Business & Beyond Ich traf den Schah-Sohn und redete mit ihm über den neuen Iran

Ich traf den Schah-Sohn und redete mit ihm über den neuen Iran

Wer die Demonstrationen von Exil-Iranern beobachtet, hört, wie die Rufe nach der Rückkehr von Reza Pahlavi laut werden. Wer ist dieser Sohn des Schahs? Ich habe vor einiger Zeit mit ihm über das gesprochen, was jetzt tatsächlich passiert.

Es ist lange her, beinahe 20 Jahre und Reza Pahlavi war damals 48 Jahre alt, als wir einen halben Tag in Innsbruck miteinander verbrachten. Er als Gast und Vortragsredner am Managementcenter der Universität, ich als neugieriger Journalist, der auch mal Teheran bereist hatte und seit jeher einen Faible für historische Persönlichkeiten hat. Reza Pahlavi ist so eine Person. Auch wenn er nur der Sohn des letzten Schahs von Persien ist. Bislang. Denn  es vergeht in diesen Tagen keine Demonstration, bei der nicht die Protestierenden Plakate mit seinem Porträt hochhalten und seinen Namen skandieren. Für viele ist er der Hoffnungsträger eines neuen Iran.

Er kam mir damals strahlend, charmant im taillierten Nadelstreifenanzug entgegen, das dunkle Haar saß so akkurat, als hätte am Morgen noch ein österreichischer Hoffrisör Hand angelegt. Er trug eine Anstecknadel am Revers mit den Farben des Irans: Grün, Weiß und Rot. In der derzeit verwendeten Version der Flagge lassen sich oberhalb und unterhalb des weißen Streifens der Ruf „Gott ist groß“ lesen sowie das stetig wiederholte Datum der Rückkehr des Religionsführers Ajatollah Khomeini. In der Fahnenmitte befinden sich vier angedeutete Halbmonde, die für die Ausbreitung des Islams stehen. Ein Schwert demonstriert Stärke. Bei Reza Pahlavis Version prangt anstelle der Halbmonde und der Schrift ein goldener Löwe auf der Anstecknadel. Es ist die Flagge aus der Schah-Epoche, die in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr zum Symbol des Widerstands gegen das Mullah-Regime geworden ist „Demokratie ist – bei Gott – auch das Beste für uns“, sagte mir Pahlavi damals.

Rückblende. Im Iran des Jahres 1978 überschlagen sich die Ereignisse. In Isfahan wird ein Taxifahrer von einem amerikanischen Unteroffizier erschossen. Es kommt jedoch zu keinem Prozess, weil der Schah ein Gesetz erlässt, das der iranischen Justiz die Möglichkeit nimmt, einen ausländischen Militärangehörigen vor Gericht zu stellen. Die Folge ist ein gewalttätiger Volksaufstand, der von der kommunistischen Partei angeheizt wird und auch in Streiks auf den Ölfeldern Südirans mündet. Aus dem französischen Exil heraus organisiert Ajatollah Khomeini seine Untergrundbewegung. Daneben führen maoistisch geprägten Volksmudschahedin einen Guerillakrieg.

Das Leben im Palast

Im Palast von Teheran residieren Mohammad Reza Pahlavi und seine Frau Farah Diba Pahlavi. Das Paar, das wie aus einem Märchen aus 1001 Nacht erscheint, polarisiert. Farah Diba ist die Lady Di der sechziger Jahre, sie lebt bis heute im Pariser Exil. Schah Reza Pahlavi dagegen gilt vielen als Marionette der Amerikaner. Unvergessen ist der Besuch 1967 in Berlin: Gemeinsam mit Bundespräsident Heinrich Lübke sitzt das Paar in der Deutschen Oper und lauscht den Klängen der „Zauberflöte“, als 100 Meter entfernt ein Kriminalbeamter den Studenten Benno Ohnesorg bei einer Demonstration gegen die Unterdrückung in Iran erschießt.

Der Thronfolger ist damals sieben Jahre alt. Er kann sich erinnern – nicht an die Vorfälle in Berlin, aber an das Leben im Palast. In einem Seitenflügel hat er gewohnt, hat gemeinsam mit anderen Kindern von Regimeanhängern eine Privatschule auf dem Gelände besucht. Später dann sei er „inkognito“ ausgegangen, berichtet er. Er habe sich als „adoptierter Sohn des Volkes“ gefühlt. Das Gefühl dürfte den Sohn getrogen haben. Der Schah gerät 1978 derart unter Druck, dass er das Kriegsrecht ausruft und eine Militärregierung eingesetzt wird. Am. 16. Januar 1979 verlässt die Familie Pahlavi den Iran. „Ich bin müde und benötige dringend Erholung“, sind die letzten aus dem Iran überlieferten Worte des Schahs. Ein Jahr später stirbt er im Exil in Kairo. „Ich bin froh, dass er das, was dann in Iran passierte, nicht mehr erlebt hat“, sagt der Sohn inzwischen.

„Adoptierter Sohn des Volkes“?


Wir saßen damals nach seinem Vortrag n Innsbruck im Séparée eines idyllischen Hotels. Der Kronprinz erläuterte seine Vorstellungen von der Zukunft seines Landes. „Die Opposition muss sich vereinen, und das sehe ich als meine Aufgabe“, sagte er. Sein Ziel sei es, einen Umsturz in Iran herbeizuführen. „Wir brauchen einen völligen Systemwechsel. Reformen genügen nicht. Es muss eine klare Trennung zwischen Religion und Staat geschaffen werden.“ Er stand schon damals nach seinen Worten täglich in Kontakt mit seinen Landsleuten in der Heimat. Seine Einschätzung: Die Iraner unterstützten das Mullah-Regime nicht wirklich.

Pahlavi redete in der blumig-grellen Sprache seines Landes, wenn er von dem Regime in Teheran als „schlimmstem Tumor in einer krebsverseuchten Region“ sprach. „Das iranische Volk ist der beste Verbündete des Westens“, glaubte er. Als Vorbilder für einen Umsturz von innen nannte er Länder in Osteuropa oder auch Südafrika. Er kritisierte die „Ignoranz der Staatengemeinschaft und Nicht-Regierungs-Organisationen“, die den Druck auf den Iran nicht erhöhten. In Europa wusste der studierte Politikwissenschaftler schon damals, auf welchen Knopf er drücken musste, um Gehör zu finden: „Wir alle kennen die Konsequenzen der Appeasement-Politik gegenüber Hitler“, warnte er.

Ein „echter Herr“


Er sei „ein echter Herr“, sagte mir die Kellnerin hinterher, die auch die beiden Sicherheitsbeamten vor der Tür mit frischem Kaffee, Wasser und Gebäck versorgt hatte. Kampfpilot bei den US-Luftstreitkräften ist Reza Pahlavi auch gewesen. Er lebt in einem Vorort von Washington, nicht mehr in einem Palast, aber in einer der teuersten Wohngegenden der USA. Dass er mit gestohlenem Geld des iranischen Volkes um sich wirft, bezeichnete er als „Propagandalüge der Islamisten“. Dass den Grundstock seines Vermögens allerdings der Vater legte, dürfte auch nicht verkehrt sein.

Seine Biografie lässt Lücken, die auch Pahlavi damals im Gespräch nicht füllte. Was hat er wirklich fast ein halbes Jahrhundert lang gemacht, als sich sein Land erst im Krieg mit dem Irak aufrieb, dann vorsichtig öffnete, um dann wieder einem autoritären Regime zum Opfer zu fallen? Er ließ durchblicken, dass das Regime in Teheran jahrzehntelang von der Halbherzigkeit der Oppositionsgruppen profitierte. Pahlavis Anhänger beispielsweise stritten lange darüber, welche Rolle der Schahsohn nach dem Ende der Islamischen Republik spielen könnte. Während eine Minderheit für eine absolute Monarchie eintritt, schwebte Pahlavi eher ein repräsentatives Modell vor, Spanien nannte er als Beispiel. „Wenn mich das Volk ruft, bin ich bereit“, lautete sein Credo in den vergangenen Jahren. Inzwischen ist der Ruf sehr laut geworden.

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