Business & Beyond Epstein in der Startup-Garage: Die EV-Szene und ihr Schattenkapital

Epstein in der Startup-Garage: Die EV-Szene und ihr Schattenkapital

Neue Epstein-Dokumente legen offen, wie nah dubiose Geldgeber an den Electric Vehicle-Stars des Silicon Valley dran waren. Ein deutscher Strippenzieher, ein verurteilter Sexualstraftäter und Milliardenfantasien rund um die Mobilität der Zukunft. Es geht nicht um Innovation – sondern um schnellen Profit, Deals im Schatten und ein Netzwerk, das moralische Grenzen systematisch ignorierte. Die Akten zeigen: Die Elektro-Revolution hatte von Anfang an dunkle Investoren im Kofferraum.

Der Mann im Hintergrund: David Stern

In den frisch veröffentlichten Epstein-Unterlagen taucht ein Name immer wieder auf: David Stern. Ein weitgehend unbekannter deutscher Geschäftsmann, vernetzt in China, mit Nähe zu Prinz Andrew – und tief drin in den Frühphasen mehrerer Elektroauto-Startups. Stern fungierte als Türöffner zwischen Jeffrey Epstein und der aufstrebenden EV-Szene. Seine Mission: den notorischen Financier in Firmen wie Faraday Future, Lucid Motors oder Canoo einzukaufen. Epstein selbst investierte am Ende zwar nicht – aber die E-Mails zeigen, wie intensiv Stern ihn mit Deal-Infos, Insider-Kontakten und Investmentchancen fütterte. Aus einem „Unbekannten“ wurde so ein Schattenakteur im Hintergrund der Mobilitätsblase der 2010er.

EV-Hype als Geldmagnet für dubiose Player

Die Recherchen werfen ein grelles Licht auf die Frühphase der Elektro-Startup-Welle. Damals, lange vor Teslas Börsenhype oder Chinas EV-Dominanz, suchten Investoren weltweit nach dem „nächsten großen Ding“. Silicon Valley war Projektionsfläche: Jeder Autobauer wollte plötzlich Mobility-Startup sein, jeder Investor beim Zukunftsverkehr dabei. In diesem Klima konnten auch diskrete, schwer überprüfbare Geldquellen andocken. Gerade Canoo galt intern als Paradebeispiel: ein Startup mit auffällig geheimnisvollen Investoren, deren Identitäten erst durch spätere Rechtsstreitigkeiten ans Licht kamen. Darunter ein chinesischer Polit-Verwandter, ein taiwanischer Elektronikmagnat – und eben Stern.

Deals, Daten, Doppelmoral

Besonders brisant: Epstein und Stern agierten laut E-Mails nicht als langfristige Aufbau-Investoren, sondern als Opportunisten. Beispiel Lucid Motors: Als das Startup dringend Kapital brauchte, diskutierten beide, ob man günstig einsteigen und später mit Ford-Interesse schnell wieder verkaufen könne. Kein Produkt-Vision-Talk, kein Technologie-Idealismus – nur Exit-Timing. Die Akten zeichnen das Bild eines Finanzoperators Epstein, der trotz seiner 2008 bekannten Verurteilung weiter als Tür zu Geld und Macht akzeptiert wurde. Kontakte, Reputation, Zugang: Für viele im Valley offenbar wichtiger als Vergangenheit oder Moral.

Silicon Valley wusste – und schaute weg

Ein zentraler Punkt der neuen Einblicke: Fast alle dokumentierten Kontakte stammen aus der Zeit nach Epsteins Schuldeingeständnis wegen Sexhandels mit Minderjährigen. Sein Ruf war bereits beschädigt, seine Praktiken bekannt. Trotzdem blieb er für Teile der Tech- und Investmentwelt ein legitimer Player. Der Fall zeigt ein strukturelles Muster: Solange Kapital, Beziehungen und Status stimmen, wird Herkunft selten hinterfragt. Gerade in Boomphasen wie der EV-Goldgräberzeit verschwimmen Grenzen zwischen Vision und Gier – und problematische Akteure finden problemlos Zugang.

Die dunkle Seite der Elektro-Utopie

Heute gilt die EV-Revolution als Fortschrittserzählung: sauber, technologisch, unvermeidlich. Die Epstein-Files erinnern daran, dass auch diese Zukunft von Machtspielen, Schattenfinanzierung und moralischer Blindheit geprägt war. Nicht jeder Investor wollte die Welt retten – manche wollten nur schnell reich werden. Die neuen Dokumente ändern damit nicht nur den Blick auf einzelne Figuren. Sie verändern die Erzählung einer ganzen Branche: Die Mobilität der Zukunft wurde nicht nur von Ingenieuren und Visionären gebaut, sondern auch von Netzwerken, die lieber im Dunkeln operierten.

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