Business & Beyond Live-Musik: Frauen sind die eigentlichen Wachstumstreiber

Live-Musik: Frauen sind die eigentlichen Wachstumstreiber

Frauen sind in der Live-Musik längst nicht mehr bloß Publikum. Sie kaufen nicht einfach Tickets, sie organisieren Erlebnisse, koordinieren Gruppen, treiben Ausgaben nach oben und beeinflussen damit den wirtschaftlichen Erfolg einer Branche, die weltweit mehr als 200 Milliarden Dollar umsetzt.

Genau das zeigt die neue Studie „Her Frequency“ von The Collective und THE·TEAM. Fast 15.000 Frauen in zwölf Märkten wurden befragt. Das Ergebnis: Frauen stellen nicht nur einen Großteil des Publikums, sie sind oft der Grund dafür, dass aus Interesse überhaupt Nachfrage entsteht.

Die eigentlichen Architektinnen des Konzertgeschäfts

Die Musikbranche spricht gerne über Künstler, Headliner und ausverkaufte Arenen. Die eigentlichen Multiplikatoren sitzen jedoch häufig vor der Bühne. In Deutschland geben 88 Prozent der befragten Frauen an, bei der Planung und Organisation von Konzert- und Festivalbesuchen eine zentrale Rolle zu spielen. Sie suchen Termine heraus, koordinieren Freundeskreise, organisieren Tickets und stimmen Reisen ab. Anders formuliert: In vielen Fällen kaufen Frauen nicht nur ein Ticket. Sie sorgen dafür, dass gleich mehrere verkauft werden. Wer Frauen im Live-Entertainment noch immer vor allem als Publikum betrachtet, unterschätzt damit einen der wichtigsten Wachstumsmotoren des gesamten Geschäfts.

Das große Geld steckt im Drumherum

Die Studie zeigt deutlich, dass der wirtschaftliche Wert weit über den Ticketpreis hinausgeht. Mehr als die Hälfte der Befragten gibt zusätzlich über 100 Dollar pro Veranstaltung aus. Fast jede Dritte investiert mehr als 200 Dollar, elf Prozent sogar über 500 Dollar pro Event. Das Geld landet in Hotels, Restaurants, Bars, Merchandising, Transport, Premium-Angeboten und zahlreichen weiteren Touchpoints entlang der Fan-Reise. Live-Musik ist längst kein Abendprogramm mehr. Sie ist ein Ökosystem, in dem an vielen Stellen Wertschöpfung entsteht. Genau deshalb wird die Frage interessant, wer diese Ausgaben überhaupt auslöst. Die Antwort der Studie: sehr häufig Frauen.

Warum Konzerte Teil der Identität geworden sind

Die emotionale Bindung ist dabei enorm. 81 Prozent der deutschen Teilnehmerinnen sagen, dass Live-Musik ihnen hilft, sich mit anderen verbunden zu fühlen. Für 70 Prozent spiegelt sie die eigene Identität und Individualität wider. Konzerte und Festivals sind damit längst mehr als Freizeitbeschäftigung. Sie werden zu sozialen Treffpunkten, zu Erinnerungsmaschinen und zu Orten, an denen Menschen zeigen, wer sie sind und zu welcher Community sie gehören wollen. Wer diese emotionale Dimension versteht, versteht auch, warum Fans bereit sind, weit mehr als nur den Ticketpreis zu investieren.

Das eigentliche Problem heißt Reibung

Bemerkenswert ist, dass die Nachfrage offenbar gar nicht das größte Problem der Branche ist. Die Begeisterung ist bereits vorhanden. Was viele Frauen ausbremst, sind organisatorische Hürden. Termine abstimmen, Gruppen koordinieren, Tickets sichern, Anreise organisieren, Familie, Freunde und Beruf unter einen Hut bringen – der Weg zum Konzert wird schnell zur logistischen Meisterleistung. Die zentrale Erkenntnis lautet deshalb: Wachstum entsteht nicht zwingend durch mehr Marketing. Wachstum entsteht, wenn bestehende Nachfrage leichter aktiviert werden kann. Komfort, Übersichtlichkeit, Sicherheit und gute Organisation sind keine Nebensache. Sie sind Umsatzhebel.

Marken müssen endlich mehr liefern als Logos

Auch für Marken enthält die Studie eine klare Botschaft. 94 Prozent der befragten Frauen stehen Markenpräsenz bei Konzerten und Festivals grundsätzlich offen gegenüber. Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Logo auf einer Bühne automatisch begeistert. Fast die Hälfte der Teilnehmerinnen wünscht sich mehr Komfort, Überraschungen oder besondere Erlebnisse. Weitere 42 Prozent erwarten, dass Marken Menschen zusammenbringen und Gemeinschaft fördern.

Im Klartext: Wer sich einfach nur an ein Event dranhängt, wird übersehen. Wer das Erlebnis spürbar besser macht, gewinnt Aufmerksamkeit, Sympathie und Relevanz.

Die nächste Wachstumsstory der Branche

Die Studie unterteilt weibliche Fans in fünf Gruppen – von Power-Fans bis zu Gelegenheitsbesucherinnen. Besonders spannend: Das größte Potenzial liegt nicht bei den Hardcore-Fans. Die spannendste Zielgruppe sind jene Frauen, die emotional bereits stark verbunden sind, deren Engagement aber noch Luft nach oben hat. Genau dort entscheidet sich die nächste Wachstumsrunde der Branche. Die Botschaft ist eindeutig: Die Zukunft der Live-Musik entscheidet sich nicht allein auf der Bühne. Sie entsteht dort, wo Menschen Erlebnisse planen, Gruppen organisieren und Gemeinschaft schaffen. Wer Frauen lediglich als Käuferinnen betrachtet, verkennt ihren wirtschaftlichen Einfluss. Wer sie als Multiplikatorinnen versteht, erkennt die vielleicht größte Wachstumschance des Live-Entertainments.

Das könnte dich auch interessieren