Business & Beyond dm macht’s vor, Rossmann macht’s nach: Online-Apotheke 2.0

dm macht’s vor, Rossmann macht’s nach: Online-Apotheke 2.0

Raoul Roßmann startet 2026 eine Online-Apotheke. Der Plan: rezeptfreie Medikamente verkaufen, dm kopieren und das Ganze aus den Niederlanden steuern. Apotheker sind stinksauer.

Raoul Roßmann hat bei dm abgeschrieben. Und gibt es sogar zu. Gegenüber der Lebensmittelzeitung bedankte sich der Sohn von Gründer Dirk Roßmann artig „für die Inspiration“ bei der Konkurrenz. Übersetzung: Wir haben gesehen, dass ihr damit durchkommt, jetzt machen wir das auch. Die Drogeriekette plant für 2026 eine eigene Online-Apotheke – gesteuert aus den Niederlanden, verkauft über die Rossmann-App. Rezeptfreie Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel, der übliche Kram. dm hat im Dezember vorgelegt, Rossmann zieht nach. Willkommen im Copycat-Business.

Die Strategie ist simpel: Warum sollen Apotheken an rezeptfreien Medikamenten verdienen, wenn Drogeriemärkte das auch können? Schließlich verkaufen Rossmann und dm längst Vitamine, Schmerzmittel-Light und allerlei Wellness-Gedöns. Der nächste logische Schritt: das komplette Sortiment online bringen. Etwa 2500 verschreibungsfreie Arzneimittel will dm bereits anbieten, dazu 1000 Kosmetikprodukte. Rossmann wird nachziehen, vermutlich mit ähnlichen Zahlen. Die Margen locken, die Technik ist da, die Kunden sowieso.

Apotheker schlagen Alarm – zu Recht?

Der Deutsche Apothekerverband tobt. Vorsitzender Hans-Peter Hubmann warnt vor verschwimmenden Grenzen zwischen Drogerie und Apotheke. Seine Sorge: Hochwirksame Mittel dürften nicht „marketinggesteuert rausgehauen“ werden. Ein Punkt, der nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Wer schon mal Ibuprofen mit leerem Magen geschluckt hat, weiß: Auch rezeptfreie Medikamente können ordentlich reinhauen. Die Frage ist nur: Braucht es für Kopfschmerztabletten wirklich eine pharmazeutische Beratung? Oder geht es den Apothekern vor allem um Umsatzschutz?

Fakt ist: Der Markt für rezeptfreie Arzneimittel ist ein Milliardengeschäft. Und bisher hatten Apotheken quasi ein Monopol. Drogeriemärkte durften nur ein eingeschränktes Sortiment führen. Mit den Online-Apotheken hebeln dm und Rossmann diese Grenze aus – rechtlich sauber, versteht sich. Die niederländische Steuerung ist kein Zufall: Die Regularien dort sind lockerer, die Genehmigungen schneller zu bekommen. Ein klassischer Regulierungs-Arbitrage-Move.

IT-Infrastruktur als Knackpunkt

Rossmann betont, dass zunächst die technische Basis geschaffen werden müsse. Klingt vernünftig, ist aber auch eine Ausrede für die Verzögerung. dm hatte Monate gebraucht, um die eigene Plattform aufzusetzen. Rossmann wird ähnliche Probleme haben: Lagerhaltung, Versand, Kühlketten bei bestimmten Produkten, Altersverifikation. Und dann die Integration in die bestehende App, die bisher hauptsächlich für Rabattcoupons und Produktsuche genutzt wird. Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon.

Die zentrale Frage: Wird Rossmann schneller sein als andere Nachahmer? Rewe, Edeka, vielleicht sogar Amazon – sie alle könnten auf die Idee kommen, ebenfalls ins Geschäft einzusteigen. Der Markt ist groß genug, aber die Margen schrumpfen mit jedem neuen Anbieter. Rossmann muss also Gas geben, sonst wird aus der „Inspiration“ ein „zu spät gekommen“.

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