Business & Beyond Lufthansa-Starlink-Internet: Musk fliegt jetzt kostenlos mit

Lufthansa-Starlink-Internet: Musk fliegt jetzt kostenlos mit

Lufthansa rüstet bis 2029 die komplette Flotte mit Starlink-Internet aus. Musks Starlink-System wird für den Internetzugang genutzt; dabei werden Nutzerkonten/Travel-ID-Daten im Buchungs- und Zugangsprozess verwendet.

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Ein Airbus A320neo hebt am Mittwoch ab und macht Lufthansa zum Vorreiter unter den großen Airlines beim Satelliteninternet. An Bord wird künftig gestreamt, gearbeitet und gesurft, mit einer Bandbreite, die laut Unternehmensangaben oft schneller sein soll als das Wifi zu Hause. Der Haken: Wer das kostenlose Angebot nutzen will, muss sich bei Elon Musks Infrastruktur registrieren. Die Lufthansa Gruppe rüstet ihre gesamte Flotte von rund 850 Flugzeugen mit der Satellitentechnik von Starlink aus, dem Ableger von Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX.

Bis 2029 soll die Umstellung abgeschlossen sein, wie Vorstandsmitglied Dieter Vranckx laut n-tv erklärt. Nach der A320-Flotte der Kerngesellschaft folgen die Tochtergesellschaften Swiss, Austrian und Brussels Airlines. Die notwendige Technik wird dabei nicht in Sonderterminen eingebaut, sondern während ohnehin geplanter Wartungsintervalle nachgerüstet, was den Aufwand für die Airline planbar hält, aber auch zeigt, wie langfristig das Projekt angelegt ist.

Starlink wird zur Infrastruktur-Wette der Luftfahrtbranche

Mehr als 9.000 Satelliten hat SpaceX für das Angebot bereits im Orbit installiert, wie DIE ZEIT berichtet, Spiegel Online spricht sogar von mehr als 10.000 Zugangspunkten. Damit positioniert sich Starlink nicht nur als Bordunterhaltungs-Feature, sondern als ernstzunehmende Alternative zur klassischen Satellitenkommunikation im Flugverkehr, die bislang oft für spürbar langsamere Verbindungen an Bord bekannt war. Air Baltic zählt in Europa zu den ersten Nutzern, zahlreiche weitere Airlines haben den Umstieg bereits angekündigt. Lufthansa reiht sich damit in eine Bewegung ein, die sich branchenweit abzeichnet: Wer im internationalen Wettbewerb um Passagierkomfort bestehen will, kommt an Satelliteninternet kaum noch vorbei.

Für Lufthansa ist der Deal auch ein Statement in der Plattformökonomie: Wer heute auf Starlink setzt, bindet sich an ein Netzwerk, das einem einzelnen Milliardär gehört und weltweit rasant wächst. Die Airline positioniert sich als Early Adopter einer Technologie, deren geopolitische und marktstrategische Tragweite über den Bordservice weit hinausreicht. Während andere Fluggesellschaften noch mit älteren Satellitensystemen operieren oder erst in Verhandlungen stecken, sichert sich Lufthansa frühzeitig einen Marketing-Vorteil, der sich in einer Branche mit ohnehin dünnen Differenzierungsmerkmalen als wertvoll erweisen könnte.

Kostenlos hat einen Preis: die Travel-ID

Der Internetzugang soll für Statuskunden und für alle Passagiere kostenfrei bleiben, die ein Nutzerkonto zur sogenannten Travel-ID anlegen. Zum Investitionsvolumen macht Lufthansa keine Angaben, was die eigentliche Kostenfrage der milliardenschweren Flottenausrüstung offenlässt. Angesichts von rund 850 Flugzeugen, die bis 2029 umgerüstet werden sollen, dürfte es sich um eine der größeren Technologieinvestitionen der Konzerngeschichte handeln, deren Details das Unternehmen bislang für sich behält. Die Travel-ID ist der eigentliche Clou des Angebots. Wer kostenlos surfen will, gibt Lufthansa ein Nutzerprofil, das sich mit Buchungs- und Reisedaten verknüpfen lässt. Kostenloses Bord-Wifi wird so zum Türöffner für ein Datenmodell, das über den Flug hinaus wirkt.

Anders als bei bisherigen Bord-Internetangeboten, die oft kostenpflichtig und technisch limitiert waren, verschiebt sich die Gegenleistung vom Geldbeutel auf die Nutzerdaten. Für Passagiere ohne Travel-ID bleibt unklar, ob und zu welchen Konditionen sie überhaupt Zugang erhalten. Neu ist auch die Etikette im Portal Lufthansa Group Wifi: Kopfhörerpflicht bei Audio- und Videoinhalten, keine Sprach- oder Videoanrufe, keine Livestreams. Die Regeln sollen den Kabinenfrieden sichern, sobald Hochgeschwindigkeitsinternet in der Holzklasse ankommt. Bislang war das Surfen an Bord oft durch schmale Bandbreiten und hohe Latenzen ohnehin gebremst, wodurch Videotelefonie oder Streaming in Echtzeit kaum praktikabel waren.

Mit Starlink ändert sich das grundlegend, weshalb die Airline offenbar vorsorglich klare Verhaltensregeln formuliert hat, bevor die neue Geschwindigkeit zu störendem Verhalten in der Kabine führt. Dass Lufthansa das Angebot allen Preisklassen zugänglich macht und nicht nur zahlenden Premiumkunden vorbehält, unterscheidet den Schritt von früheren Bord-Wifi-Modellen, bei denen schnelles Internet meist ein Privileg der Business- oder First Class war. Die Demokratisierung des schnellen Zugangs an Bord könnte zum Erwartungsstandard in der gesamten Branche werden, sobald sich die Technologie flächendeckend durchsetzt.

Business Punk Check

Kostenlos ist bei Lufthansa nichts, außer man zahlt mit Daten. Die Travel-ID-Pflicht verwandelt ein Komfort-Feature in ein Werbe- und Profiling-Instrument, über dessen genaue Nutzung das Unternehmen bislang keine Details liefert.

Technisch ist die Ansage stark: Bandbreite, die Heim-Wifi übertrifft, ist für Kurz- und Mittelstreckenflüge ein echter Sprung. Doch die Kehrseite bleibt unklar, denn zum Investitionsvolumen schweigt Lufthansa komplett. Das macht die Wirtschaftlichkeit des Deals von außen nicht bewertbar.

Strategisch bindet sich Lufthansa an Musks Satelliteninfrastruktur, während der Wettbewerb unter den großen Airlines um Starlink-Verträge längst läuft. Wer früh dabei ist, sichert sich einen Marketing-Vorteil. Wer abwartet, riskiert, bei der nächsten Wartungsrunde ohnehin nachziehen zu müssen. Die eigentliche Machtfrage lautet: Wie viel Infrastrukturabhängigkeit von einem einzelnen Anbieter ist einer Airline dieser Größe eigentlich zumutbar?

Auf einen Blick

  • Lufthansa rüstet bis 2029 rund 850 Flugzeuge der Gruppe mit Starlink-Satelliteninternet von SpaceX aus.
  • Der erste Airbus A320neo mit dem neuen WLAN-Angebot startet am 19. August, danach folgen Swiss, Austrian und Brussels Airlines.
  • Das Surfen bleibt kostenlos, setzt aber ein Nutzerkonto zur Travel-ID voraus, zum Investitionsvolumen macht Lufthansa keine Angaben.
  • SpaceX betreibt für Starlink laut Quellenangaben mehr als 9.000 beziehungsweise über 10.000 Satelliten im Orbit als Zugangspunkte.

Quellen: n-tv.de, Spiegel, ZEIT

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