Business & Beyond Fresenius: Biosimilars treiben Gewinnsprung, Aktie an Dax-Spitze

Fresenius: Biosimilars treiben Gewinnsprung, Aktie an Dax-Spitze

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Fresenius hebt nach starkem Quartal die Gewinnprognose an, das Biopharma-Geschäft wächst organisch um 38 Prozent. Die Aktie schießt an die Dax-Spitze.

Ein Nischengeschäft mit Nachahmerpräparaten sorgt gerade dafür, dass Fresenius seine eigenen Ziele übertrifft: Das Biopharma-Segment mit Biosimilars wuchs im zweiten Quartal organisch um 38 Prozent, deutlich stärker als der restliche Konzern. Das reicht, um die Gewinnprognose für 2026 anzuheben und die Aktie am Mittwoch um fast sechs Prozent auf Dax-Spitzenplatz zu befördern.

Biosimilars werden zum eigentlichen Wachstumsmotor

Der Gesundheitskonzern aus Bad Homburg erwartet für das währungsbereinigte Kern-Ergebnis je Aktie 2026 nun ein Plus von zehn bis 15 Prozent, zuvor waren fünf bis zehn Prozent angepeilt, wie Fresenius laut WirtschaftsWoche mitteilte. Das Umsatzziel beließ der Vorstand dagegen unverändert bei einem organischen Wachstum von vier bis sieben Prozent. Der Konzernumsatz stieg organisch um sechs Prozent auf 5,86 Mrd. Euro, das bereinigte operative Ergebnis um zehn Prozent auf 719 Mio. Euro und lag damit über den Analystenschätzungen von 693 Mio.

Das Konzernergebnis kletterte um 14 Prozent auf 470 Mio. Vorstandschef Michael Sen führte den überproportionalen Gewinnanstieg laut WirtschaftsWoche auf Marktanteilsgewinne in margenstarken Geschäften und niedrigere Zinsaufwendungen durch Schuldenabbau zurück. Für das Biopharma-Segment stellte er einen Jahresumsatz von rund einer Milliarde Euro in Aussicht. Morningstar-Analyst Max Jousma sieht in der robusten Pipeline die Basis für das Managementziel, den Biopharma-Umsatz bis 2030 zu verdoppeln.

Kabi kämpft mit US-Preisdruck, Helios liefert stabil

Nicht alle Sparten liefen gleich gut. Das klassische Pharma-Geschäft der Sparte Kabi verzeichnete einen Ergebnisrückgang von 13 Prozent, bedingt durch Investitionen in US-Produktionsanlagen und Preisdruck im amerikanischen Markt. Gleichzeitig hob Jousma hervor, dass Kabi im Rahmen der „Rejuvenate“-Strategie neue Produkte eingeführt habe, die zu verbesserten Margen und starkem Umsatzwachstum in einzelnen Wachstumsbereichen führten. Die Klinik-Tochter Helios steigerte den Umsatz organisch um fünf Prozent auf 3,53 Mrd. Euro, das operative Ergebnis wuchs um zehn Prozent auf 374 Mio.

Euro, getragen von steigenden Fallzahlen und einem Rechnungszuschlag für gesetzlich Versicherte in Deutschland sowie positiven Preiseffekten in Spanien. Laut Jousma legte die Ebit-Marge bei Helios im ersten Halbjahr um 60 Basispunkte auf 10,5 Prozent zu, unterstützt durch Zuzahlungen der Patienten. Der Bereich MedTech wuchs organisch um elf Prozent, unterstützt durch die Markteinführung der Ivenix-Infusionspumpe, die laut Jousma auf starke Resonanz stieß. Zu möglichen US-Strafzöllen auf Generika zeigte sich der Vorstand gelassen: 72 Prozent der in den USA verkauften Produkte werden dort bereits produziert, ein Anteil, der laut WirtschaftsWoche durch den Ausbau regionaler Lieferketten zuletzt gestiegen ist. Auf eine vollständige US-Produktion werde der Konzern aber voraussichtlich nicht umstellen.

Analysten sehen die Aktie nach dem Kurssprung fair bewertet

Morningstar bestätigte nach den Zahlen seine Fair-Value-Schätzung von 54 Euro und vier Sterne im Rating, stufte die Aktie nach dem Kurssprung auf 47 Euro allerdings als fair bewertet ein, wie Jousma schreibt. Der Analyst sieht in dem seit Jahresbeginn um 30 Prozent gestiegenen Kurs ein Zeichen dafür, dass der Markt die Umsetzung der „Rejuvenate“-Strategie zunehmend anerkenne.

Für Anleger, die auf Vermögensaufbau über Dividendentitel setzen, liefert Fresenius damit ein Beispiel dafür, wie ein diversifiziertes Portfolio aus Klinikbetrieb und Pharma-Wachstumssparten Schwankungen einzelner Segmente auffangen kann. Sen kündigte an, freie Mittel primär in Forschung, Kapazitätserweiterungen, Einlizenzierungen und Partnerschaften zu investieren, auch Übernahmen schloss er nicht aus. Aktienrückkäufe stünden dagegen weit hinten auf der Prioritätenliste, sagte Sen laut WirtschaftsWoche.

Business Punk Check

Fakt ist: Fresenius hat Umsatz, Gewinn und Prognose spürbar angehoben, belegt durch Zahlen aus dem eigenen Quartalsbericht.

Die Interpretation der Analysten, wonach die Aktie nach dem Anstieg fair bewertet sei, bleibt eine Einschätzung, keine Tatsache. Offen ist, ob das Biosimilars-Wachstum von 38 Prozent auf diesem Niveau haltbar ist oder ein Einmaleffekt aus Marktanteilsgewinnen war.

Auf einen Blick

  • Fresenius hebt die Prognose für das Kern-Ergebnis je Aktie 2026 von fünf bis zehn Prozent auf zehn bis 15 Prozent an.
  • Das Biopharma-Segment mit Biosimilars wuchs im zweiten Quartal organisch um 38 Prozent und gilt als wichtigster Wachstumstreiber.
  • Die Aktie stieg nach den Zahlen um fast sechs Prozent und führte den Dax an.
  • Morningstar bestätigt eine Fair-Value-Schätzung von 54 Euro, sieht die Aktie nach dem Kurssprung aber als fair bewertet.

Quellen: WirtschaftsWoche, Morningstar

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