Business & Beyond Kill them with Kindness: Das Erfolgsmodell Williams-Stecher

Kill them with Kindness: Das Erfolgsmodell Williams-Stecher

Judith Williams und Alexander-Klaus Stecher führen gemeinsam mehrere Unternehmen, produzieren Fernsehen und managen gleichzeitig eine Patchwork-Familie mit vier Kindern. Ihr Erfolgsmodell: klare Rollen, maximale Flexibilität im Alltag – und ein unerschütterlicher Teamgeist. Die wichtigste Business-Lektion des Unternehmerpaares lautet dabei überraschend einfach: „Kill them with kindness.“

Text – Franca Lehfeldt und Friederike Bernholz

„Hallo! Hallo! Hallo!“, hallt es lebendig durcheinander. Das digitale Fenster öffnet sich, eine strahlende Judith Williams (54) wählt sich live aus ihrer TV-Maske ein, ihr Ehemann Alexander-Klaus Stecher (58) sitzt lachend im parkenden Auto und stellt die Kamera neben das Lenkrad. Beide zählen fast automatisch ihre bisherigen Termine des Tages auf, lachen dann laut über das Drunter und Drüber. Dabei ist es 14 Uhr. Der Arbeitstag von Williams-Stecher kommt mit ordentlich PS und einer gesunden Arbeitswut daher.

Business Punk: Judith und Alexander, einen Termin mit euch zu bekommen, gleicht Kalender-Mikado. Wo seid ihr gerade und mit wie vielen Projekten parallel ausgestattet?

Judith Williams: Manchmal frage ich mich selbst, wie ich gleichzeitig aktiv an einem Meeting teilnehmen und beim Arzt im Wartezimmer sitzen kann, aber es funktioniert. Alexander-Klaus Stecher: Als Patchwork-Familie mit vier Kindern trägt jeder Verantwortung für das Kinderprogramm. Jetzt sitze ich im Auto zum Flughafen, als Vorhut für die nächste Aufzeichnung von „Die Höhle der Löwen“.

Business Punk: Wie organisiert ihr euren 24/7-Spagat zwischen TV-Produktion, eigenen Unternehmen und vier Kindern?

AKS: Nur mit Kita und Krippe hat es nicht funktioniert. Wir haben mit Au-Pairs angefangen, später konnten wir uns Haushaltshilfen leisten. Wenn man es sich finanziell erlauben kann, ist festangestellte Hilfe eine riesige Erleichterung, über die man sehr dankbar sein kann. JW: In den ersten Jahren war meine Mutter sehr präsent, ebenso Alexanders Mutter. Der größte Pain ist, dass Kindergärten so früh schließen und es keinerlei Flexibilität bei der Arbeitszeit gibt. Wenn über die Flexibilisierung der 40-Stunden-Woche diskutiert wird, regen sich alle auf. Wo sind wir denn eigentlich? Wir sind doch Herr genug, um zu entscheiden, ob ich diese Woche mal 48 Stunden arbeiten kann und in der nächsten Woche dann dafür ausgleichend weniger. Wir geben unseren Mitarbeitern diese Flexibilität und nehmen sie uns auch selbst. Aber ohne Organisation und ein Sicherheitsnetz bist du aufgeschmissen.

Business Punk: Oft heißt es: Judith ist das Gesicht nach außen, Alexander die Kraft im Maschinenraum. Wann habt ihr entschieden, aus zwei Karrieren eine zu machen?

AKS:  Das ist gut 20 Jahre her. Es stand ein Casting an und ich hätte die Rolle bekommen. Aber ich fragte mich: Wie lange wäre ich dann weg? Also entschied ich: Was ist besser, Talente in ein gemeinsames Projekt stecken oder jeder sein eigenes Ding machen und sich kaum sehen? Ich steckte mein Talent für PR in das, was Judith brauchen konnte. So haben wir ihren Bekanntheitsgrad von damals 20 Prozent auf heute 86 Prozent gesteigert. JW: Alexander besitzt die Fähigkeit, Menschen und ihre Potenziale zu erkennen. Er hat meiner Arbeit eine andere Sichtbarkeit gegeben. Um das mit einer Familie zu schaffen, braucht man unendlich viel Wertschätzung füreinander. Wir sind ebenbürtig. Natürlich streiten wir uns auch mal, aber das macht die Qualität aus.

Business Punk: Judith, du bist die TV-Queen. Wenn wir über Innovation sprechen, wie blickst du auf die Veränderung der Medienlandschaft?

JW: Teleshopping bleibt wichtig, aber der größere Teil unseres Geschäfts findet digital und im Retail statt. Wir wurden gerade vom CEO von TikTok Shop als „Top Beauty Seller“ ausgezeichnet. Als Unternehmer muss man heute auf allen Kanälen stattfinden. Wohin die Reise des Fernsehens insgesamt geht, weiß wohl niemand sicher, da streiten sich die Experten. Wichtiger ist für mich die Konzentration auf die Wachstumsmärkte. Wir stellen beispielsweise über 25 Marken her, Judith Williams Cosmetics ist da nur eine von vielen. Wir besetzen Trends wie „Korean Skincare“ als Early Adopter. Live Commerce ist im Grunde Teleshopping 5.0 – aber „Copy-Paste“ vom Teleshopping funktioniert auf TikTok nicht.

Business Punk: Was muss in Deutschland passieren, um mehr weiblichen Unternehmergeist zu entfesseln?

JW: Wir müssen unser Schulsystem hinterfragen. Dort werden oft Träume im Keim erstickt, anstatt dieses „Everything is possible“-Mindset zu fördern, was die junge Generation heute hat. Und die Politik hat keine Antwort auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wir können es uns nicht erlauben, die Hälfte unserer Intelligenz zu Hause zu lassen. Frauen sind die „Low-hanging fruits“ für das Wirtschaftswachstum. Wenn die Politik das kapieren und die Probleme von Familien lösen würde, würde Deutschland viel schneller aufsteigen. In unserer Firma sind fast 90 Prozent Frauen – viel weniger Ellbogen, ein anderes Mindset.

AKS: Ich sehe den Wandel bei DHDL. In fast jedem Pitch ist heute eine Frau federführend. Der Mut junger Frauen ist massiv gestiegen.

Business Punk: Judith, du bist US-Amerikanerin, möchtest dich nun in Deutschland einbürgern lassen. Was kann Deutschland vom amerikanischen Spirit lernen?

JW: Dieser Wille, „you just never give up“. Ich denke in Lösungen, nicht in Barrikaden. Jedes Team braucht eine Balance aus Alpha, Omega und Meta. Alexander ist bei uns dieser „Omega“, der Bedenkenträger, der fragt: „Seid ihr sicher?“. Das ist wichtig, damit man sich nicht im Kreis dreht. Aber das Amerikanische in mir sagt auch: Ich liebe meine „German fellows“, nur sie machen es sich oft zu schwer. Deutschland ist ein Land voller Potenzial und Fähigkeiten und wir sollten mit einem Spirit nach vorne gehen, der Lust und Freude an Arbeit und am Erschaffen hat, statt alles zu reglementieren. 

Business Punk: Was ist eure wichtigste Lektion, die schon immer der Joker, der Türöffner war? Die man in keiner Business School lernt?

AKS: „Kill them with kindness“. Auch diejenigen, die dich nicht lieben, mit Freundlichkeit zuzuschütten. Das hilft im Business genauso wie im Privatleben.

JW: Man muss so dankbar sein für seine Mitbewerber. Von niemandem lerne ich mehr als von denen. Und wir haben uns immer gesagt: Kein beruflicher Erfolg wiegt einen familiären Misserfolg mit unseren vier Kindern auf. Eine Ehe ist nicht wie ein Mary-Poppins-Film, sie ist Arbeit. Alexander und ich müssen stimmen, weil wir alles nähren, was um uns herum ist. Und deswegen müssen wir einander auch nähren, damit wir überhaupt gestalten können. Und jeden Tag unser Mindset neu einstellen, Tag für Tag.


Judith Wilhelms und Alexander-Klaus Stecher führen nicht nur gemeinsam mehrere Unternehmen. Sie sind auch Eltern von vier Kindern. Ihr Erfolgsrezept? “Unendlich viel Wertschätzung füreinander”, so die Unternehmerin.


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