu kommt, dass Profitabilität unsere Widerstandsfähigkeit erhöht. Weil wir profitabel wachsen, können wir regulatorisches Kapital aus eigener Kraft aufbauen und langfristig in Kontrollsysteme investieren. Die eigentliche Stärke unseres Risikomanagements liegt deshalb darin, Risiken auf Group Level zu verstehen, datenbasiert zu steuern und über eine globale Plattform zu skalieren.

Business Punk: Welche Bereiche tragen heute den größten Teil zur Profitabilität von Revolut bei: Abonnements, Kartenzahlungen, Trading, Business Banking, Fremdwährungsdienstleistungen oder Zinseinnahmen?

Antoine Le Nel: Ich glaube, die Frage wird oft zu stark aus der Perspektive einzelner Produkte betrachtet. Natürlich haben wir unterschiedliche Ertragsquellen – von Abonnements über Kartenzahlungen und Trading bis hin zu Business Banking oder Zinseinnahmen. Aber wir steuern Revolut nicht mit dem Ziel, einen einzelnen Gewinntreiber zu maximieren. Entscheidend ist für uns, wie viele Produkte ein Kunde nutzt und wie stark wir die Beziehung über die Zeit vertiefen. Kunden kommen häufig wegen eines Produkts zu Revolut. Der eigentliche Wert entsteht jedoch, wenn sie weitere Produkte nutzen und Revolut zu ihrem täglichen Finanzbegleiter wird. Deshalb betrachten wir Profitabilität nicht als Ergebnis eines einzelnen Geschäftsbereichs, sondern als Ergebnis einer erfolgreichen Plattformstrategie. Mit zunehmender Größe gewinnen unterschiedliche Ertragsquellen an Bedeutung. Unser Fokus liegt aber nicht auf einzelnen Umsatzströmen, sondern darauf, die umfassendste und am stärksten genutzte Finanzplattform aufzubauen.

Business Punk: Wenn Sie in zwei Jahren nur eine einzige Kennzahl nennen dürften, an der Revolut gemessen werden sollte – welche wäre das: Kundenzahl, Profitabilität, regulatorischer Fortschritt oder Vertrauen?

Antoine Le Nel: Wenn ich wirklich nur eine Kennzahl wählen dürfte, wäre es Profitabilität. Nicht, weil Kundenwachstum, regulatorischer Fortschritt oder Vertrauen unwichtig wären. Sondern weil Profitabilität die Kennzahl ist, in der sich all diese Faktoren am Ende bündeln.

Kundenzahlen allein sagen wenig aus. Man kann Nutzer gewinnen, indem man Marketingbudgets erhöht oder Produkte subventioniert. Die entscheidende Frage ist jedoch, ob Kunden langfristig bleiben, unsere Produkte regelmäßig nutzen und im Laufe der Zeit weitere Produkte innerhalb unseres Ökosystems nutzen. Genau das zeigt Profitabilität. Sie ist letztlich der Beweis dafür, dass Kunden unsere Produkte nicht nur ausprobieren, sondern sie zu einem festen Bestandteil ihres finanziellen Alltags machen. Für mich ist Profitabilität deshalb nicht nur eine finanzielle Kennzahl. Sie ist ein Indikator für die Qualität unseres Geschäftsmodells. Sie zeigt, dass Kunden echten Mehrwert in unseren Produkten sehen, dass unsere Plattform effizient skaliert und dass wir Wachstum in nachhaltige Erträge umwandeln können. Darüber hinaus schafft Profitabilität strategische Handlungsfreiheit. Sie ermöglicht es uns, neue Produkte zu entwickeln, neue Märkte zu erschließen und die regulatorischen Anforderungen einer wachsenden globalen Bank aus eigener Kraft zu erfüllen.

Aber das ist letztlich die Folge eines funktionierenden Geschäftsmodells – nicht die Ursache. Deshalb würde ich Profitabilität wählen. Nicht, weil sie die einzige relevante Kennzahl ist, sondern weil sie die umfassendste ist. Wenn Revolut in zwei Jahren weiterhin stark wächst und gleichzeitig hochprofitabel bleibt, wäre das für mich der überzeugendste Beweis dafür, dass unser Modell funktioniert. Es würde zeigen, dass man eine globale Finanzplattform aufbauen kann, die schneller wächst als traditionelle Banken, effizienter skaliert und gleichzeitig profitabler ist. Genau das wäre für mich die eigentliche Messlatte für den Erfolg von Revolut.

Business Punk: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Business Punk-Fazit:

Für Antoine Le Nel ist Revolut längst mehr als eine digitale Bank. Das Unternehmen versteht sich als globale Technologie- und Finanzplattform, die Wachstum, Profitabilität und Skalierung miteinander verbinden will. Die Partnerschaft mit Audi in der Formel 1 ist dabei kein klassisches Sponsoring, sondern Ausdruck eines gemeinsamen Verständnisses von Innovation, Geschwindigkeit und langfristigem Aufbau. Die Top-Ten-Platzierung von Nico Hülkenberg in Monaco lieferte dafür ein passendes Bild: Sowohl Audi als auch Revolut befinden sich auf einer ambitionierten Wachstumsreise – mit dem Anspruch, etablierte Marktführer herauszufordern und durch Technologie, Skalierung und operative Exzellent neue Maßstäbe zu setzen.

Mehr über die strategischen Parallelen zwischen Revolut und Audi Formel 1 erfahren Sie im ausführlichen Business-Punk-Feature Startup auf 300 km/h: Die Challenger-DNA von Revolut und Audi Formel 1. Zum Artikel auf das Bild klicken.

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