Business & Beyond Interview: „Klarheit in der eigenen Haltung schafft Identität“

Interview: „Klarheit in der eigenen Haltung schafft Identität“

Mara Wieczorek prägt als Brand Director die Erfolgsgeschichte des Modelabels Rich & Royal – gemeinsam mit ihrem Mann Patrick Stupp und dessen Bruder. Mit klarer Haltung, Mut zu schnellen Entscheidungen und einem feinen Gespür für Trends hat sie die Marke zu internationaler Relevanz geführt. Warum Authentizität wichtiger ist als Anpassung und Bauchentscheidungen oft die besten sind, erzählt sie im Gespräch.

Text – Nena Brockhaus

Ein Dienstagabend in Düsseldorf. Mara Wieczorek und ich sind zum Abendessen verabredet. Sie ist Brand Director bei Rich & Royal. Der Firma, die 2006 ihr Ehemann Patrick Stupp und sein Bruder Denis Stupp gegründet haben. Seit 2011 ist Mara mit an Bord. Bevor es jedoch zum Interview kommt, öffnet Mara erst einmal ihr Gastgeschenk. Gemeinsam mit meinem dreijährigen Sohn. Kein Blumenstrauß, keine 08/15-Pralinen. Sondern das Lieblingsspiel ihres Sohnes. Das Dinosaurierspiel wird sofort aufgebaut. Die Kugeln rollen los. Währenddessen bestelle ich Sushi.

Das Geschenk ist exemplarisch für Mara. Sie ist eine Frau, die aufmerksam ist, zugewandt, die Wertschätzung lebt. Die sich Gedanken über ihr Gegenüber gemacht. Eine Tugend, die sich wie Pünktlichkeit und Disziplin in unserer heutigen Zeit auf dem Rückzug befinden. Wir setzen uns an den Tisch. Interviewt zu werden, ist für Mara nichts Alltägliches. Sie ist keine Frau, die sich in den Mittelpunkt drängt. Sie spricht schnell, aber präzise und wählt ihre Worte mit Bedacht.

Ich will von ihr wissen, wie es ihnen zu dritt in den letzten fünfzehn Jahren gelungen ist, die Marke zum Erfolg zu führen. Schließlich ist Rich Royal längst keine kleine Modemarke mehr. Die Firma beschäftigt insgesamt rund 150 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist in Freiberg am Neckar ansässig und vertreibt seine Mode an über 1000 Verkaufspunkten in mehreren Ländern.


Business Punk: Mara, du bist eine sehr modische Frau. Woher kommt dein Fashion Instinct?

Das hat viel mit meiner modebewussten Mutter zu tun. Sie legte schon immer viel Wert auf ihr Äußeres und trug die tollsten Designerkleider. Früh zeigte sie mir diese Welt. Meine Tage verbrachte ich mit ihr in ihrer Kölner Lieblingsboutique. Meine Mutter hatte wirklich den heißen Scheiß, ich erinnere mich an legendäre Versace Lackstiefel à la Julia Roberts. Als Teenie habe ich natürlich ihren Kleiderschrank geplündert.

Business Punk: Wie war dein Weg in die Fashion-Industrie?

Daran ist mein Mann Patrick Stupp nicht ganz unschuldig. Als ich ihn mit 17 Jahren auf Ibiza kennenlernte, studierte er an der LDT in Nagold. Dort habe ich ihn oft besucht und den Fashion-Zirkus live erlebt. Mir war schnell klar: Das will ich auch! Nach Abi und Dualem Studium bei P&C und an der Hochschule, startete ich im Vertrieb bei CBR, später folgten PVH und Esprit. Auch im klassischen Vertrieb kam ich immer über die Warenseite und brachte mein Gefühl für das Sortiment auf der Fläche ein.

Business Punk: Warum Rich Royal?

Patrick und sein Bruder Denis, die 2006 Rich & Royal gründeten, beobachteten meinen Weg und wollten mich als Profi an Bord. Nicht als die Freundin von … Junges Label, wenig Teile? No Chance! Doch sie ließen nicht locker. 2011 übernahm ich relativ blauäugig den NRW-Vertrieb. Schon die erste Orderrunde war ein gigantischer Erfolg. Step by Step habe ich den Key Account aufgebaut und unsere bis heute wichtigsten Großkunden angedockt. Seit vielen Jahren verantworte ich nun Design, Produkt & Marketing.

Business Punk: Was motiviert dich als Unternehmerin?

Schnelle Entscheidungen! Unser Unternehmen und unsere Brand immer weiterzuentwickeln. Ich sehe eine Möglichkeit und gehe rein. Teilweise übertrieben spontan. Für immer neu. Wir bleiben nie gleich. Das ist unsere DNA. Und so bin ich persönlich auch gestrickt. Mein Motto: Tue, was du liebst, und du wirst erfolgreich sein, oder wie man in meiner Kölschen Heimat sagt: Vun nix kütt nix. Das ist mein Anspruch. Damit bin ich groß geworden.

Business Punk: Mit dem eigenen Mann und seinem Bruder zu arbeiten, stelle ich mir schwierig vor. Wie gelingt dir das?

Manchmal hilft: einfach Lächeln und Winken (Mara lacht). Ich habe keine Lust, einen vom Pferd zu erzählen, wie harmonisch und geordnet alles zugeht. Wir sind vom Typ her alle sehr unterschiedlich, das befruchtet sich, kann aber auch herausfordernd sein. Klar, kracht es da auch mal. Der Weg zum Ziel ist bei jedem von uns anders, wenn das Ergebnis stimmt und wir am Ende zusammen glänzen, bin ich happy. Durch Rich & Royal habe ich so ein freies Arbeiten für mich gewonnen, das gäbe es in keiner anderen Firma.

Business Punk: Du steckst seit Jahren hinter den Designs für Rich Royal. Was inspiriert dich?

Mehrmals im Jahr bin ich in Paris. Ich sauge dort alles auf. Antiquitäten, Papeterie, Kunst, Couture. Mich inspiriert die Atmosphäre, dieser Pariser Way of Life. Super chic, aber dabei locker. Der Drive ist sofort da. Ich arbeite mich durch die Kollektionen: Welche Stofflichkeit gibt es? Was sind die aktuellen Shapes? Ich sehe auf einen Blick, was zu einem Trend werden kann, den wir für uns interpretieren. Außerdem stecke ich eben nicht allein hinter den Designs, mein großartiges Team bringt maßgeblich Ideen ein und weiß, was übermorgen kommt.

Business Punk: Wo ziehst du persönlich die Grenze zwischen kommerziellem Erfolg und künstlerischer Freiheit?

Bei allem, was ich tue, habe ich unsere Kundin im Blick. Im Grunde verwirkliche ich mich nicht selbst. Ich übersetze Trends und Themen für unsere Zielgruppe. Natürlich lernen wir aus unseren Zahlen. Rich & Royal arbeitet sehr systematisch, das kombinieren wir mit unserem guten Gespür für den Markt. Unsere Marke funktioniert über modische Spitzen und Highlights auf den Flächen. Nicht zu früh, aber früher als alle anderen – das ist unser Erfolg.

Business Punk: Was ist dir wichtig bei der Inszenierung eurer Marke?

Premium, Premium, Premium! Und feminin muss es sein. Alles, was wir machen, hat Anspruch und strahlt Wertigkeit aus. Ich setze nur um, wovon ich selbst überzeugt bin. Wenn ich eine Vision im Kopf habe, bringe ich Mann und Maus in Bewegung, um sie zu verwirklichen. Teilweise kostet das viel Kraft. Aber am Ende lohnt es sich.

Business Punk: Rich & Royal hat den Slogan “Dressing Superwomen”. Wer ist für dich eine Superwoman?

Wir sagen immer: Our Superwomen is many women. Die Rich & Royal Frau passt nicht in eine Schublade, ein Altersspektrum oder eine Steuerklasse. Ich habe individuelle, dynamische Persönlichkeiten mit Ausstrahlungskraft vor Augen. Tolle Frauen, die für etwas stehen. Beauty & Brain, nie nur Frau von. Up to date, gut vernetzt, starke Wertebasis. Bereit etwas zu leisten. Stillstand? Nein, danke.

Business Punk: Euer Motto ist „Maybe not everybody‘s darling” – welchen Rat würdest du einer Frau geben, die eben nicht Everybody’s Darling ist und aneckt?

Klarheit in der eigenen Haltung schafft in meinen Augen Identität. Die richtigen Chancen kommen durch Authentizität, nicht durch Anpassung. Bleib dir treu, sei geradeaus. Ich würde nie den Weg des geringsten Widerstands gehen, nur weil‘s einfacher ist.

Business Punk: Woraus ziehst du deine Kraft?

Meine Familie und meine Freunde. Mich ausleben zu können und gleichzeitig eine Familie mit zwei kleinen Kindern haben zu dürfen, ist mein größtes Achievement. Es ist sicher nicht für jede Frau der richtige Weg, fünf Tage nach Geburt wieder mit Baby im Arm im Design-Meeting zu sitzen. Aber für mich. Und ohne meine Freundschaften kann ich nicht! Sie sind mein größter Kraftpool.

Business Punk: Was war deine größte Fehleinschätzung als Unternehmerin?

Zu glauben, dass alle anderen genauso schnell denken wie ich und genauso viel Lust auf ständige Veränderung haben.

Business Punk: Wovon träumst du noch beruflich?

Die Marke zu einer wirklich starken Marke werden lassen. Echte Relevanz. Ich träume davon, dass Frauen, von denen ich viel halte, sagen: Wow, liebe ich – ich will das tragen! Ganz ehrlich: Wir sind sehr relevant am Markt. Wir haben mit die höchsten Marktanteile in unserer Kategorie. Aber wissen das die Leute? Ich will, dass jeder Rich & Royal kennt!

Business Punk: Letzte Frage: Welche Frage wirst du als Unternehmerin zu selten gefragt?

Welche deiner Entscheidungen kamen eher aus deinem Bauchgefühl und wie oft war es tatsächlich Strategie? Meine besten Entscheidungen sind immer Bauchentscheidungen.

Unser Interview ist zu Ende. Das Sushi ist immer noch nicht da. Der Fahrer sei im Schlamm stecken geblieben. Mittlerweile ist es 22.30 Uhr. Kurzerhand stellt sich Mara an den Herd und wärmt einen Eintopf auf, den ich noch rumstehen habe. Mara ist in jedem Bereich ihres Lebens eine Macherin. Da kommt noch viel!

Mara Wieczorek ist Brand Director bei Rich & Royal, dem 2006 von ihrem Ehemann und Schwager gegründeten Modeunternehmen mit Sitz in Freiberg am Neckar. In ihrer Rolle verantwortet Mara Wieczorek Design, Produkt & Marketing von Rich & Royal. Inspierieren lässt sie sich vom Pariser Way of Life.

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