Business & Beyond Lufthansa killt CityLine: 2200 Jobs weg – über Nacht

Lufthansa killt CityLine: 2200 Jobs weg – über Nacht

Lufthansa zieht den Stecker bei CityLine: 27 Jets bleiben am Boden, 2200 Mitarbeiter werden freigestellt. Der Konzern nennt Streiks und Kerosinpreise als Grund – doch die Wahrheit ist komplexer.

Der Lufthansa-Konzern macht Ernst: Die Regionaltochter CityLine wird sofort stillgelegt. 2200 Beschäftigte erfahren per interner Mitteilung, dass ihre Jets nicht mehr abheben. Die Begründung des Managements: anhaltende Streiks und explodierende Kerosinkosten. Doch hinter der Notbremse steckt eine Strategie, die längst beschlossen war – die aktuelle Krise dient als willkommener Vorwand für einen überfälligen Kahlschlag.

Radikaler Schnitt im Lufthansa-Netzwerk

Die 27 Canadair-CRJ-Maschinen von CityLine verschwinden bereits ab diesem Samstag aus dem Flugplan. Laut Handelsblatt werden Piloten und Kabinenpersonal widerruflich freigestellt – mit wenigen Ausnahmen. Die Regionaljets galten als Kostenfresser und standen ohnehin vor dem technischen Aus. Ursprünglich sollte CityLine erst 2028 vom Markt genommen werden. Jetzt beschleunigt der Konzern den Prozess um zwei Jahre.

Die Zubringerflüge zu den Drehkreuzen Frankfurt und München fallen weg – ein neuralgischer Punkt im Lufthansa-System. Ohne diese Verbindungen drohen Langstreckenmaschinen mit leeren Sitzen abzuheben. Der Konzern setzt darauf, dass die neue Tochter City Airlines mittelfristig Teile des Geschäfts übernimmt. Bis dahin bleibt eine Lücke im Netzwerk.

Flottenabbau trifft auch Langstrecke

Parallel zur CityLine-Schließung streicht Lufthansa weitere Kapazitäten. Ende Oktober werden sechs Langstreckenjets ausgemustert: vier Airbus A340-600 und zwei Boeing 747-400. Die legendären Jumbos sollen 2027 endgültig aus der Flotte verschwinden. Zusätzlich fallen etwa fünf Mittelstreckenflugzeuge weg. Im Gegenzug expandiert die Billigtochter Discover schneller mit neuen Airbus A350 – ein klares Signal für die strategische Neuausrichtung.

Finanzvorstand Till Streichert nannte die Kürzungen laut Spiegel „angesichts der stark gestiegenen Kerosinkosten und der geopolitischen Instabilität unumgänglich“. Der Konzern verweist darauf, dass 80 Prozent des Kerosinverbrauchs bereits abgesichert seien – dennoch zwinge die Marktlage zum Handeln. Ineffiziente Flugzeuge würden vorzeitig stillgelegt, um den Verbrauch zu senken.

Gewerkschaft spricht von Kriegserklärung

Die Flugbegleitergewerkschaft UFO reagiert schockiert. UFO-Verhandlungsführer Harry Jäger nennt die Maßnahme einen „offenen Krieg gegen die eigenen Leute“. Die Gewerkschaft hatte erst Mittwoch zu einem zweitägigen Streik bei CityLine aufgerufen – jetzt steht die gesamte Belegschaft vor dem Aus. Lufthansa verspricht Anschlussbeschäftigungen innerhalb der Gruppe, doch UFO und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit bewerten die Konditionen als unzureichend. Der Konzern kündigt Gespräche über Interessenausgleich und Sozialplan an.

Cityline-Chef Fabian Schmidt stellte den Mitarbeitern in einer Video-Schalte „Anschlussmöglichkeiten in der Gruppe“ in Aussicht. Ob das mehr ist als eine Floskel, wird sich zeigen. Die Eskalation im Tarifkonflikt erreicht jedenfalls eine neue Dimension – und könnte weitere Arbeitskämpfe nach sich ziehen.

Business Punk Check

Lufthansa verkauft die CityLine-Schließung als Notmaßnahme – doch das ist nur die halbe Wahrheit. Der Konzern hatte den Ausstieg längst geplant, die Streiks liefern jetzt den perfekten Sündenbock. Statt ehrlich über veraltete Flotten und Margendruck zu sprechen, wird die Belegschaft zum Schuldigen erklärt. Das ist billig und durchschaubar. Die eigentliche Frage lautet: Wie will Lufthansa die Lücke im Zubringernetz schließen? City Airlines steht noch nicht bereit, die Langstrecke braucht aber gefüllte Sitze.

Solange diese Gleichung nicht aufgeht, drohen Auslastungsprobleme und Umsatzeinbußen. Gleichzeitig setzt der Konzern auf Discover – eine Billigmarke, die mit niedrigeren Personalkosten operiert. Das ist die wahre Strategie: Weg von teuren Tarifverträgen, hin zu flexibleren Strukturen. Für Entscheider in der Luftfahrt bedeutet das: Tarifkonflikte werden künftig härter geführt. Wer glaubt, dass Lufthansa mit dieser Nummer durchkommt, unterschätzt die Gewerkschaften. Die nächste Streikwelle ist programmiert – und dann wird es richtig teuer.

Häufig gestellte Fragen

Warum schließt Lufthansa CityLine wirklich?

Offiziell nennt der Konzern Streiks und Kerosinpreise als Grund. Tatsächlich war die Schließung für 2028 längst beschlossen – die aktuelle Krise beschleunigt den Prozess lediglich. Die Canadair-CRJ-Jets sind technisch am Ende und wirtschaftlich nicht mehr tragbar. Lufthansa nutzt die Streiks als Vorwand, um unpopuläre Entscheidungen durchzusetzen und gleichzeitig die Gewerkschaften als Schuldige darzustellen.

Welche Auswirkungen hat die CityLine-Schließung auf das Lufthansa-Netzwerk?

Die Zubringerflüge zu den Drehkreuzen Frankfurt und München fallen weg – das trifft die Auslastung der Langstreckenmaschinen direkt. Ohne regionale Zubringer drohen leere Sitze auf profitablen Interkontinentalrouten. Bis die neue Tochter City Airlines einsatzbereit ist, bleibt eine Lücke im System. Kurzfristig könnte Lufthansa Codeshare-Partner oder andere Regionalcarrier einspannen, doch das kostet Marge und Kontrolle.

Was bedeutet die Flottenreduzierung für die Wettbewerbsfähigkeit von Lufthansa?

Der Abbau von sechs Langstreckenjets und fünf Mittelstreckenflugzeugen schwächt die Kapazität in einem ohnehin angespannten Markt. Während Lufthansa schrumpft, bauen Wettbewerber wie Emirates oder Turkish Airlines ihre Flotten aus. Die Expansion von Discover soll das kompensieren – doch Billigmarken kämpfen auf anderen Strecken als die Premiummarke Lufthansa. Langfristig riskiert der Konzern Marktanteile, wenn die Neuausrichtung nicht schnell greift.

Wie realistisch sind die versprochenen Anschlussbeschäftigungen für CityLine-Mitarbeiter?

Lufthansa verspricht Jobs innerhalb der Gruppe – doch die Gewerkschaften bewerten die Konditionen als unzureichend. Wahrscheinlich landen viele Beschäftigte bei Discover oder anderen Töchtern mit schlechteren Tarifverträgen. Piloten und Kabinenpersonal müssen mit Gehaltseinbußen rechnen. Ein Teil der Belegschaft wird den Konzern verlassen – freiwillig oder durch Abfindungen. Die Frage ist, ob Lufthansa genug Personal für die geplante Expansion von City Airlines findet.

Welche Branchen profitieren von der Lufthansa-Krise?

Konkurrierende Airlines wie Eurowings, Ryanair oder Wizz Air könnten Strecken übernehmen, die Lufthansa aufgibt. Regionalflughäfen verlieren Verbindungen, während große Hubs wie Frankfurt und München unter Druck geraten. Langfristig profitieren Flugzeughersteller wie Airbus, wenn Lufthansa alte Jets durch neue A350 ersetzt. Für Geschäftsreisende bedeutet die Konsolidierung weniger Auswahl und potenziell höhere Preise – ein klassisches Oligopolszenario.

Quellen: Bild, Tagesschau, Spiegel, Handelsblatt

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