Business & Beyond Interview: „Wir duschen die Seele“

Interview: „Wir duschen die Seele“

Frankfurt, Skyline, Jazz aus dem Tisch: Bernd Breiter denkt Entertainment neu. Der Gründer von BigCityBeats spricht über „Smart Rebels“, poröse Bubbles und warum positive Irritationen Innovation auslösen. Vom DJ im All bis zu Dialogräumen zwischen Generationen verbindet er Musik, Wissenschaft und Business. Ein Gespräch über Mut, Krisen – und warum wir manchmal einfach „die Seele duschen“ müssen.

Frankfurt, Skyline, Jazz aus dem Tisch: Bernd Breiter denkt Entertainment neu. Der Gründer von BigCityBeats spricht über „Smart Rebels“, poröse Bubbles und warum positive Irritationen Innovation auslösen. Vom DJ im All bis zu Dialogräumen zwischen Generationen verbindet er Musik, Wissenschaft und Business. Ein Gespräch über Mut, Krisen – und warum wir manchmal einfach „die Seele duschen“ müssen.

Das Gespräch führte Oliver Stock.

Frankfurt. Skyline. In seiner Küche. Bernd sagt: „Alexa, Mischpult“ und das Pult zoomt sich aus dem Esstisch. Jazz droppt. Goldene Platten an der Wand wie Trophäen aus dem Universum. Bernd Breiter denkt größer als andere atmen. Er schießt Beats ins All, baut Clubs in Flugzeuge, auf Gletscher, in die ISS. Entertainment trifft Wissenschaft, Marke trifft Emotion. Wer Transformation will, kommt an ihm nicht vorbei. Ein Gespräch über Macht, Mut und was Business Punk und seine Smart Rebels gemeinsam haben.

Business Punk: Bernd, warum gibt es die Smart Rebels?

Wir sind in einer Welt, die einfach aussieht. Wir schauen auf unser Handy, sehen Bildchen, drücken drauf und alles funktioniert. In Wahrheit sieht die Welt nur einfach aus, aber vieles ist komplizierter geworden. Die Menschen wollen es jedoch nicht komplex, sondern einfach. Wir haben kein Wissensproblem, sondern ein Zugangsproblem. Das verstärkt Echokammern. Soziale Medien stabilisieren bestehende Weltbilder und beschleunigen Fragmentierung. Menschen schließen sich in Bubbles ein. Das gilt auch für Wissenschaftler. Auch die sind in ihrer Bubble unterwegs. Was ich machen will, ist der Wissenstransfer von der einen Bubble in die andere.

Business Punk: Wieso interessiert Dich das so? Es laufen Milliarden Menschen auf der Welt herum, für die ist das kein Thema. Die kommen gar nicht darauf.

Ich habe gemerkt, dass ich Bubbles porös machen kann. Ich habe eine krasse Situation im Leben gehabt: 2019 habe ich die Space Edition vom World-Club-Dome gemacht, eine Riesenrakete als Bühnenbild gebaut. Damals saßen 60.000 Menschen im Stadion und warteten auf David Guetta. Statt direkt ins Set zu gehen, haben wir gemeinsam mit Matthias Maurer einen Vortrag über Raumfahrt gehalten. Das war der erste bewusste Bruch. Als wir dann angekündigt haben: Wir bringen den ersten Club auf die ISS – den ersten DJ ins All, sind die Leute durchgedreht. Und erst danach kam David. Da habe ich gemerkt: Wenn ich artfremde Dinge zusammenbringe und Emotionen erzeuge, entsteht etwas Neues. Wir haben damals eine außergewöhnliche Reichweite für ein Raumfahrt-Thema in kürzester Zeit erzeugt. Um Bubbles porös zu machen, musst Du eine positive Irritation hervorrufen.

Business Punk: Du denkst immer groß . . .

. . . was ist groß? Die meisten Barrieren sind doch in unserem Kopf. Du musst groß denken, um groß zu werden. Und du musst bereit sein, auch Umwege dahin in Kauf zu nehmen. Der gerade Weg tut sich selten auf.

Business Punk: Welche Rolle spielt Musik für Dich?

Als Junge wollte ich Teenie-Star werden. Und dann gingen mir mit 17 die Haare aus. Also habe ich mich hinter die Bühne verzogen. Ein Tonstudio gegründet. Mit Musik – und mit Kulinarik – hast du zwei universelle Sprachen. Du brauchst keine Übersetzung, um sie zu verstehen. Es gibt keine Barrieren. Wenn wir es schaffen, in dem Augenblick, wo jemand zufrieden, satt und gut unterhalten ist, Lösungen zu erarbeiten, dann kommen viel bessere Ergebnisse heraus als unter Druck.

Business Punk: Einspruch: Ganz viel wird erst unter Druck erzeugt. Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen.

Aber der Moment der Veränderung, muss positiv sein. Wenn Du zu stark unter Druck stehst, kannst Du nicht zu anderen hingehen und eine Veränderung verlangen. Wenn Du paralysiert bist, bewegst Du Dich nicht mehr. Ich habe das erlebt, als die Musik-Downloads begannen, das hat unsere ganze Musikindustrie wegrasiert. Das Sich-neu-Erfinden entsteht allerdings manchmal aus einer krassen negativen Erfahrung, da hast du schon recht.

Business Punk: Stammt die Idee zu Smart Rebels aus einer negativen Erfahrung?

Ich habe Festivals gemacht, damit die Menschen dort ihre Akkus aufladen können. Ich habe Big-City-Beats erfunden, um dieses Gefühl zu bedienen, dass du am Freitagabend spürst, wenn die Arbeit geschafft ist und feiern darfst. Daraus wurde der World-Club-Dome. Dann kam Corona, da ging es uns natürlich nicht gut. Danach sind die Zuschauerzahlen zurückgegangen, die Preise gestiegen. Da blies uns ein eisiger Wind ins Gesicht. Ich habe gelernt, meine Unsicherheit nicht auf meine Organisation zu übertragen. Beim World Club Dome kam ein Investor rein. Ich bin rausgegangen mit dieser Smart-Rebell-Geschichte im Kopf.

Business Punk: Aus der Krise geboren?

Ja, aber Du brauchst das Licht am Ende des Tunnels. Ich musste zuerst alles auf null bringen. So genannte Freundschaften zerbrachen. Ich habe festgestellt, wie schnell scheinbar Stabiles ins Wanken geraten kann. Aber ich liebe Musik, ich koche gern. Die Smart Rebells sind daraus entstanden.

Business Punk: Bist du ein Weltverbesserer?

Überhaupt nicht. Ich möchte nur in dieser demokratischen Welt weiterleben, in der ich aufgewachsen bin. Die smarte Rebellion soll Generationen übergreifende Dialogräume eröffnen, damit das so bleibt. Sie nutzt dazu emotionale Trigger. Positive Irritationen. Zum Beispiel einen DJ im All. Eine Küche im All. Wir haben das gemacht. Wir öffnen emotionale Türen. Ich rette die Welt nicht. Ich öffne Räume, in denen sie besser werden kann. Weg von dem Weichgespülten. Sondern mit Standing. Mit der Einsicht, dass Fehler entstehen können.

Business Punk: Für wen machst du das?

Für Entscheider, Gründer und Führungspersönlichkeiten, die spüren, dass reine Fachlichkeit nicht mehr reicht. Für Institutionen, die fachlich exzellent sein mögen, aber emotional den Anschluss verlieren. Für alle die, die sich trauen. Für Vorstände, die sich sonst nur mit Vorständen unterhalten. Für Ingenieure, die sich nur mit Ingenieuren unterhalten. Wir könnten in Europa so viel krasser auftreten. Die Vielfalt, die wir haben, ist unser USP. Aber die müssen wir zulassen. Den Streit in der Sache müssen wir zulassen, das haben wir aber verlernt.

Business Punk: War früher besser?

Wir brauchen wieder eine Streitkultur, um diese Gesellschaft zusammenzuhalten. Wir können es nicht immer allen rechtmachen. Wir brauchen ein Wertesystem.

Business Punk: Werte schränken auch ein . . .

Darüber können wir streiten. Wenn Ehrlichkeit und gegenseitiger Respekt Dich einschränken . . . also ich weiß nicht!

Business Punk: Warum soll jemand bei den Smart Rebels mitmachen?

Um Kontakt zu anderen aufzunehmen, mit denen wir sonst nicht in Verbindung kommen. Um sich gegenseitig zuzuhören und zu ergänzen und nicht gegeneinander anzutreten. Wir verbinden die Power der Jungen mir der Erfahrung der Alten. Wir nutzen den Spaß, um ernste Themen der Menschheit voranzubringen. Wir duschen die Seele. Smart Rebel ist kein Aufstand. Es ist ein Aufstehen – für Anschlussfähigkeit.

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