Business & Beyond Dialog Society geleakt: Peter Thiels Elite-Zirkel redet über Weltkrieg und Dating

Dialog Society geleakt: Peter Thiels Elite-Zirkel redet über Weltkrieg und Dating

Ein Datenleak offenbart Peter Thiels geheime Dialog Society. 222 Mächtige diskutieren über Weltkriege und Dating-Strategien – darunter CDU-Mann Jens Spahn. Die Ironie: Thiels Cybersecurity-Firma Palantir hat ihre eigene Website nicht gesichert.

Eine 27-jährige Schweizer Hackerin hat geschafft, was eigentlich unmöglich sein sollte: Sie knackte die Teilnehmerliste von Peter Thiels exklusivster Veranstaltung. Der Clou dabei – technisch war das erschreckend simpel. Die Liste stand praktisch offen im Quellcode der Website dialog.org. Peinlich für einen Mann, dessen Firma Palantir anderen Cybersecurity verkauft.

Seit 2006 organisiert der Paypal-Mitgründer und Trump-Vertraute seine Dialog Society – eine Mischung aus Davos, Bilderberg und Burning Man, wie Wired die Treffen beschreibt. Das US-Magazin veröffentlichte nun Details zum nächsten Gipfel im August nahe Dublin. 222 Namen, darunter US-Senator Ted Cruz, Finanzminister Scott Bessent und Europa-Militärchef Alexus Grynkewich. Auch KI-Größen wie Elon Musk, OpenAI-Mitgründer Greg Brockman und Jonathan Ross von Groq sind dabei.

Jens Spahn mittendrin?

Öffentlich gemacht wurden die Daten von der Schweizer Aktivistin und Hackerin Maia Arson Crimew. Zuerst berichtete das US-Portal „Wired“ darüber, t-online konnte Teile der Daten mithilfe von Internetarchiven verifizieren. Aus den Unterlagen geht allerdings nicht eindeutig hervor, ob die dort genannten Personen Teilnehmer oder Mitglieder von „Dialog“ waren. Teilweise überschneiden sich die Angaben mit einer kleineren Mitgliederliste aus dem Jahr 2022, die t-online vorliegt. Auf dieser Liste wird Jens Spahn nicht genannt.

Auf Anfrage erklärte ein Sprecher von Jens Spahn zunächst, dieser habe eine Einladung für das 2026 geplante „Dialog Retreat“ in Irland erhalten, aber abgesagt. Später bestätigte der Sprecher frühere Teilnahmen Spahns an Veranstaltungen des Formats in den Jahren 2018, 2019, 2022, 2023 und 2024. Ob darüber hinaus eine formelle Mitgliedschaft bestand, blieb auch auf Nachfrage offen. Aus Teilnehmerkreisen hieß es gegenüber t-online, eine Mitgliedschaft im eigentlichen Sinne oder eine feste Kerngruppe gebe es nicht.

Die Registrierungsgebühr lag 2022 bei 16.000 Dollar. Dafür gibt es venezianische Palazzi und Luxushotels – plus Programmpunkte wie „Navigation durch den Dritten Weltkrieg“, „Aufbau einer Sekte“ oder „Wie ist dein Sexleben?“. Teilnehmer können bei der Anmeldung angeben, ob sie nach Partnern suchen und welches Geschlecht sie bevorzugen. Trump-Ultras und Gendervielfalt – hier schließt sich das nicht aus.

Die Durchlässigkeit des Geheimbundes

Wie geheim war Dialog wirklich? Auf der Teilnehmerliste finden sich laut Trending Topics auch Journalisten von New York Times und The Atlantic. Die Schweizer Hackerin „maia arson crimew“ sagte Forbes einmal, ihre Angriffe seien „technisch nicht besonders anspruchsvoll“. Eine vernichtende Aussage für Thiels Sicherheitskompetenz.

Das Leak stammt von zwei Quellen: einer anonymen Whistleblower-Quelle an Wired und Crimews Code-Extraktion. Der Tagesspiegel konnte Spahns Namen selbst im öffentlich zugänglichen Archiv der Dialog-Website nachvollziehen. Zwei Jahrzehnte Geheimhaltung, beendet durch elementare IT-Schwächen.

Business Punk Check

Peter Thiels Dialog Society ist das perfekte Sinnbild für Tech-Elitarismus: 16.000 Dollar Eintritt, um mit Militärs über Weltkriege und mit Dating-Coaches über Sexleben zu philosophieren. Spannend ist nicht die Existenz solcher Zirkel – die gab es immer. Spannend ist die kognitive Dissonanz: Thiel verdient Milliarden mit Überwachungstechnologie, kann aber seine eigene Website nicht absichern. Und Spahn, der als Gesundheitsminister an Geheimtreffen mit US-Hardlinern teilnahm, verkauft das heute als „unterschiedliche Perspektiven“. Die eigentliche Frage lautet: Welche Perspektiven waren das?

Wer zahlt 16.000 Dollar für Networking, will mehr als nur reden. Er will Einfluss. Und den bekommen Leute wie Spahn offenbar nicht nur in Berlin, sondern auch in Thiels venezianischen Palästen. Das sollte deutsche Wähler interessieren – besonders vor der nächsten Bundestagswahl.

Quellen: Handelsblatt, Gruenderszene, Trending Topics, Trending Topics, t-online.de

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