Business & Beyond KI-Rechenzentren: Wie Big Tech die US-Stromrechnung der Allgemeinheit aufbrummt

KI-Rechenzentren: Wie Big Tech die US-Stromrechnung der Allgemeinheit aufbrummt

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PJM-Auktionsdaten zeigen: Rechenzentren verursachen 46 Prozent der Kapazitätskosten, obwohl sie nur 4 Prozent des Stroms verbrauchen. Zahlen sollen andere.

Vier Prozent des US-Stromverbrauchs, aber 46 Prozent der Mehrkosten: Diese Diskrepanz aus den jüngsten Kapazitätsauktionen des Netzbetreibers PJM Interconnection liefert den bislang klarsten Beleg dafür, dass der KI-Boom längst auf die Stromrechnung normaler Haushalte durchschlägt. PJM versorgt 13 US-Bundesstaaten sowie Washington, D.C. und beliefert damit rund 67 Millionen Menschen.

Die Zahlen stammen nicht von Kritikern der Tech-Branche, sondern vom unabhängigen Marktüberwacher des Netzbetreibers selbst. Wie stark die Mehrkosten am Ende bei Verbrauchern ankommen, hängt dabei stark vom jeweiligen Bundesstaat ab: Regionen mit hoher Rechenzentrumsdichte sind naturgemäß stärker betroffen als andere.

PJM-Auktion legt die Rechnung offen

Bei der jüngsten Kapazitätsauktion für den Zeitraum Juni 2028 bis Mai 2029 summierten sich die Gesamtkosten laut Monitoring Analytics auf 16,4 Mrd. Rund 6,3 Mrd. Dollar davon entfallen auf die Nachfrage von Rechenzentren. Über die vergangenen vier Auktionen hinweg addiert sich der von Rechenzentren verursachte Kostenanteil auf 29,4 Mrd. Dollar, das entspricht etwa 46 Prozent der gesamten Kapazitätskosten in diesem Zeitraum.

Monitoring-Analytics-Präsident Joseph Bowring plädiert deshalb dafür, die Nachfrage von Rechenzentren aus dem regulären Kapazitätsmarkt herauszulösen und über eine eigene Auktion abzuwickeln. Nur so ließe sich sicherstellen, dass Rechenzentren für ihre eigene Kapazität zahlen, statt die Kosten auf andere Kunden abzuwälzen. Zum Vergleich zeigt der Fall Hawaii, wo Strompreise von rund 52 Cent pro Kilowattstunde vor allem durch Treibstoffkosten und die Isolation des Inselnetzes getrieben werden, dass nicht jeder hohe Preis automatisch auf Rechenzentren zurückgeht. Genau das macht die PJM-Zahlen so aussagekräftig: Hier lässt sich der Anteil der Rechenzentren sauber isolieren, weil der Marktüberwacher ihn explizit ausweist.

Trumps Selbstverpflichtung ohne Biss

Unter Präsident Trump wurde ein freiwilliger ‚Ratepayer Protection Pledge‘ lanciert, der Technologiekonzerne dazu aufruft, ihre Energiekosten selbst zu tragen; es handelt sich dabei um eine politische Selbstverpflichtung, nicht um ein verbindliches Gesetz. Microsoft und Anthropic haben ähnliche freiwillige Zusagen gemacht. Das Problem: Diese Selbstverpflichtungen sind rechtlich nicht bindend und enthalten keine Durchsetzungsmechanismen. Nach Angaben des Politik-Trackers MultiState arbeiten derzeit 27 US-Bundesstaaten an Gesetzen, die Rechenzentren verpflichten würden, den Netzausbau selbst zu finanzieren.

Mehrere US-Bundesstaaten, darunter Kalifornien, Ohio und Utah, haben gesetzliche Regelungen beschlossen, die über die freiwillige Bundesinitiative hinausgehen und teilweise strengere Anforderungen an Energieinfrastruktur und große Stromverbraucher wie Rechenzentren stellen; die genaue Ausgestaltung unterscheidet sich jedoch je nach Staat und Gesetz. Lokaler Widerstand gegen einzelne Projekte kann Bauvorhaben zwar verzögern, hat aber kaum Einfluss auf die eigentlichen Tarifverfahren, in denen Strompreise festgelegt werden. Kritiker sehen darin ein strukturelles Problem: Die Kosten für den Netzausbau werden auf die Allgemeinheit verteilt, während die wirtschaftlichen Vorteile größtenteils bei den Unternehmen bleiben, die die Rechenzentren betreiben.

Engpässe verschärfen das Problem

PJM erklärte zudem, bei der jüngsten Auktion nicht genügend Kapazität beschafft haben zu können, um das eigene Zuverlässigkeitsziel zu erreichen, ein Problem, das bereits bei der vorangegangenen Auktion für 2027/2028 auftrat. Der Netzbetreiber hat deshalb bei der Bundesregulierungsbehörde eine sogenannte „Backstop Procurement“ beantragt, um zusätzliche Kapazitäten zu sichern.

PJM-CEO David Mills erklärte laut Trending Topics, die Stromnachfrage wachse derzeit schneller als das Angebot und man arbeite mit Behörden und der Industrie an einer Wiederherstellung des Gleichgewichts. Rechenzentren erwähnte er dabei nicht explizit, PJM hatte sie zuvor aber selbst als am schnellsten wachsenden Nachfragetreiber benannt. Analysten und Verbraucherschützer rechnen unterdessen nicht mit kurzfristiger Entlastung: In stark von PJM versorgten Regionen könnten Stromrechnungen um 15 bis 20 Dollar pro Monat höher ausfallen als zuvor, mit spürbarer Verbesserung frühestens in den 2030er-Jahren.

Business Punk Check

Fakt ist: PJMs eigener Marktüberwacher beziffert den Kostenanteil der Rechenzentren auf 46 Prozent bei nur 4 Prozent Verbrauchsanteil. Das ist keine Randnotiz, sondern eine strukturelle Schieflage im Kapazitätsmarkt.

Ob freiwillige Pledges von Microsoft und Anthropic etwas ändern, bleibt offen, solange Sanktionen fehlen. Die eigentliche Machtfrage lautet: Zahlen künftig Rechenzentren ihre Netzkosten separat, oder bleibt die Allgemeinheit Bittsteller für den KI-Boom anderer?

Auf einen Blick

  • Rechenzentren verursachen laut Monitoring Analytics 46 Prozent der PJM-Kapazitätskosten, obwohl sie nur rund 4 Prozent des US-Stromverbrauchs ausmachen.
  • Über vier PJM-Auktionen summierten sich die durch Rechenzentren verursachten Kosten auf 29,4 Mrd. Dollar.
  • Trumps „Ratepayer Protection Pledge“ sowie Zusagen von Microsoft und Anthropic sind rechtlich nicht bindend und ohne Durchsetzungsmechanismus.
  • 27 US-Bundesstaaten arbeiten laut Politik-Tracker MultiState an Gesetzen, die Rechenzentren zur Selbstfinanzierung des Netzausbaus verpflichten sollen.
  • Analysten erwarten in PJM-Regionen monatliche Mehrkosten von 15 bis 20 Dollar pro Haushalt, mit Besserung frühestens in den 2030er-Jahren.

Quellen: Trending Topics (EN), Trending Topics (DE), Deutsche-wirtschafts-nachrichten, Handelsblatt, Telepolis

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