Business & Beyond Kommt Trump auf die Dollarnote? Eine 250-Dollar-Frage der Eitelkeit

Kommt Trump auf die Dollarnote? Eine 250-Dollar-Frage der Eitelkeit

Es klingt nach einem Vorgang aus einer Autokratie: Die Regierung lässt das Konterfei des amtierenden Staatsoberhaupts auf einer Banknote verewigen – pünktlich zum 250. Geburtstag der Nation und obwohl genau das im Falle lebender Personen seit anderthalb Jahrhunderten verboten ist. Schauplatz ist aber nicht Pjöngjang, sondern Washington.

Geplant ist eine „Gedenkbanknote im Wert von 250 Dollar, die den 250. Jahrestag unserer großen Nation gebührend würdigen soll“, wie es aus dem Finanzministerium heißt – wobei der Name Donald Trump in dieser offiziellen Formulierung elegant ausgespart bleibt.

Bessent hält den Schein hoch – im Wortsinn

Was zunächst nach einem Gerücht aus den Tiefen der Washingtoner Bürokratie klang, hat Finanzminister Scott Bessent Ende Mai 2026 im Presseraum des Weißen Hauses höchstselbst beglaubigt. Er hielt ein Blatt Papier in die Kameras, darauf ein Entwurf der 250-Dollar-Note: ein Trump-Porträt nach offizieller Präsidentenvorlage, eingefasst in die Farben der amerikanischen Flagge. „Ich glaube nicht, dass etwas Anstößiges daran ist, den Präsidenten der Vereinigten Staaten – die Person, die zum 250. Jahrestag Präsident war – auf der Note abzubilden“, sagte Bessent. Das Bureau of Engraving and Printing, die staatliche Druckerei, bereite die Produktion bereits vor und warte nur noch auf grünes Licht aus dem Kongress.

Ein Detail des Entwurfs sagt mehr über den Vorgang als jede Rede: Statt der traditionellen Unterschriften von Finanzminister und Treasurer prangt auf dem Schein Trumps eigene Signatur. Berichten zufolge soll diese künftig auf sämtlichem neu gedruckten Geld erscheinen. Die Währung einer 250 Jahre alten Demokratie, signiert wie ein Autogramm.

Ein Gesetz von 1866 steht im Weg – wegen eines Beamten namens Clark

Der Haken an der Sache ist denkbar amerikanisch: Er ist 160 Jahre alt und geht auf einen Fall von Beamteneitelkeit zurück. Seit 1866 verbietet ein Bundesgesetz – der sogenannte Thayer-Zusatz – Porträts lebender Personen auf US-Währung, Anleihen und Wertpapieren. Erlaubt sind nur Verstorbene.

Die Vorgeschichte ist zu bezeichnend, um sie auszulassen. Der Kongress hatte eine Fünf-Cent-Note bewilligt, die einen gewissen „Clark“ ehren sollte – gemeint war der Entdecker William Clark. Ein Treasury-Beamter namens Spencer Clark deutete den Gesetzestext großzügig zu seinen Gunsten und ließ kurzerhand sein eigenes Konterfei drucken. Der öffentliche Aufschrei mündete in genau jenes Verbot, das Trump heute im Weg steht. Würde es fallen, wäre Trump der erste lebende Mensch auf US-Währung seit eben jenem Jahr 1866.

Der parlamentarische Engpass

Bessents Druckerei kann vorbereiten, was sie will – ohne den Kongress bleibt die Note Papier. Die rechtliche Grundlage soll ein Entwurf des republikanischen Abgeordneten Joe Wilson aus South Carolina liefern, der die Treasury zum Druck der Trump-Note verpflichten würde. Eingebracht wurde er bereits 2025, seit Februar desselben Jahres liegt er im Finanzausschuss des Repräsentantenhauses – und bewegt sich dort bislang nicht.

Ob die Note rechtzeitig zum Semiquincentennial am 4. Juli 2026 erscheint, ist damit offen. Juristen halten den Vorstoß für einen schwierigen Verkauf: Selbst wenn man eine Gedenknote rechtlich anders behandelt als reguläres Umlaufgeld, müsste der Kongress das geltende Verbot aktiv aushebeln. Kritiker – darunter Mitglieder des staatlichen Beratungsgremiums Citizens Coinage Advisory Committee – sehen in dem Manöver vor allem den Versuch, einen amtierenden Präsidenten in den Rang eines Monarchen zu heben.

Die eigentliche Pointe

Man kann über die 250-Dollar-Note schmunzeln wie über eine Provinzposse. Der eigentliche Vorgang ist nüchterner und ernster zugleich: Eine Verwaltung bereitet die Produktion einer Banknote vor, deren rechtliche Grundlage noch gar nicht existiert – und deren prominentestes Gestaltungsmerkmal die Unterschrift des Mannes ist, den sie abbilden soll. Dass ausgerechnet ein 1866 aus Beamteneitelkeit geborenes Gesetz die letzte Hürde darstellt, ist die Art von historischer Ironie, die sich kein Drehbuch ausdenken würde.

Häufig gestellte Fragen

Kommt Donald Trump wirklich auf eine Dollarnote? Geplant ist eine 250-Dollar-Gedenknote zum 250. US-Jubiläum mit Trumps Porträt. Das Finanzministerium bereitet den Druck vor, doch erscheinen kann die Note nur, wenn der Kongress das geltende Gesetz ändert. Beschlossen ist bislang nichts.

Warum ist das überhaupt ein Problem? Ein Bundesgesetz von 1866 (Thayer-Zusatz) erlaubt auf US-Währung nur Porträts verstorbener Personen. Trump lebt – also bräuchte es eine Gesetzesänderung, damit sein Bild legal auf eine Banknote dürfte.

Wer war zuletzt als lebende Person auf US-Geld? Niemand seit 1866. Auslöser des Verbots war der Treasury-Beamte Spencer Clark, der sich eigenmächtig selbst auf eine Fünf-Cent-Note drucken ließ – woraufhin der Kongress lebende Personen untersagte.

Wann könnte die Note kommen? Anlass ist der 250. Jahrestag der USA am 4. Juli 2026. Ob die rechtliche Grundlage bis dahin steht, ist offen: Der zuständige Gesetzentwurf liegt seit Februar 2025 unbewegt im Finanzausschuss des Repräsentantenhauses.

Was ist das Besondere am Design? Der Entwurf zeigt ein Trump-Porträt in Flaggenfarben – und trägt statt der üblichen Unterschriften von Finanzminister und Treasurer Trumps eigene Signatur.

Quellen: FocusCBS NewsNPRTIMENewsweekAxiosRep. Joe Wilson

Faktenstand: Ende Mai/Anfang Juni 2026. Der Gesetzesentwurf von Rep. Joe Wilson lag zuletzt im Finanzausschuss des Repräsentantenhauses; ein Beschluss stand zum Redaktionsschluss aus.

Das könnte dich auch interessieren