Business & Beyond Musks 1,75-Billionen-Wette: Warum der SpaceX-Börsengang ein Vabanquespiel ist

Musks 1,75-Billionen-Wette: Warum der SpaceX-Börsengang ein Vabanquespiel ist

SpaceX beantragt vertraulich den größten IPO der Geschichte. Bewertung: 1,75 Billionen Dollar. Doch hinter dem Glamour verbirgt sich eine Matrjoschka-Strategie zur Verlustkaschierung – und Kleinanleger tappen in die Falle.

Elon Musk bereitet den größten Börsengang aller Zeiten vor. SpaceX hat bei der US-Börsenaufsicht SEC vertrauliche Dokumente eingereicht, wie Bloomberg berichtet. Die angestrebte Bewertung: 1,75 Billionen Dollar. Zum Vergleich – der bisherige Rekordhalter Saudi Aramco kam 2019 auf mickrige 29,4 Milliarden Dollar Emissionsvolumen. SpaceX will 50 bis 75 Milliarden Dollar einsammeln, 21 Banken sind am Konsortium beteiligt. Intern trägt das Projekt den Codenamen „Project Apex“. Bereits im Juni könnte es losgehen, noch vor den Börsengängen von OpenAI und Anthropic.

Die Twitter-Leiche im SpaceX-Keller

Was niemand laut sagt: Dieser IPO ist auch eine gigantische Rettungsaktion. Musks Twitter-Kauf war ein 44-Milliarden-Dollar-Desaster. Die Lösung? Eine Finanz-Matrjoschka, wie russische Holzpuppen.

Erst wurde Twitter in xAI verpackt, im Februar übernahm SpaceX dann xAI – inklusive des chronisch defizitären Social Network X und des Chatbots Grok. Das Twitter-Fiasko wurde nach Art russischer Holzpuppen zunächst in xAI und inzwischen in SpaceX aufgelöst, schreibt heise unverblümt. SpaceX soll die Verluste absorbieren, während der Glanz der Raketen die dunklen Flecken überdeckt.

Profit-Fantasie oder Buchhaltungs-Magie?

SpaceX behauptet gegenüber Reuters, 2024 etwa 15 bis 16 Milliarden Dollar Umsatz gemacht zu haben – mit einer Profitmarge von satten 50 Prozent. Acht Milliarden Dollar Gewinn bei 16 Milliarden Umsatz? Das wäre eine Marge, die selbst Apple neidisch machen würde. Ob das Buchhaltung nach Art Elon Musks oder nach anerkannten Standards ist, wird der Börsenprospekt zeigen, merkt Daniel AJ Sokolov bei heise trocken an. Erst 15 Tage vor der Roadshow muss SpaceX den S-1-Prospekt veröffentlichen. Bis dahin bleibt alles Spekulation.

Fest steht: SpaceX dominiert den Satelliten-Transportmarkt. Starlink, das Satelliten-Internet, generiert Umsätze. Doch wie hoch ist die Kapitalverbrennungsrate des Starship-Programms? Wie sind die xAI-Rechenzentren eingepreist? Musks jüngste Vision – eine Million Satelliten als Rechenzentren im All – klingt eher nach Investor-Köder als nach Geschäftsplan. April lädt SpaceX Analysten zu einer Konferenz, zwei Tage später dürfen sie ein xAI-Rechenzentrum besichtigen, wie Trending Topics meldet. Klassisches IPO-Theater.

Sekundärmarkt-Falle für Kleinanleger

Seit Jahren werden auf Sekundärmärkten angebliche Kaufoptionen für SpaceX-Aktien gehandelt. Privatinvestoren und Mitarbeiter halten längst Anteile, können sie aber nicht verkaufen.

Die Konstruktionen sind oft dubios: Über mehrere Zwischenfirmen soll am Ende irgendwer Zugriff auf künftige Aktien haben. Gewinne sind dabei praktisch garantiert, aber nur für die Zwischenhändler, die Gebühren einstreichen, warnt heise. 2023 wurde ein New Yorker zu 97 Monaten Haft verurteilt, weil er betrügerische SpaceX-Kaufrechte verkauft hatte – sechs Millionen Dollar Schaden.

Business Punk Check

Musks SpaceX-IPO ist ein Husarenstück – oder ein Himmelfahrtskommando. Eine Bewertung von 1,75 Billionen Dollar setzt voraus, dass Starlink zum globalen Internet-Monopol wird, Starship profitabel fliegt und xAI ChatGPT überholt. Gleichzeitig trägt SpaceX jetzt die Twitter-Altlasten mit sich herum. Die zentrale Frage: Ist die Profitabilität echt oder Musk-Mathe?

Für Anleger gilt: Finger weg von Sekundärmarkt-Optionen – das ist reines Casino. Wer beim IPO einsteigt, sollte den S-1-Prospekt genau lesen. Und sich fragen: Will ich wirklich in ein Konglomerat investieren, das Raketen, Satelliten, Social Media und KI unter einem Dach vereint? Diversifikation sieht anders aus. Musks Wette ist gigantisch.

Häufig gestellte Fragen

Wann findet der SpaceX-Börsengang statt?

Laut *Trending Topics* könnte der IPO bereits im Juni 2026 stattfinden. SpaceX muss den S-1-Prospekt spätestens 15 Tage vor der Investor-Roadshow veröffentlichen. Konkrete Termine sind noch nicht offiziell bestätigt.

Warum fusionierte SpaceX mit xAI und Twitter?

Die Übernahme kaschiert Musks Twitter-Desaster. Durch die Integration von xAI und dem defizitären Social Network X in SpaceX sollen die Verluste von SpaceX-Gewinnen absorbiert werden – eine klassische Matrjoschka-Strategie.

Ist die 1,75-Billionen-Bewertung realistisch?

Fraglich. SpaceX behauptet 8 Milliarden Dollar Gewinn bei 16 Milliarden Umsatz – eine 50-Prozent-Marge, die ungewöhnlich hoch ist. Erst der SEC-Prospekt wird zeigen, ob die Zahlen nach anerkannten Standards gerechnet sind.

Sollte ich SpaceX-Optionen auf dem Sekundärmarkt kaufen?

Nein. Sekundärmarkt-Konstruktionen sind oft dubios und intransparent. Zwischenhändler verdienen an Gebühren, Anleger tragen das Risiko. 2023 wurde ein Betrüger für solche Machenschaften zu 97 Monaten Haft verurteilt.

Quellen: heise, WirtschaftsWoche, Handelsblatt, TechCrunch, Trending Topics, Bloomberg, Reuters

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