Business & Beyond Finanzkrise reloaded? Ein viraler Post jagt durch die Finanzwelt und plötzlich schauen alle auf BlackRock

Finanzkrise reloaded? Ein viraler Post jagt durch die Finanzwelt und plötzlich schauen alle auf BlackRock

Ein ehemaliger Hedgefondsmanager löst mit einem Post auf X Alarmstimmung aus. Seine These: Die Muster vor der Finanzkrise von 2008 tauchen wieder auf.

Auf der Plattform X verbreitet sich gerade ein Text wie ein Lauffeuer. Es sind ein paar Absätze, zugespitzt formuliert. Millionen von Leserinnen und Lesern teilen ihn. Er ist so geschrieben, dass sich beim Lesen ein flaues Gefühl in der Magengegend einstellt. Der Autor heißt George Noble. Der Mann ist kein Unbekannter: ein früherer Fondsmanager, der einst für den US-Investmentriesen Fidelity Investments arbeitete und später eigene Hedgefonds gründete. Heute kommentiert er die Märkte. Seine Warnung klingt dramatisch: „Wir erleben gerade in Echtzeit, wie sich eine Finanzkrise entwickelt“, schreibt er. Wenige Zeilen später wird er noch deutlicher: „Wenn der größte Vermögensverwalter der Welt anfängt, Investoren daran zu hindern, ihr Geld zurückzubekommen, ist das kein Rauschen. Das ist ein Alarmsignal.“

Black Rock brüskiert Anleger

Was passiert da gerade? Noble spielt auf eine Entwicklung an, die seit Anfang dieses Monats unter Insidern für heiße Diskussionen sorgt. Der Vermögensverwalter BlackRock, mit rund zehn Billionen Dollar der größte Geldverwalter der Welt, begrenzte Auszahlungen aus einem Kreditfonds. Anleger wollten rund 1,2 Milliarden Dollar abziehen. Ausgezahlt wurden etwa 620 Millionen. Der Rest muss jetzt warten. Solche Beschränkungen sind in diesen Fonds vorgesehen. Aber sie wirken wie ein Stau vor einer engen Tür. Plötzlich drängen viele gleichzeitig hinaus, Panik macht sich breit, weil im Rücken Qualm aufzieht.

Um zu verstehen, woher die an Panik grenzende Nervosität stammt, muss man kurz zurückgehen. Etwa ein halbes Jahr. Im Herbst 2025 geriet der Kreditmarkt erstmals stärker unter Druck. Der US-Autoteilehersteller First Brands Group, ein großer Zulieferer für die Autoindustrie, meldete Insolvenz an und offenbarte einen Schuldenberg von mehr als zehn Milliarden Dollar. Kurz zuvor war auch Tricolor ins Straucheln geraten, ein amerikanischer Autohändler, der Fahrzeuge an Kunden mit schwacher Bonität finanziert. Beide Fälle trafen Investoren und Kreditgeber. Banken mussten Verluste verbuchen.

Diesmal stecken sich die Investoren an

Die Wellen liefen weiter durch den Markt. Im Februar 2026 stoppte der Vermögensverwalter Blue Owl Capital, ein großer Anbieter von Kreditfonds, vorübergehend Rücknahmen in einem Fonds. Zu viele Anleger wollten gleichzeitig ihr Geld zurück. Aktien anderer Finanzfirmen gerieten unter Druck. Darunter Apollo Global Management, KKR, Ares Management und Blackstone. Alles Schwergewichte der Branche, alles Firmen, die Milliarden an Unternehmenskrediten vergeben.

Das Problem dahinter ist simpel. Private-Credit-Fonds verleihen Geld oft für fünf bis sieben Jahre an Unternehmen. Anleger dürfen ihr Geld aber meist vierteljährlich zurückfordern. Das funktioniert, solange nur wenige ihr Geld abziehen wollen und gleicht damit am Ende auch den Prinzip jeder Bank. Wenn dann jedoch wegen einer aufziehenden Vertrauenskrise viele gleichzeitig ihr Geld zurückverlangen, wird es eng. Dann müssen Fonds die Auszahlungen kappen. Genau das passiert gerade.

Der Ökonom Mohamed El-Erian sieht darin ein Warnsignal. Er spricht von einer möglichen „klassischen Ansteckung“. Ein Marktsegment gerät unter Druck, Vertrauen bröckelt, Investoren werden vorsichtig. Die Geschichte kennt solche Momente. 2007 froren Fonds der französischen Bank BNP Paribas ihre Auszahlungen ein. Ein Jahr später folgte die große Finanzkrise. Dieses Bild schwebt nun wieder über der Debatte.

Auch aus der Branche selbst kommen warnende Stimmen. Marc Rowan, Chef des Investmentriesen Apollo Global Management, sprach zuletzt offen von einer möglichen „Bereinigung“ im Markt für private Kredite. Einige Geschäftsmodelle würden den höheren Zinsen nicht standhalten. Und Analysten der Großbank UBS warnten, im schlimmsten Fall könnten die Ausfallraten bei solchen Krediten auf bis zu 15 Prozent steigen – deutlich mehr als heute.

Das System ist noch nicht kollabiert

Doch nicht alle teilen die düsteren Prognosen von Noble, El-Erian und anderen Mahnern. Die Chefin der Großbank Citigroup, Jane Fraser, übt sich in Berufsoptimismus. Sie sehe derzeit kein systemisches Risiko für das Finanzsystem. Probleme gebe es in einzelnen Bereichen, sagte sie. Aber noch keinen Flächenbrand. Auch viele Analysten argumentieren ähnlich: Der Markt für private Unternehmenskredite ist zwar groß geworden. Doch er steckt überwiegend in Fonds – nicht direkt in den Bilanzen der großen Banken.

Das macht einen Unterschied. Die Finanzkrise von 2008 war wie ein dichtes Spinnennetz. Banken hatten einander Kredite gegeben, Risiken weitergereicht, sich gegenseitig abgesichert. Als ein Faden riss, zitterte das ganze Netz. Heute liegen viele Risiken eher in abgeschlossenen Fondsstrukturen. Das kann weh tun. Für einzelne Anleger sogar sehr. Aber es bedeutet nicht automatisch, dass das ganze System kippt.

George Nobles Warnung ist deshalb weder Unsinn noch Gewissheit. Sie ist eher ein lauter Rauchmelder. Er piept schrill. Er zwingt alle hinzusehen. Doch es brennt noch nirgends lichterloh. Im Moment sieht es eher nach einem nervösen Markt aus, der plötzlich merkt, wie eng die Flure sein können, wenn zu viele gleichzeitig zum Ausgang wollen. Ein Stresstest für die Finanzindustrie, die lange im warmen Geldstrom der Niedrigzinsen gebadet hat. Im Maschinenraum des Geldsystem flackern deswegen die Warnlampen.

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