Business & Beyond KI frisst 3000 Jobs: Commerzbank-Chefin zieht den Stecker

KI frisst 3000 Jobs: Commerzbank-Chefin zieht den Stecker

Bettina Orlopp streicht 3000 Stellen – und sagt offen: Der Großteil geht auf KI-Automatisierung zurück. Externe Call-Center und IT-Dienstleister trifft es zuerst. Timing ist kein Zufall: Die Bank wehrt sich gegen die Unicredit.

Die Commerzbank macht ernst mit der Automatisierung: 3000 Arbeitsplätze will CEO Bettina Orlopp bis 2030 abbauen – und nennt dabei erstaunlich offen den Hauptschuldigen. „KI ist sehr kraftvoll in verschiedenen Bereichen“, sagte sie laut heise. Ein „sehr großer Teil“ der Stellenstreichungen entfalle auf Künstliche Intelligenz.

Die Auswirkungen seien größer als vor einem Jahr angenommen. Besonders pikant: Der Zeitpunkt ist strategisch gewählt. Während die italienische Unicredit mit knapp 30 Prozent Anteil vor der Tür steht und auf eine Komplettübernahme drängt, soll der radikale Umbau die eigenen Aktionäre überzeugen, nicht zu verkaufen. Die Botschaft: Wir können profitabler werden – ohne Mailänder Hilfe.

Der digitale Kahlschlag trifft (vorerst) die Falschen

Orlopp spielt clever: Die eigene Belegschaft soll „maximal sozialverträglich“ davonkommen, wie sie der WirtschaftsWoche versicherte. Betriebsbedingte Kündigungen? Fehlanzeige. Stattdessen geht die Bank an externe Call-Center und IT-Dienstleister ran – dort sind noch „viele Externe“ im Einsatz.

Die Demografie spielt der Commerzbank in die Karten: Natürliche Fluktuation soll den Rest erledigen. Was nach Schadensbegrenzung klingt, ist faktisch eine Verschiebung des Problems. Wer heute noch im Outsourcing-Call-Center für die Commerzbank arbeitet, kann sich warm anziehen. KI-gestützte Chatbots und automatisierte Prozesse übernehmen die Arbeit – billiger, schneller, ohne Krankenstand.

Bankenkrieg mit politischer Brisanz

Die Unicredit bietet 0,485 eigene Aktien pro Commerzbank-Anteil – ein Angebot, das die Frankfurter als „Schrumpfungs-Strategie“ ablehnen. Juni sammelt die Mailänder Bank Aktien ein, ohne ein teures Pflichtangebot vorlegen zu müssen. Die Frist kann bis 3. Juli verlängert werden. Dass EZB-Vizepräsident Luis de Guindos die Bundesregierung für ihren Widerstand gegen die Übernahme kritisierte, sorgte für Irritationen. Das widerspreche dem Geist des europäischen Binnenmarktes, so de Guindos.

Orlopp konterte scharf: Es mute „seltsam an“, dass einzelne EZB-Vertreter einen Angang unterstützen, „der eine Destabilisierung zum Ziel hat“. Die Bundesregierung hält gut zwölf Prozent der Commerzbank-Anteile und stellt sich schützend vor das Institut. Die Unicredit ist mit der Hypovereinsbank bereits in Deutschland aktiv und sieht Milliarden-Einsparpotenzial. Eine Social-Media-Kampagne gegen die Commerzbank brachte ihr eine Rüge der Bafin ein. Anfang nächster Woche will Orlopp eine begründete Stellungnahme zum Übernahmeangebot vorlegen.

Business Punk Check

Die Commerzbank demonstriert, wie KI-Automatisierung im Banking 2025 funktioniert: Man positioniert sich als Vorreiter, während man gleichzeitig die schmutzige Arbeit an Subunternehmer auslagert. Externe Call-Center und IT-Dienstleister sind die Minensuchboote der Digitalisierung – wenn dort Jobs fallen, interessiert es keine Hauptversammlung. Orlpps Timing ist clever: Im Übernahmekampf braucht sie Effizienzgewinne, die die Story „eigenständig profitabler“ glaubwürdig machen. KI ist dabei Waffe und Ausrede zugleich. Die harte Wahrheit: Auch ohne Unicredit würden diese Jobs verschwinden – nur langsamer.

Andere Banken ziehen nach: ING, Deutsche Bank, alle setzen auf Automatisierung. Die eigentliche Frage lautet: Wie lange hält die sozialverträgliche Fassade? Wenn die Demografie-Effekte aufgebraucht sind und KI weiter an Fahrt aufnimmt, wird auch die Stammbelegschaft dran glauben. Orlpps Strategie kauft Zeit – mehr nicht.

Häufig gestellte Fragen

Warum streicht die Commerzbank genau jetzt 3000 Stellen?

Der Stellenabbau ist Teil der Abwehrstrategie gegen die Unicredit-Übernahme. Mit ambitionierten Renditezielen bis 2030 will CEO Bettina Orlopp beweisen, dass die Bank eigenständig profitabler werden kann. KI-Automatisierung ermöglicht drastische Kostensenkungen.

Welche Bereiche sind vom KI-bedingten Jobabbau betroffen?

Hauptsächlich externe Call-Center und IT-Dienstleister. Die eigene Belegschaft soll durch natürliche Fluktuation und demografischen Wandel geschont werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht geplant – vorerst zumindest.

Wie realistisch ist die Unicredit-Übernahme der Commerzbank?

Die Unicredit kontrolliert bereits knapp 30 Prozent und hat ein offizielles Angebot vorgelegt. Der Bund hält zwölf Prozent und blockiert. Das Angebot liegt unter dem aktuellen Aktienkurs, was die Commerzbank als „Schrumpfungs-Strategie“ ablehnt. Der Ausgang bleibt offen.

Welche anderen Banken setzen auf KI-Automatisierung?

Praktisch alle Großbanken weltweit investieren massiv in KI. Deutsche Bank, ING und andere europäische Institute automatisieren Kundenservice, Kreditprüfung und Backoffice-Prozesse. Die Commerzbank ist kein Einzelfall, sondern Teil eines branchenweiten Trends zur Effizienzsteigerung durch Technologie.

Quellen: heise, WirtschaftsWoche

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