Business & Beyond Deutschlands Industrie flieht: 100.000 Jobs auf Kippe?

Deutschlands Industrie flieht: 100.000 Jobs auf Kippe?

60 Prozent der Unternehmen planen Stellenabbau bis 2030. Allein 2025 verschwinden 100.000 Industrie-Jobs. Der Grund: nicht Bürokratie, sondern Personalkosten. Indien und die USA kassieren Milliarden.

Die deutsche Industrie dreht dem Standort den Rücken zu – und zwar massiv. Eine Horváth-Studie in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt unter 1000 Unternehmen zeigt: 60 Prozent rechnen bis 2030 mit weiterem Stellenabbau in Deutschland.

Bereits 2026 könnten 100.000 Jobs in Autoindustrie, Maschinenbau und Bau verschwinden. Während die Bundesregierung über Wirtschaftsförderung debattiert, investieren Konzerne längst anderswo. Die unbequeme Wahrheit: Das Exportmodell Deutschland ist Geschichte.

Personalkosten schlagen Bürokratie

Überraschung: Bürokratie ist nicht das Hauptproblem. Nur jedes fünfte Unternehmen nennt sie als Investitionshemmnis. Das eigentliche Gift sind die Personalkosten. BASF-Chef Markus Kamieth bringt es auf den Punkt: Die Lohnkosten belasten schwerer als gestiegene Energiepreise: „Die Personalkosten belasten uns in Deutschland mehr noch als die gestiegenen Energiepreise“, erklärt er lat Bild.

Nur 16 Prozent der befragten Firmen wollen in Deutschland überhaupt noch Personal aufbauen. Der Rest setzt auf Automatisierung, Künstliche Intelligenz – oder wandert ab. Die Horváth-Studie trägt den zynischen Titel „Grow without Growing“: Umsatzwachstum von vier Prozent, aber ohne neue Stellen. Horváth-Partner Ralf Sauter erklärt: „Das Modell der deutschen Exportnation war jahrzehntelang ein Erfolg. Jetzt läuft es aus“, zitiert ihn die Bild.

Indien kassiert, Deutschland verliert

Die neuen Gewinner heißen Indien, China, USA. Fast jedes Industrieunternehmen plant Expansion in Indien. Auch Nordamerika bleibt trotz Zollpolitik attraktiv. Boehringer Ingelheim streicht Investitionen von bis zu 900 Millionen Euro in Deutschland – und steckt Milliarden in die USA.

Siemens Energy investiert eine Milliarde Dollar in US-Produktion und schafft dort 1500 Jobs. Mercedes-Benz pumpt weitere sieben Milliarden Dollar in Alabama. Evonik streicht 3200 Stellen, hauptsächlich hierzulande. Das Prinzip dahinter: „Local for local“ – produzieren, wo Märkte wachsen.

Das Exportmodell ist tot

Horváth-Partner Ralf Sauter formuliert schonungslos: Das deutsche Exportmodell war jahrzehntelang erfolgreich, jetzt läuft es aus. Produktion, Forschung und Entwicklung verteilen sich global.

Rund 40 Prozent der Investitionsbudgets fließen zwar noch nach Deutschland – aber fast ausschließlich in Anlagenerhaltung und Automatisierung. Echter Ausbau mit neuen Arbeitsplätzen findet in Auslandsmärkten statt. EBM-Papst-Chef Klaus Geißdörfer fasst die neue Realität zusammen: Produziert wird dort, wo Kunden sitzen und Märkte wachsen. Deutschland gehört nicht mehr dazu.

Business Punk Check

Die Politik redet von Standortsicherung, während Konzerne längst Fakten schaffen. Die Horváth-Studie entlarvt das Bürokratie-Narrativ als Ablenkungsmanöver – das wahre Problem sind Lohnkosten, die international nicht konkurrenzfähig sind. Wer jetzt auf Subventionen hofft, verschläft die Realität: Unternehmen investieren dort, wo Wachstum stattfindet. Indien, China und die USA bieten nicht nur günstigere Arbeitskräfte, sondern auch expandierende Märkte.

Die 900 Millionen Euro, die Boehringer Ingelheim in Deutschland streicht, sind kein Einzelfall – sie sind Symptom einer strukturellen Verschiebung. Die unbequeme Wahrheit: Deutschland wird zur Verwaltungsfiliale mit schrumpfender Produktion. Wer als Fachkraft in Zukunftsbranchen arbeitet, sollte Englisch können und international mobil sein. Die Alternative: Automatisierung ersetzt den eigenen Job. Der Mittelstand steht vor der Wahl: entweder selbst internationalisieren oder von globalisierten Wettbewerbern verdrängt werden.

Quellen: Bild

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