Business & Beyond Gamestop will Ebay für 56 Milliarden schlucken – der absurdeste Deal des Jahrzehnts?

Gamestop will Ebay für 56 Milliarden schlucken – der absurdeste Deal des Jahrzehnts?

Der totgeglaubte Videospielhändler Gamestop plant die Übernahme von Ebay. CEO Ryan Cohen bietet 56 Milliarden Dollar – viermal mehr als sein eigener Börsenwert. Größenwahn oder geniale Disruption?

Ryan Cohen hat schon verrücktere Dinge geschafft. Der Mann, der aus einem Tierfuttershop namens Chewy ein Milliarden-Business zimmerte und dann den Fast-Bankrotteur Gamestop zur Memestock-Ikone machte, plant jetzt seinen kühnsten Coup: Die Übernahme von Ebay. Für schlappe 56 Milliarden Dollar. Das Problem? Gamestop ist an der Börse gerade mal 11,9 Milliarden wert. Ebay kommt auf 46,2 Milliarden.

Cohen will einen Elefanten schlucken – als Maus. „125 Dollar pro Aktie, 20 Prozent Aufpreis“, kündigte Cohen dem Wall Street Journal an. Bargeld und Gamestop-Aktien, gemischt. Eine Kreditzusage über 20 Milliarden Dollar habe er bereits in der Tasche, behauptet der CEO. Woher der Rest der Kaufsumme kommen soll? Die Börse reagierte trotzdem euphorisch: Ebay-Aktien sprangen nachbörslich um 14 Prozent hoch, Gamestop legte sechs Prozent zu.

Cohens 35-Milliarden-Motivation

Hinter dem Deal steckt nicht nur strategischer Weitblick, sondern knallharte Eigeninteressen. Cohen verzichtet auf ein reguläres Gehalt – kassiert aber Aktienoptionen im Wert von bis zu 35 Milliarden Dollar, wenn er Gamestops Börsenwert auf 100 Milliarden hochtreibt. Sein bisheriger Plan: Ein eigener Marktplatz für digitale Sammelbilder. Das Projekt floppte spektakulär. Jetzt soll Ebay die Lösung sein.

Die Rechnung klingt plausibel: Gamestop fokussiert bereits auf Sammelkarten, Retro-Konsolen und Actionfiguren – genau wie Ebay. Mit 130 Millionen aktiven Käufern weltweit würde Cohen auf einen Schlag eine gigantische Infrastruktur erwerben statt jahrelang selbst zu entwickeln. „Wir suchen nach Expansionsmöglichkeiten“, hatte Cohen im Januar 2026 angekündigt. Jede Übernahme werde „bedeutend“. Damals fügte er an: „Es ist letztendlich entweder genial oder totaler Schwachsinn.“.

David gegen Goliath – historisch gescheitert

Finanzanalyst:innen von Bernstein sehen „echte Herausforderungen bei der Ausgestaltung dieses Deals“, wie das Wall Street Journal berichtet. Die Befürchtung: Gamestop könnte die Sanierung von Ebay gefährden statt beschleunigen. Und selbst mit neun Milliarden Dollar Cash-Reserven bräuchte Cohen massive Fremdfinanzierung – in einer Zeit steigender Zinsen ein Himmelfahrtskommando. Historische Vergleiche machen nicht Mut: Als Porsche 2008 versuchte, Volkswagen zu übernehmen – trotz kleinerem Börsenwert – endete der Coup in einem Desaster aus Leerverkäufer-Chaos und Finanzkrise. Cohen vertraut stattdessen auf die Reddit-Community, die Gamestop 2021 zur Memestock-Rallye mit 400 Prozent Kursplus verhalf.

Doch selbst Kleinanleger:innen haben begrenzte Kaufkraft, wenn es um 56 Milliarden geht. Sollte Ebays Management ablehnen, will Cohen direkt zu den Aktionären gehen – eine feindliche Übernahme. Ein Szenario, das regulatorische Hürden und monatelange Rechtsstreitigkeiten garantiert.

Business Punk Check

Dieser Deal riecht nach verzweifeltem Größenwahn statt strategischer Brillanz. Cohen braucht seinen 100-Milliarden-Börsenwert – und zwar schnell. Aber 56 Milliarden für Ebay aufzubringen, während die eigene Firma gerade mal ein Viertel davon wert ist? Das ist keine Disruption, das ist Kamikaze-Kapitalismus.

Selbst wenn die Finanzierung steht: Zwei völlig inkompatible Unternehmenskulturen zusammenzuführen – stationärer Retro-Gaming-Handel meets globaler E-Commerce-Dinosaurier – wird episch scheitern. Cohens Chewy-Erfolg war organisches Wachstum, kein Frankenstein-Monster aus Fremdkapital und Aktien-Voodoo. Sollte der Deal tatsächlich durchgehen, wird er als Lehrbuchbeispiel für Corporate-Hybris in die Wirtschaftsgeschichte eingehen. Anleger:innen, die jetzt auf Gamestop setzen, wetten nicht auf einen Plan – sondern auf den nächsten Memestock-Wahnsinn. Und der endet selten gut.

Häufig gestellte Fragen

Wie will Gamestop die Ebay-Übernahme finanzieren?

Cohen plant eine Mischung aus Bargeld und Gamestop-Aktien. Eine Kreditzusage über 20 Milliarden Dollar liegt vor, der Rest der 56 Milliarden bleibt unklar. Mit nur 9 Milliarden Cash-Reserven wäre massive Fremdfinanzierung nötig.

Warum will Cohen ausgerechnet Ebay kaufen?

Gamestop fokussiert auf Sammelkarten und Retro-Gaming – genau wie Ebay. Mit 130 Millionen Käufern würde Cohen fertige Infrastruktur erwerben statt jahrelang selbst zu entwickeln. Sein eigener Marktplatz für digitale Sammelbilder war gescheitert.

Was verdient Ryan Cohen an dem Deal?

Cohen erhält kein Gehalt, sondern Aktienoptionen im Wert von bis zu 35 Milliarden Dollar – wenn er Gamestops Börsenwert auf 100 Milliarden hochtreibt. Die Ebay-Übernahme soll dieses Ziel ermöglichen.

Wie realistisch ist die Übernahme?

Analyst:innen sehen erhebliche Risiken. Gamestop ist viermal kleiner als Ebay, die Finanzierung wackelig, regulatorische Hürden massiv. Historisch sind solche David-gegen-Goliath-Deals meist gescheitert.

Quellen: t3n, Handelsblatt, WinFuture, Wall Street Journal

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